Politik

Cruz gibt nach Pleite in Indiana auf Trump fast am Ziel, Sanders kämpferisch

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(Foto: REUTERS)

Ted Cruz wirft nach der Vorwahl in Indiana das Handtuch. Damit wird Donald Trump aller Voraussicht nach Kandidat der Republikaner. Das Duell gegen Hillary Clinton könnte schon diese Woche an Fahrt aufnehmen.

Mit einem verklausulierten Satz endet der erbitterte Kampf um die Präsidentschaftskandidatur der US-Republikaner. "Heute Abend, es tut mir leid, das zu sagen, scheint es so, als ob der Weg versperrt ist", sagte Ted Cruz am Wahlabend in Indianapolis - damit ist der letzte ernstzunehmende Herausforderer Donald Trumps ausgeschieden. Dem Milliardär aus New York ist die Nominierung nun praktisch nicht mehr zu nehmen. Gleiches gilt für Hillary Clinton bei den Demokraten - obwohl ihr Konkurrent Bernie Sanders sie in Indiana besiegte.

Nach seinem klaren Sieg bei den Vorwahlen im US-Bundesstaat Indiana hat Trump beste Chancen, die erforderlichen 1237 Delegierten zu sammeln und beim Parteitag im Juli zum Kandidaten gewählt zu werden. Der erzkonservative Cruz kann sich damit trösten, einen starken Wahlkampf hingelegt zu haben. Vor einem Jahr trat er als krasser Außenseiter an, der nur auf fünf Prozent in den Umfragen kam. Im Februar galt er dann plötzlich als die letzte Bastion gegen Trump, nachdem er diesen in Iowa geschlagen hatte. Dabei hatte er Trump lange in Ruhe gelassen und sogar immer wieder gesagt, ihn zu mögen. Am Dienstagmorgen eröffnete er dann, was er "wirklich von Donald Trump hält". Er nannte ihn einen "krankhaften Lügner", einen "Narziss" und einen "Schürzenjäger". Geholfen hat es ihm nichts. Sein großer Rivale holte wieder mehr als 50 Prozent der Stimmen.

Trump schlug in der Wahlnacht einen freundlicheren Ton an. "Er war ein Mordsgegner", sagte er in seinem Hochhaus in New York und lobte Cruz als "hart und klug". Im Wahlkampf hatte er ihn noch konstant als "Lügen-Ted" beschimpft. Der Immobilien-Tycoon hatte sich bereits nach seinen letzten Siegen vor einer Woche zum "wahrscheinlichen Kandidaten" erklärt und seine ebenso wahrscheinliche Gegnerin Hillary Clinton attackiert. Damit machte er nun weiter. "Sie wird keine gute Präsidentin", sagte er und behauptete, sie hätte keine Ahnung von Handelspolitik, da ihr Mann Bill als Präsident einer Freihandelszone zwischen den USA, Kanada und Mexiko zugestimmt habe.

Trump umgarnt Parteispitze

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Bernie Sanders fühlt sich von seinem Sieg ermutigt, weiterzukämpfen.

(Foto: REUTERS)

Dabei beließ es der 69-Jährige jedoch. Er war sichtlich bemüht, diesmal präsidentieller aufzutreten. Auch der Führung der Republikaner reichte er demonstrativ die Hand. Die machen einen super Job, sagte er und forderte "Einheit in der Partei". Denn noch immer fremdeln viele mit "The Donald", wenn er auch in den vergangenen Tagen und Wochen konstant Unterstützer gewonnen hat. Ein gutes Verhältnis zu seinen Parteifreunden hat dagegen Trumps letzter Konkurrent John Kasich, der auch weiterhin nicht aufgeben will, wie sein Team ankündigte.

Trump versprach auch beste Beziehungen zu den Hispanics und den Afro-Amerikanern, da die schließlich auch Jobs wollten. Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, wenn nicht gar ihre Abschaffung, ist sein zentrales Wahlkampfthema. Ein anderes ist die Einwanderungspolitik - Immigranten aus Mittel- und Südamerika hatte er als Mörder und Vergewaltiger beschimpft und versprochen elf Millionen Illegale aus dem Land zu befördern. Das ist einer der Gründe, warum Hillary Clinton in Umfragen führt - sie kann auf die Unterstützung von Latinos und Schwarzen zählen.

Clinton hatte sich am Wahltag per Fernseh-Interview bei MSNBC zu Wort gemeldet. Sie konzentriere sich nun auf die eigentliche Wahl, sagte sie. "Es wird ein harter Kampf, gegen einen Kandidaten, der zu allem bereit ist." Sie ist auch nach der Wahl in Indiana die große Favoritin für die Nominierung ihrer Partei. Obwohl sie verlor: Die einstige Außenministerin profitiert davon, dass bei den Demokraten die Delegierten immer gemäß dem Stimmenanteil vergeben werden. Sanders nützt sein knapper Sieg daher nur wenig - der Abstand zu seiner Gegnerin ändert sich nur geringfügig.

Nächste Wahl in West Virginia

Der 74-Jährige ist jedoch weit davon entfernt, aufzugeben. Bei seiner Siegesrede gab er sich kämpferisch.  "Ich höre, dass Clinton glaubt, das Rennen sei vorbei. Nun, ich habe schlechte Nachrichten für sie", sagte er unter dem Jubel seiner Anhänger. Er hat jedoch nur noch eine Außenseiterchance. Er hofft darauf, die Superdelegierten doch noch von sich zu überzeugen. Es gibt aber keine Anzeichen dafür, dass ihm das gelingt. "Das Wichtigste ist, dass wir nicht jemandem wie Donald Trump erlauben, Präsident zu werden", sagte er auch - sich selbst schreibt er dabei die größeren Chancen zu.

Der Vorwahlkampf dürfte nun immer mehr zum Fernduell Trump gegen Clinton werden. Der nächste Schauplatz ist am kommenden Dienstag West Virginia. Dort wartet lokalpolitischer Zündstoff. Die dortigen Bergleute sind über eine Clinton-Äußerung empört. Sie hatte in einer Rede angekündigt, sich für erneuerbare Energien einzusetzen und gleichzeitig gesagt, damit viele Bergleute arbeitslos zu machen. In ihrem Fernseh-Interview am Dienstag versuchte sie, die Wogen zu glätten. Sie wies darauf hin, dass sie Milliardenhilfen für Bergleute plane. Ein gefundenes Fressen für Donald Trump. Während Clinton wortreich über Naturgas, den Weltmarktpreis für Kohle und saubere Energie sprach, war dessen Botschaft eingängiger: "Wir bringen West Virginia Jobs zurück", versprach er. Den Bergleuten zumindest dürfte diese Botschaft besser gefallen.

Quelle: n-tv.de

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