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"Haben blutige Vergangenheit" Türkei kritisiert Paris für Gedenktag

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Erdogan forderte Europa auf, der Türkei keine Lektionen zu erteilen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Seit Wochen protestiert die Türkei gegen die Entscheidung von Frankreichs Präsident Macron, den 24. April zum Gedenktag des Genozids an den Armeniern zu erklären. Frankreich und andere europäische Länder hätten laut Erdogan "Hunderttausende Menschen massakriert".

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat zum Jahrestag der Massaker an den Armeniern vor mehr als hundert Jahren Europa davor gewarnt, seinem Land "Lektionen" zu erteilen. "Wenn wir jene betrachten, die bei der Armenier-Frage und dem Kampf gegen den Terrorismus versuchen, der Türkei Lehren zu den Menschenrechten und der Demokratie zu erteilen, sehen wir, dass sie alle eine blutige Vergangenheit haben", sagte Erdogan in Ankara. Vor allem Frankreich attackierte Erdogan scharf. Dort wird am Mittwoch zum ersten Mal der Gedenktag des Genozids an den Armeniern begangen.

Die Dokumente in den Archiven zeigten "ganz klar", dass die Franzosen für den Völkermord in Ruanda verantwortlich seien, sagte Erdogan. Die Regierung in Ruanda wirft Frankreich seit langem vor, eine Mitverantwortung für die Massaker der Volksgruppe der Hutu an den Tutsi zu haben, wobei 1994 rund 800.000 Menschen getötet wurden. Frankreich weist dies jedoch zurück. Auch in Algerien warf Erdogan Frankreich vor, "Hunderttausende Menschen massakriert" zu haben. Im Algerienkrieg, der 1962 mit der Unabhängigkeit Algeriens von Frankreich endete, starben rund eine halbe Million Algerier und 30.000 Franzosen. Mindestens die Hälfte der algerischen Opfer waren Zivilisten.

Am 24. April 1915 waren in Istanbul mehr als 200 Mitglieder der armenischen Elite deportiert worden. Für die Armenier markiert dies den Beginn der Massaker, denen ihren Angaben zufolge bis zu 1,5 Millionen Angehörige ihrer Volksgruppe zum Opfer fielen. Während des Ersten Weltkrieges waren Armenier systematisch verfolgt worden und unter anderem auf Todesmärsche in die syrische Wüste geschickt worden.

Schätzungen zufolge kamen 1915/1916 im Osmanischen Reich bis zu 1,5 Millionen Armenier ums Leben. Erdogan verteidigte die Massendeportationen von Armeniern im Osmanischen Reich. Es sei "angemessen" gewesen, "armenische Banden und ihrer Unterstützer zu deportieren". Die Türkei vertritt die Auffassung, es habe Gewalt auf beiden Seiten gegeben. "Deportationen sind eine Sache, Massaker eine andere", sagte Erdogan.

Polizei löst Kundgebung auf

Eine Gedenkfeier für die Opfer der Deportationen in Istanbul wurde von den Behörden verboten. Wie eine AFP-Reporterin berichtete, löste die Polizei eine Kundgebung vor dem Museum für Islamische Kunst auf, in dem die Armenier am 24. April 1915 inhaftiert worden waren. Der Aktivist Benjamin Abtan sagte, es sei das erste Mal seit neun Jahren, dass die Gedenkfeier an diesem Ort verboten worden sei.

Die türkische Regierung gesteht zwar ein, dass es während des Ersten Weltkrieges im Osmanischen Reich zu Deportationen und Massakern an den Armeniern gekommen ist, lehnt aber den Begriff "Völkermord" vehement ab. Nach ihrer Darstellung wurden im Chaos des Krieges auch auf türkischer Seite Hunderttausende Zivilisten getötet. Die Südkaukasusrepublik Armenien fordert seit langem von der Türkei, die Gräueltaten als Genozid anzuerkennen. Um die Bewertung der Ereignisse gibt es seit Jahren Streit mit anderen Staaten, darunter auch Deutschland.

Quelle: n-tv.de, psa/dpa/AFP

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