Präsident feiert dennochTrump kassiert Dreifach-Dämpfer von republikanischen Wählern
Von Lukas Märkle
Die Zwischenwahlen für den Kongress im November entscheiden über den zweiten Abschnitt der Trump-Präsidentschaft. Doch bei der Vorauswahl der Kandidaten seiner Partei folgen die Anhänger dem Mann im Weißen Haus überraschend oft nicht mehr mit blindem Gehorsam.
Die USA durchlaufen derzeit einen gigantischen Abstimmungsmarathon, um die Kandidaten für die wichtigen Zwischenwahlen Anfang November auszuwählen. US-Präsident Donald Trump konnte sich dabei am Dienstag aber nicht mit allen seinen Wünschen durchsetzen und musste gleich mehrere Niederlagen einstecken. Auf Social Media verkaufte er den Wahlabend jedoch als Erfolg. Dieser habe "eine Menge großartiger Siege" gebracht, schrieb Trump auf Truth Social.
In Florida verloren mehrere vom Mann im Weißen Haus unterstützte Kandidaten ihre Vorwahlen. So wird der unter Druck stehende Abgeordnete Cory Mills nicht erneut ins Rennen um einen Sitz im Repräsentantenhaus gehen. Der Ethikausschuss der Parlamentskammer ermittelt gegen Mills wegen Gewaltvorwürfen und Vergehen bei der Finanzierung seiner Wahlkampagne. Trump stellte sich dennoch hinter ihn. Mills ist seit seiner ersten Wahl vor vier Jahren einer der lautstärksten Unterstützer des 80-Jährigen. Auch aus der eigenen Partei hatte es wiederholt Rücktrittsvorwürfe gegen ihn gegeben.
Die Wähler in Florida hatten ihr Vertrauen in den von Skandalen umgebenen Abgeordneten augenscheinlich verloren. Der ehemalige Fernsehjournalist Ryan Elijah gewann die Vorwahlen mit einem Vorsprung von rund 13 Prozentpunkten.
Trump will von eigener Unterstützung nichts mehr wissen
Trump selbst wollte von seiner Unterstützung für Mills im Nachgang jedoch nichts mehr wissen. "Ich habe meinem Freund, dem Kongressabgeordneten Cory Mills aus Florida, geraten, aus dem Wahlkampf auszusteigen, aber er wollte nicht auf mich hören", behauptete der US-Präsident auf Truth Social. Öffentlich wandte er sich jedoch seit seiner Unterstützungszusage im Februar nie von Mills ab.
Mit seinem Post versuchte Trump die Sache nun auch umgehend abzuräumen. Er wechselte die Seiten und stellte sich hinter den Vorwahlgewinner im 7. Kongressbezirks Floridas. "Wir haben nun einen großartigen Kandidaten, Ryan Elijah, der an seiner Stelle antritt! Ryan steht für ALLES, wofür MAGA steht, und wird von ALLEN respektiert. Er hat meine uneingeschränkte und totale Unterstützung!"
Auch in Wisconsin konnte sich bei den Vorwahlen für den Gouverneursposten die vom Weißen Haus gestützte Kandidatin nicht durchsetzen. Eric Barlow gewann mit fast 16 Prozentpunkten Vorsprung vor Megan Degenfelder. Degenfelder gesellt sich damit zu drei weiteren Republikanern, die bei Vorwahlen für Gouverneursamt in diesem Jahr von Trump unterstützt wurden, aber bei den Wählern keine Zustimmung bekamen. Solche Fälle gab es bereits in den US-Bundesstaaten Georgia, Iowa und South Carolina.
Trumps Unterstützung ist keine Sieggarantie
Niederlagen für von Trump unterstützte Kandidaten sind insgesamt jedoch weiterhin eher rar. Viele von Trump unterstützte Personen setzten sich auch bei den jüngsten Vorwahlen wieder durch. Doch es zeigen sich Auffälligkeiten. So auch bereits bei den Vorwahlen Anfang August für die Zwischenwahlen im November, bei denen alle Abgeordneten des Repräsentantenhauses sowie ein Drittel der Senatssitze zur Wahl stehen. Dabei hatte es unter anderem bereits in Michigan eine faustdicke Überraschung gegeben. Dort verlor der Trump-Schützling Amir Hassan gegen Thomas J. Smith, der sich bereits Wochen vor dem Urnengang eigentlich aus dem Rennen zurückgezogen hatte. Ein Zeichen, dass auch bei den Republikanern inzwischen nicht mehr nur der Fingerzeig Trumps reicht, um die von ihm vorgezogenen Kandidaten durchzubringen.
Trumps Gouverneurskandidat im Sunshine State, Byron Donalds, konnte hingegen einen ungefährdeten Durchmarsch feiern. Dieser holte knapp 48 Prozent der Stimmen und will den republikanischen Amtsinhaber Ron DeSantis beerben, der nach zwei Legislaturperioden nicht erneut zur Wahl antreten darf. Der demokratische Kandidat dürfte Beobachtern zufolge nur Außenseiterchancen bei der Abstimmung haben. Die Demokraten haben seit fast drei Jahrzehnten keine Gouverneurswahl in dem Staat gewonnen.
Bei der republikanischen Vorentscheidung für den möglichen Nachfolger Donalds als Kongressabgeordneten fiel der von Trump unterstützte Kandidat aber durch. Trump unterstützte die bereits zuvor in Illinois erfolglos angetretene Catalina Lauf. Diese unterlag dem Gründer eines konservativen Radiosenders, Jim Schwartzel, mit sieben Prozentpunkten. Die zweite Niederlage Trumps an diesem Wahlabend im selben Bundesstaat.
Einen nächsten Wegweiser, ob sich die Wähler hinter Trump stellen, gibt es bereits kommende Woche. Dann wird über den republikanischen Kandidaten für den Senat in South Carolina entschieden. Ein Nachfolger für den verstorbenen Lindsey Graham wird gesucht. Trump unterstützt dabei die Schwester des Verstorbenen. Doch die machte in der jüngsten TV-Debatte mit einem Kommentar zur nationalen Sicherheit keine souveräne Figur.