Nach Telefonat mit PutinTrump will Öl-Sanktionen gegen Russland lockern

Die Ölsanktionen, die ein Ende des Kriegs in der Ukraine bewirken sollen, könnten fallen. Weil der Ölpreis wegen der Angriffe auf den Iran steigt, kündigt US-Präsident Trump eine Lockerung der Blockaden an. Zuvor telefonierte er mit dem russischen Präsidenten.
Angesichts des Konflikts mit dem Iran und drastisch gestiegener Ölpreise erwägt US-Präsident Donald Trump Insidern zufolge Maßnahmen zur Marktberuhigung. Dazu gehörten eine Lockerung der Ölsanktionen gegen Russland sowie die Freigabe strategischer Reserven, sagten mehrere Insider gegenüber Reuters. Trump selbst sagte auf einer Pressekonferenz, die USA hätten bestimmte Sanktionen gegen einige Länder verhängt und man werde diese aufheben, bis die Straße von Hormus wieder offen sei. Details nannte er nicht. Zuvor hatte er mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin telefoniert.
Hintergrund der Überlegungen ist die Sorge im Weißen Haus, dass der Preissprung an den Zapfsäulen die US-Wirtschaft und die Verbraucher vor den Zwischenwahlen im November verärgern könnte. Die Republikaner hoffen, bei den "Midterms" ihre Mehrheit im Kongress zu verteidigen. Seit Beginn der Angriffe Israels und der USA auf den Iran Ende Februar sind die Ölpreise zeitweise um mehr als 50 Prozent auf 119 Dollar pro Barrel (159 Liter) gestiegen. Am Montagabend verbilligte sich der Preis aber deutlich, nachdem die Insider gesagt hatten, Trump erwäge Maßnahmen zur Ölpreis-Dämpfung. Am Abend kostete Öl der Sorte Brent noch knapp 90 Dollar. Vor Beginn der Angriffe vor rund zehn Tagen hatte der Preis bei 73 Dollar gelegen.
Eine Aufhebung der Russland-Sanktionen würde das weltweite Ölangebot erhöhen, könnte aber die Bemühungen des Westens untergraben, Russland Einnahmen für den Krieg gegen die Ukraine zu entziehen. Denkbar seien sowohl weitreichende Erleichterungen als auch gezielte Ausnahmen für Länder wie Indien, so Insider. Der russische Sondergesandte Kirill Dmitriew hatte zuvor auf der Plattform X erklärt, er diskutiere mit den USA über ein Ende der Sanktionen, da diese der Weltwirtschaft schadeten. Die USA haben bereits vergangene Woche eine 30-tägige Ausnahmegenehmigung erteilt, um derzeit festsitzenden Tankern mit russischem Öl den Öl-Verkauf an Indien zu ermöglichen und so den Druck auf den globalen Ölmarkt zu verringern.
Debatte über Freigabe von Ölreserven
US-Vertreter führen auch Gespräche mit den G7-Staaten über eine gemeinsame Freigabe von Ölreserven. US-Energieminister Chris Wright bestätigte, koordinierte Verkäufe aus der strategischen Reserve (SPR) würden geprüft. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. Exportbeschränkungen für US-Energie schloss er aus. Weitere Optionen umfassen den Insidern zufolge Eingriffe in die Terminmärkte, Steuererleichterungen oder eine Aussetzung des "Jones Act", der den Transport von Kraftstoffen zwischen US-Häfen auf US-Schiffe beschränkt.
Experten bezweifeln aber, dass diese Maßnahmen kurzfristig wirken, solange der Tankerverkehr durch die Straße von Hormus gestört ist. Durch die Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman fließt etwa ein Fünftel des weltweiten Ölangebots. Ein Plan des Weißen Hauses, Tanker durch Marineeskorten zu schützen, brachte bislang wenig Erfolg. "Das Problem ist, dass die Optionen von marginal über symbolisch bis hin zu zutiefst unklug reichen", sagte ein Insider.