Politik

"So gut wie abgeschlossen"Trump deutet in Interview nahes Kriegsende an

09.03.2026, 22:03 Uhr
imageVon Alexander Schultze
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US-Präsident Trump salutiert, als die Überreste von sechs im Nahen Osten getöteten US-Soldaten in die USA überführt werden. (Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Die Ziele der USA im Iran bleiben noch immer weitgehend nebulös. Da ist es umso überraschender, dass US-Präsident Trump in einem Interview nun andeutet, der Krieg gehe seinem Ende entgegen. Die USA seien ihrem Zeitplan weit voraus.

US-Präsident Donald Trump bezeichnet den Krieg gegen den Iran als weitgehend entschieden. "Ich denke, der Krieg ist so gut wie abgeschlossen" (engl. "is very complete"), zitiert CBS-Reporterin Weijia Jiang auf X aus einem Telefoninterview mit dem Präsidenten. Er fügte demnach hinzu, die USA seien ihrem ursprünglichen Zeitplan von vier bis fünf Wochen "weit" voraus.

"Sie haben keine Marine, keine Kommunikationssysteme, keine Luftwaffe", soll Trump demnach CBS gesagt haben. Tatsächlich scheint nahezu die gesamte Marine des Irans außer Gefecht gesetzt zu sein. Allerdings beruht die militärische Stärke des Iran vor allem auf seinen Landstreitkräften - allen voran den Revolutionsgarden. Die umfassen, je nach Angaben, zwischen 125.000 und 200.000 gut ausgerüsteten Kämpfern. Dazu kommen weitere Kräfte, wie etwa die Basidsch-Milizen, die ebenfalls mehrere Hunderttausend Mann umfassen könnten. Die Luftwaffe des Iran wird ebenfalls als wenig schlagkräftig eingeschätzt. Sie soll vor allem aus Kampfjets aus den 70er und 80er Jahren bestehen.

Experten bezweifeln, dass der Iran militärisch ausschließlich durch Luftangriffe zu schlagen sei. Die Konsequenz für die USA wäre ein Einsatz von Bodentruppen. Dazu hatte Trump sich unterschiedlich geäußert - mal begeistert, meist jedoch eher zurückhaltend. Die US-Regierung hatte bereits wenige Tage nach Beginn des Krieges auch die Kurden im Irak als mögliche Kämpfer vor Ort ins Spiel gebracht. So soll es die Überlegung gegeben haben, die Truppen mit US-Waffen auszustatten. Bei den kurdischen Kräften gab es allerdings enorme Skepsis und auch Trump erklärte die Idee vor wenigen Tagen wieder als nicht sinnvoll.

Ergänzend warnte Trump den Iran: "Sie haben alles abgeschossen, was sie abschießen konnten, und sie sollten besser nichts Ausgefallenes versuchen, sonst wird das das Ende dieses Landes sein." Was genau er damit meint, bleibt offen. Die Bombardements des Irans durch israelische und amerikanische Truppen geht weiter. Der Iran feuert seinerseits weiterhin Drohnen und Raketen auf Nachbarstaaten wie den Irak oder die Vereinigten Arabischen Emirate. Die Zahl der iranischen Luftschläge hat seit Kriegsbeginn deutlich nachgelassen, wie groß das Arsenal Teherans aber noch ist, kann nicht mit Gewissheit geklärt werden.

Auf die Frage wie Trump zu dem am Sonntag neu gewählten Obersten Führer des Iran, Modschtaba Khamenei, stehe, sagte er laut Jiang: "Ich habe keine Botschaft für ihn. Überhaupt keine." Zuvor hatte Trump gesagt, der Sohn des getöteten Ajatollah Ali Chamenei, könne aus seiner Sicht nicht der neue Führer werden. Trump forderte eine Mitsprache der USA bei der Besetzung des Postens ein und erklärte, Führer, die nicht den US-Vorstellungen entsprächen, würden "nicht lange überdauern". Nun erklärte Trump laut CBS, er habe jemanden im Sinn, der Chamenei ersetzen könnte. Mehr sagte er nicht.

Hinsichtlich der nach wie vor kaum befahrenen Straße von Hormus erklärte Trump im Interview mit CBS, Schiffe würden diese jederzeit passieren. Er denke aber, so Jiang, darüber nach, "sie zu übernehmen". Was genau Trump damit meint, ist ungewiss. Die Website Marinetraffic.com zeigt kaum Schiffe, die die wichtige Schifffahrtsroute derzeit passieren. Stattdessen stauen sich Hunderte Tanker abseits der Passage. Der Iran hatte einige Tanker unter Beschuss genommen. Trump hatte zuvor bereits angekündigt, die US-Marine könne durchfahrende Schiffe eskortieren.

Kurz nach Beginn der Luftangriffe hatte Trump behauptet, die USA könnten den Krieg binnen kürzester Zeit beenden. Obwohl Ajatollah Ali Chamenei und zahlreiche hochrangige Militärs in einem sehr frühen Stadium getötet wurden, setzten die USA und Israel ihre Angriffe fort. Der US-Präsident sowie sein Verteidigungsminister Pete Hegseth änderten die geplante Zeitspanne nach wenigen Tagen bereits auf vier bis sechs Wochen. Zudem vermied es die US-Regierung, eindeutige Ziele des Krieges zu benennen. Die Angaben reichten von Unterstützung der iranischen Opposition über Regime-Change bis hin zur Vernichtung des iranischen Atomprogramms und der Zerstörung des iranischen Militärs.

Eine Kapitulation haben zahlreiche Vertreter des Irans bisher klar ausgeschlossen. Sie drohen weiterhin den USA und seinen Verbündeten in der Region mit Gegenschlägen.

Quelle: ntv.de

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