Politik

"Jerusalem ist die rote Linie" Türkei droht Beziehung zu Israel abzubrechen

4bea139b83664b20a72130482418745a.jpg

Um klare Worte nie verlegen: Recep Tayyip Erdogan.

(Foto: AP)

Der türkische Staatspräsident Erdogan warnt seinen US-Kollegen Trump eindringlich vor einer Anerkennung von Jerusalem als ungeteilte Hauptstadt Israels. Er wolle notfalls "die gesamte islamische Welt" mobilisieren, kündigt Erdogan an.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan droht mit einem Abbruch der Beziehungen zu Israel, sollten die USA Jerusalem als Hauptstadt des Landes anerkennen. "Herr Trump, Jerusalem ist die rote Linie der Muslime", sagte Erdogan vor der Fraktion seiner AKP im Parlament in Ankara an die Adresse von US-Präsident Donald Trump. "Das kann soweit gehen, dass wir unsere diplomatischen Beziehungen zu Israel abbrechen."

Erdogan sagte, eine Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels wäre nicht nur ein Verstoß gegen internationales Recht, sondern "ein harter Schlag gegen das Gewissen der Menschheit". Sollte es dazu kommen, werde er innerhalb weniger Tage einen Gipfel der Organisation für Islamische Kooperation (OIC) in Istanbul einberufen. "Auf diesem Gipfel werden wir die gesamte islamische Welt in Bewegung setzen." Die Türkei hat derzeit die OIC-Präsidentschaft inne.

Die Überlegungen zur Verlegung der US-Botschaft stoßen bei den Palästinensern auf starken Widerstand, und die radikalislamische Hamas hat mit einem neuen Aufstand gedroht. Auch die Arabische Liga und mehrere muslimische Staaten warnten in eindringlichen Worten vor den Folgen eines solchen Schrittes. Das Weiße Haus teilte mit, dass eine eigentlich für Montag geplante Entscheidung verschoben sei, aber in den kommenden Tagen gefällt werde.

Das "Wall Street Journal" hatte berichtet, dass US-Präsident Donald Trump unmittelbar vor der Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt stehe. Medienberichten zufolge plant Trump außerdem, die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen - als derzeit einziges Land überhaupt. Mehrere Staaten unterhalten in Jerusalem Konsulate.

Der künftige Status von Jerusalem gehört zu den strittigsten und komplexesten Fragen, die bislang eine Friedenslösung zwischen Israel und den Palästinensern verhindert haben. Juden wie Muslimen ist die Stadt heilig. Die Palästinenser wollen im arabischen Ostteil der Stadt, den Israel 1967 besetzt und später annektiert hatte, die Hauptstadt eines unabhängigen Staates ausrufen. Israel beansprucht hingegen die ganze Stadt für sich. Erdogan versteht sich traditionell als Anwalt der Palästinenser.

Quelle: n-tv.de, shu/dpa/AFP

Mehr zum Thema