Politik

Sumo, Golf und Japans Kaiser Trump befeuert Japans Rüstungsdebatte

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Vorzeigeflieger der US-Rüstungsindustrie: Eine dramatisch ausgeleuchtete F-35 dient als Kulisse für Trumps Ansprache im Hangar der "USS Wasp".

(Foto: REUTERS)

Zum Abschluss seiner Japanreise legt Trump einen Abstecher beim Militär ein. An der Seite von First Lady Melania betritt er - als erster US-Präsident überhaupt - ein Kriegsschiff der japanischen Marine. Bei einer Ansprache kündigt er die weitere Aufrüstung an.

Mit einem Besuch des japanischen Hubschrauberträger "JS Kaga" hat Präsident Donald Trump seinen viertägigen Staatsbesuch in Japan beendet. Nach der Landung per Helikopter wurde er an Deck des rund 250 Meter langen Kriegsschiffes von Japans Ministerpräsident Shinzo Abe empfangen. Nach Angaben des japanischen Verteidigungsministeriums war Trump der erste US-Präsident, der jemals ein japanisches Kriegsschiff betreten hat.

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Symbolgeladener Auftritt auf einem japanischen Kriegsschiff: Trump und seine Frau Melania nach der Landung auf dem Deck der "Kaga".

(Foto: REUTERS)

Anschließend wechselte Trump auf das vor Ort liegende US-Kriegsschiff "USS Wasp", wo er im Hangardeck vor rund 800 Seeleuten, Piloten und Marineinfanteristen eine kurze Rede hielt. Unter dem Beifall der Soldaten kündigte er dort unter anderem an, die Modernisierung der Streitkräfte weiter voranzutreiben.

Sein Abstecher zur US-Marine nach dem Besuch an Bord der der "Kaga" lässt sich als Hinweis auf die militärische Kooperation mit einem der wichtigsten US-Verbündeten in der Pazifikregion verstehen. Die USA sind in Japan mit mehreren Militärbasen vertreten, die in der Versorgung der eigenen Streitkräfte eine tragende Rolle spielen.

Die beiden Kriegsschiffe "Wasp" und "Kaga" sind sich sehr ähnlich: Bei dem US-Schiff handelt es sich um einen einem rund 260 Meter langen Hubschrauberträger mit eigenem Dock im Rumpf für Landungsboote. Im Sprachgebrauch des US-Militärs wird dieser Schiffstyp als amphibisches Angriffsschiff bezeichnet, mit dem Truppen fernab der Heimat von See aus in den Einsatz geschickt werden können.

Besuch des Präsidenten von großer Bedeutung

Trumps Kombi-Auftritt auf den beiden Kriegsschiffen hat mehr als nur symbolische Bedeutung. Beide Schiffe bieten ausreichend Platz, um bei Bedarf auch als Flugzeugträger für die neuesten Kampfjets aus US-Produktion zu dienen. Möglich wird das durch die speziellen Kurzstartfähigkeiten des Stealth-Jets vom Typ F-35B.

Doch in Japan ist die Umrüstung der eigenen Hubschrauberträger zu einer Art Angriffsschiff mit F-35-Jets alles andere als unumstritten. Formell ist die japanische Marine als Teil der nationalen "Selbstverteidigungskräfte" komplett defensiv ausgerichtet. Die mögliche Aufwertung der eigenen Kriegsschiffe zur schwimmende Einsatzplattform für Tarnkappen-Flieger stößt in Teilen der japanischen Öffentlichkeit auf vehemente Kritik.

Japan ist am Bau des Kampfjetmodells beteiligt und einer der wichtigsten Partnerländer des Herstellers Lockheed Martin. Wie Trump am Rande seiner Japanreise bekannt gab, will die japanische Regierung weitere 105 Exemplare übernehmen. Der Stückpreis der Hightech-Jets liegt je nach Auslegung bei bis zu 120 Millionen Dollar. Insgesamt gilt das F-35-Programm als das größte und teuerste Rüstungsvorhaben der US-Luftfahrtgeschichte.

Gegner der Aufrüstung sprechen von einem Verstoß gegen die japanische Verfassung, die eine offensive Auslegung der Streitkräften mit Blick auf die japanische Rolle im Zweiten Weltkrieg eigentlich kategorisch ausschließt. Für die US-Rüstungsindustrie kommen Neuaufträge aus Japan allerdings nicht ungelegen: Um die Produktionskosten im Flugzeugbau zu senken, sucht Lockheed Martin weltweit nach geeigneten Abnehmern. Auch in Deutschland war die F-35 zeitweise als möglicher Nachfolger für die alternde Flotte an Tornado-Kampfjets im Gespräch.

Empfang bei Kaiser von Japan

Ein Handelsabkommen mit Japan konnte US-Präsident Trump, der die Industrienation in Begleitung von First Lady Melania bereiste, bei seinem viertägigen Staatsbesuch nicht abschließen. "Ich denke, dass wir im August einige Ankündigungen machen können", sagte Trump dazu. Er will die Japaner vor allem dazu bewegen, mehr US-Waren zu kaufen, um das riesige Defizit in der Handelsbilanz abzubauen, das er nach seinem Verständnis als "unfair" einstuft. Mit dem Kampfjet-Deal versucht Abe offenbar, den Amerikanern entgegen zu kommen.

Trump hielt sich seit vergangenem Samstag in Japan auf und war unter anderem als erster Staatsgast seit seiner Thronbesteigung am 1. Mai von Kaiser Naruhito empfangen worden. Am Montagabend gab das Kaiserpaar ein Staatsbankett für die Gäste aus den USA. Mit Abe hatte Trump politische Gespräche geführt, die sich unter anderem um die Themen Handel, Iran und Nordkorea drehten. Daneben spielte der US-Präsident Golf und wohnte einem Sumo-Ringkampf bei.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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