Politik

Syrische Kampfjets getroffen? Türkei meldet zwei Flugzeug-Abschüsse

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Ein russischer Suchoi Su-24-Kampfjet bei einer Militär-Übung im September.

(Foto: imago images/ITAR-TASS)

Als Vergeltung für getötete türkische Soldaten startet Ankara im umkämpften Idlib eine Militäroffensive. Nun meldet die Türkei den Abschuss zweier syrischer Kampfjets russischer Bauart. Moskau dementiert: Es sei nichts passiert.

Die Türkei hat nach eigenen Angaben zwei syrische Kampfflugzeuge abgeschossen. Es handele sich dabei um zwei Flugzeuge des Typs SU-24 aus russischer Produktion, teilte das Verteidigungsministerium in Ankara mit. Die Flugzeuge hätten türkische Kampfjets angegriffen, hieß es zur Begründung. Auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und die syrische Staatsagentur Sana berichteten von dem Abschuss zweier syrischer Kampfflugzeuge in der Provinz Idlib. Die beiden Piloten seien abgesprungen, es gehe ihnen gut.

Der Vorfall ereignete sich, kurz nachdem die Türkei ihre seit Tagen andauernde Militäroffensive gegen die syrische Armee in Nordsyrien öffentlich gemacht hatte. Die Operation "Frühlingsschild" habe das Ziel, "die Massaker des Regimes zu beenden und eine Flüchtlingswelle zu verhindern", sagte Verteidigungsminister Hulusi Akar in einer Fernsehansprache. Das türkische Verteidigungsministerium teilte weiter mit, man habe außerdem zwei Luftabwehrsysteme zerstört, nachdem diese eine türkische Drohne abgeschossen hätten.

Das Verteidigungsministerium in Moskau wies Berichte über einen Kampfjet-Abschuss in Idlib zurück. Ein Suchoi-Kampfjet vom Typ SU-24 der russischen Luftstreitkräfte sei nicht getroffen worden, es handele sich um "Fake"-News. Die Flugzeuge der Russischen Föderation erfüllten ihre Aufgaben und seien in normalem Betrieb. Allerdings blieb unklar, ob Moskau damit auch einen Abschuss von Flugzeugen der syrischen Regierungsarmee bestreiten wollte. Der syrische Präsident Baschar al-Assad wird im syrischen Bürgerkrieg von Russland unterstützt, die Türkei dagegen steht auf Seite der Rebellen.

"Operation Frühlingsschild": Vergeltung für getötete Türken

Am Donnerstagabend waren durch Angriffe der syrischen Regierung in der Provinz Idlib 36 türkische Soldaten getötet worden. Die Türkei hatte daraufhin massive Vergeltungsangriffe auf syrische Truppen gestartet. Im Rahmen der "Operation Frühlingsschild" tötete die türkische Armee am Freitag und Samstag 74 syrische Soldaten sowie 14 Kämpfer von pro-iranischen Gruppen wie der Hisbollah, die mit der syrischen Armee verbündet sind, hieß es von der Syrischen Beobachtungsstelle. Die Türkei unterstützt in dem Konflikt einige syrische Milizen, in Idlib sind überwiegend dschihadistische und islamistische Gruppen aktiv.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu telefonierte unterdessen mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow. Nach einer Mitteilung des Außenministeriums in Moskau diente das Telefonat der Vorbereitung des Treffens zwischen dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und Kremlchef Wladimir Putin in der kommenden Woche. Ziel sei es, eine Atmosphäre für einen "ergebnisorientierten Dialog" der beiden Staatschefs zur Lösung des Konflikts in Syrien zu schaffen, teilte das Ministerium mit.

Russische Journalisten in Istanbul festgenommen

*Datenschutz

In Istanbul nahm die türkische Polizei den Chefredakteur der türkischen Ausgabe des russischen Staatsmediums "Sputnik" fest. Das Online-Portal schrieb, der Leiter von "Sputnik Türkiye", Mahir Boztepe, sei in die Zentrale der Polizei gebracht worden. Die Festnahme könnte die Spannungen zwischen Ankara und Moskau, die sich vor dem Hintergrund der militärischen Eskalation in Nordsyrien zuletzt verschärften, zusätzlich befeuern.

Die Chefredakteurin des hinter "Sputnik" stehenden staatlichen Medienunternehmens Rossia Sewodnja, Margarita Simonjan, bestätigte Boztepes Festnahme auf Twitter. Bereits am Morgen waren demnach drei weitere "Sputnik"-Mitarbeiter in Ankara vorübergehend festgenommen worden.

Quelle: ntv.de, mau/dpa/AFP