Politik

Obama betont Annäherung Trump nennt Castro "brutalen Diktator"

Weltweit äußern sich Staats- und Regierungschefs zum Tod Fidel Castros. In den USA ist die Meinung geteilt: Während der künftige Präsident Trump den Kubaner als "brutal" bezeichnet, findet Amtsinhaber Obama versöhnliche Töne.

Der künftige US-Präsident Donald Trump hat den verstorbenen früheren kubanischen Machthaber Fidel Castro als "brutalen Diktator" bezeichnet. Castro habe sein Volkes fast sechs Jahrzehnte lang unterdrückt, hieß es in einer Erklärung Trumps.

Castros Vermächtnis bestehe aus Erschießungskommandos, Diebstahl, unvorstellbaren Leiden, Armut und der Leugnung grundlegender Menschenrechte, zählte Trump auf. "Wenn Kuba auch eine totalitäre Insel bleibt, hoffe ich, dass der heutige Tag eine Bewegung weg von dem Horror bedeutet, der zu lange erduldet werden musste, und hin zu einer Zukunft, in das wunderbare kubanische Volk endlich in der Freiheit leben kann, die es so sehr verdient." In einer ersten Reaktion hatte Trump lediglich den kurzen Satz "Fidel Castro ist tot!" getwittert.

Amtsinhaber Barack Obama betonte derweil die engen Beziehungen zum Nachbarland. Die USA reichten dem kubanischen Volk "die Hand der Freundschaft", erklärte der Präsident. "Die Geschichte wird den enormen Einfluss dieser einzigartigen Figur auf die Menschen und die Welt um ihn herum beurteilen", fügte er hinzu - offenbar in Anspielung auf Castros berühmte Aussage "Die Geschichte wird mich freisprechen".

"Vergangenheit hinter uns zu lassen"

Obama hatte zusammen mit dem kubanischen Staatschef Raúl Castro die Annäherung der jahrzehntelang verfeindeten Nachbarstaaten vorangetrieben. Im Juli 2015 nahmen Kuba und die USA ihre diplomatischen Beziehungen wieder auf. Seine Regierung habe "hart dafür gearbeitet, die Vergangenheit hinter uns zu lassen", und die Gemeinsamkeiten zwischen den USA und Kuba als "Nachbarn und Freunde" in den Vordergrund zu stellen, erklärte Obama.

Trump hatte im Wahlkampf wiederholt Bedenken wegen der Annäherung mit Kuba geäußert. Er kündigte an, die von Obama eingeleiteten Schritte wieder rückgängig zu machen, falls Havanna nicht auf die Forderungen seiner Regierung hinsichtlich der Menschenrechtslage in Kuba eingehe. In seiner Erklärung schrieb der Republikaner, dass seine Regierung "alles tun werde", um sicherzustellen, dass die kubanischen Menschen endlich ihre Reise in Richtung Wohlstand und Freiheit beginnen könne.

Castro war am späten Freitagabend (Ortszeit) im Alter von 90 Jahren in Havanna gestorben. Die kubanische Führung rief eine neuntägige Staatstrauer aus. Danach soll Castro beigesetzt werden. Vor allem in lateinamerikanischen Staaten, aber auch etwa von Kremlchef Wladimir Putin, wurde Castro als Revolutionär gewürdigt. In Little Havanna in Miami im US-Bundesstaat Florida reagierten Exil-Kubaner dagegen freudig auf die Nachricht von Castros Tod. Sie schwenkten kubanische Flaggen, skandieren "Er ist gestorben, er ist gestorben".

Kritik von Amnesty

Auch Amnesty International hob die Menschenrechtsverstöße während Castros Herrschaft hervor. "Die Errungenschaften von Fidel Castro, der Millionen Kubanern Zugang zu staatlichen Leistungen verschafft hat, wurden aufgewogen durch eine systematische Unterdrückung der Grundrechte während seiner Zeit an der Macht", erklärte die Menschenrechtsorganisation in London.

Amnesty erinnerte daran, dass während der von Castro angeführten Revolution in Kuba Hunderte Gegner hingerichtet worden seien. Die Menschenrechtsorganisation lobte zwar "bedeutende Fortschritte beim Zugang zum Gesundheitssystem und zu Wohnungen" sowie beispiellose Erfolge im Kampf gegen Analphabetismus. Die Herrschaft Castros sei aber "gekennzeichnet von einer brutaler Unterdrückung der Meinungsfreiheit". Der aktuelle Zustand der Meinungsfreiheit sei das dunkelste Erbe Castros.

Weitere Reaktionen auf Castros Tod gibt es hier.

Quelle: ntv.de, mli/dpa/AFP