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Seltsame Reaktion auf US-Klagen Trump bleibt auf Kuschelkurs mit Russland

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Es gibt keine Beweise, dass Putin und Trump in irgendeiner Form miteinander konspiriert hätten - dem US-Präsidenten gelingt es aber immer wieder, genau dieses Thema am köcheln zu halten.

(Foto: AP)

Die Anklage von 13 Russen bringt die Bestätigung: Russen haben offenbar tatsächlich versucht, den US-Wahlkampf zu beeinflussen. Der Präsident reagiert mit Vorwürfen: gegen die Demokraten, gegen das FBI - aber nicht gegen Russland.

Es war einer dieser "Wow!"-Momente, eine dieser Nachrichten, die einen selbst im Trump-Zeitalter kurz in die Stuhllehne zurückkippen lassen. Das Team um US-Sonderermittler Robert Mueller erhebt am Freitag Anklage gegen russische Bürger und Unternehmen. Der Vorwurf: Sie sollen versucht haben, den Wahlausgang im Jahr 2016 zu beeinflussen, sie sollen versucht haben, eine Präsidentin Hillary Clinton zu verhindern. Mueller ließ damit eine Bombe platzen, die einen monatelang wabernden Verdacht in eine klare Gewissheit verwandelte. Eine Gewissheit, hinter die dann am vergangenen Sonntag ausgerechnet Trumps Sicherheitsberater H. R. McMaster noch ein Ausrufezeichen setzt, als er auf der Münchner Sicherheitskonferenz von "unwiderlegbaren Beweisen" spricht.

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Es ist eine Blamage für Präsident Donald Trump. Denn der hatte noch im November 2017 getönt, dass er nicht an eine russische Einmischung im Wahlkampf glaube. Sein Kronzeuge war niemand Geringeres als der russische Präsident. Wladimir Putin habe ihm das versichert, sagte er voller Überzeugung. Was bestenfalls naiv klang, lässt seit Freitag noch mehr Beobachter die Augenbrauen zusammenschieben. Warum, so fragen sich nun manche, hält sich Trump mit Kritik an Russland zurück? "Was werden wir nun gegen diese Bedrohung aus Russland tun? Er redet nie darüber. Es geht immer nur um ihn selbst", sagte etwa Ex-Geheimdienstdirektor James Clapper bei CNN. Der demokratische Senator Adam Schiff twitterte in Richtung Trump: "Wenn McMaster Putin die Stirn bieten kann, warum können Sie es nicht?".

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Die Frage verfolgt Trump schon seit Monaten. Dass sie nun noch an Dringlichkeit gewinnt, hat Trump sich selbst zu verdanken. Statt die Angriffe klar zu verurteilen und sich hinter die eigene Bundespolizei zu stellen, verheddert er sich erneut in einen Kleinkrieg mit dem FBI und den Demokraten. Dabei dachte der Präsident zunächst, die Anklage der Russen sei eine gute Nachricht für ihn. Denn dem Papier zufolge gibt es keine Hinweise, dass die Bemühungen der Russen tatsächlich den Wahlausgang beeinflusst haben. Und der zweite wichtige Punkt für Trump: Die Amerikaner, die mit Spionen in Kontakt standen, sollen nicht gewusst haben, dass es sich dabei um Russen handelte. Darauf stürzt sich Trump. In seinem ersten Tweet am Freitag schreibt er: "Russland begann seine Anti-US-Kampagne 2014, lange bevor ich meine Kandidatur angekündigt hatte. Die Ergebnisse der Wahl wurden nicht verändert. Das Trump-Wahlkampfteam hat nichts falsch gemacht - keine Zusammenarbeit!"

Trump biegt sich die Fakten zurecht

In mittlerweile gewohnter Manier biegt sich der US-Präsident die Fakten zurecht. Es mag keine Hinweise auf den Erfolg der russischen Bemühungen geben - das heißt aber nicht, dass diese tatsächlich keinen Erfolg hatten. Genauso falsch ist Trumps zweite Schlussfolgerung: Dass die Amerikaner, die den Inkognito-Russen in den USA begegneten, nichts von deren Herkunft ahnten, entlastet Trumps Team ebenso wenig. Denn von dessen Mitgliedern ist bislang noch gar nicht die Rede. Auch die Ermittler wissen, wie bereitwillig sich Trumps Sohn, Donald Jr., im Sommer 2016 mit einer russischen Anwältin traf, die ihm "Schmutz über Hillary Clinton" versprochen hatte. Verdacht zu schöpfen ist da wohl mehr als angebracht.

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Mit seiner ersten Tirade gelingt es Trump jedoch nicht, die Diskussion zu beruhigen. Der Präsident legt nach und greift das FBI an. Nachdem die Bundespolizei eingeräumt hatte, Hinweise auf den Attentäter des High-School-Massakers in Florida ignoriert zu haben, haut Trump in diese Kerbe. Das FBI habe zu viel Zeit mit der Russland-Ermittlung vergeudet, poltert er - die Bundespolizisten sollten sich lieber auf die Basisarbeit konzentrieren. Selbst Republikaner wie Ohio-Gouverneur John Kasich, allerdings ein Trump-Kritiker, verwerfen dies als "absurd". Trumps Unterstützer Chris Christie sagt, Trump solle sich aus der Strafverfolgung heraushalten.

Keine Beweise, aber mehr Fragezeichen

Laut "Washington Post" setzte Trump diese Tweets von seinem Zweitwohnsitz Mar-a-Lago in Palm Beach (Florida) ab - dort habe er auf seine üblichen Runden Golf aus Respekt vor den Opfern des Schulmassakers verzichtet. Stattdessen habe er ferngesehen, wobei sich immer mehr Frust über die kritische Berichterstattung aufgestaut habe. Dann habe er losgetwittert. So wirft er dann seinem Vorgänger Obama vor, nichts gegen die russische Einmischung getan zu haben. McMaster watscht er ab, weil der in München "vergessen" habe zu sagen, "dass das Wahlergebnis nicht beeinflusst" worden sei. Und er behauptet, in Moskau lachten "sie sich gerade den Arsch ab", angesichts des Streits, der in den USA entfacht worden sei.

Damit liegt Trump womöglich richtig. Allerdings, so mögen Trump-Kritiker anfügen, aus anderen Gründen. Dass der US-Präsident sich mit dem FBI und anderen US-Politikern streitet, statt sich gegen Russland zu wenden, mag dort für Amüsement sorgen. Warum Trump aber kaum kritische Worte für den Kreml übrig hat, bleibt zunächst unbeantwortet. Ist es sein natürlicher Impuls, die anzugreifen, die ihn angreifen? Ist er nicht in der Lage, die politische Dimension der russischen Einmischung zu verstehen? Beweise, dass er mit den Russen unter einer Decke steckt, gibt es jedenfalls noch immer nicht. Aber die Fragezeichen sind nicht weniger geworden.

Quelle: n-tv.de

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