Politik

Per Tränengas zum Fototermin Trump räumt sich Weg zur Kirche mit Gewalt

Donald Trump verkündet eine Botschaft, die "allem widerspricht, wofür unsere Kirchen stehen", sagt die Bischöfin von Washington. Es ist auch schwer vorstellbar, dass Jesus sich den Weg zu einem Termin mit Tränengas hätte freiräumen lassen. Trump aber tut genau das und empört nicht nur die Geistliche.

US-Präsident Donald Trump hat angesichts der Gewaltausbrüche bei den seit einer Woche andauernden Anti-Rassismus-Protesten ein hartes Vorgehen gegen Randalierer angekündigt und den Einsatz der Armee angedroht. In einer Rede am Montag bezeichnete Trump die Ausschreitungen als "Akte von inländischem Terror". Sollten Städte und Bundesstaaten nicht die nötigen Maßnahmen ergreifen, werde er Soldaten entsenden und damit "das Problem schnell für sie lösen".

Nach der Ansprache begab sich Trump zu Fuß zu einer nahe des Weißen Hauses gelegenen Kirche, die bei Protesten am Vorabend durch ein Feuer beschädigt und mit Graffiti beschmiert worden war.

Schon während Trumps Ansprache zeigte eine Live-Übertragung im US-Fernsehen, wie auf der gegenüberliegenden Straßenseite im Lafayette Park Polizisten Tränengas auf weitgehend friedliche Demonstranten abfeuerten und die berittene Polizei die Menschenansammlung zurückdrängte. Die Polizeiaktion gab Trump und seinem Gefolge - unter anderem bestehend aus dem Generalstaatsanwalt William Barr - sicheres Geleit für den Fußmarsch zur nahe liegenden St. Johns Kirche. Dort posierte Trump mit einer Bibel in der Hand für Fotos, beantwortete jedoch keine Fragen der Journalisten.

Trump "widerspricht den Lehren Jesu"

Die Bischöfin der Episkopal-Diözese Washington, Mariann Edgar Budde, reagiert allerdings empört. Kurz nach Trumps Kirchenbesuch sagt sie dem Sender CNN, der Präsident habe eine der Kirchen ihrer Diözese "ohne Erlaubnis als Hintergrund für eine Botschaft verwendet, die den Lehren Jesu und allem widersprechen, wofür unsere Kirchen stehen". Er habe den Einsatz von Tränengas gebilligt, um den Weg zur Kirche zu räumen. Und er ignoriere den Schmerz der Menschen im Land. Dies ist der andere Vorwurf, mit dem Trump seit Tagen konfrontiert ist.

Der designierte Präsidentschaftskandidat der oppositionellen Demokraten, Joe Biden, reagierte empört auf Trumps Auftritt: "Er benutzt das amerikanische Militär gegen das amerikanische Volk", schrieb der Ex-Vizepräsident auf Twitter. Besonders entrüstet zeigte sich Biden über den Polizeieinsatz, um Trump den Kirchenbesuch zu ermöglichen. "Für einen Fototermin" habe der Präsident Tränengas und Gummigeschosse auf Demonstranten feuern lassen, schrieb Biden.

Auch der Gouverneur von New York, Andrew Cuomo, kritisierte die Anwendung von Gewalt, um Trump den Weg für ein Pressefoto freizumachen. "Es war wirklich, wirklich beschämend", sagte er.

Quelle: ntv.de, ter/AFP