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Gegen den Erdogan-kritischen Journalisten Can Dündar hat die Türkei einen Haftbefehl erlassen.
Gegen den Erdogan-kritischen Journalisten Can Dündar hat die Türkei einen Haftbefehl erlassen.(Foto: imago/gezett)
Donnerstag, 06. Dezember 2018

Wegen Gezi-Protesten: Türkei stellt Haftbefehl für Dündar aus

Massenhaft Menschen demonstrierten 2013 im Istanbuler Gezi-Park gegen die türkische Regierung. Die will nun herausfinden, wer hinter den Protesten stand. Ins Visier gerät ein Journalist, der mittlerweile in Deutschland lebt: Can Dündar.

Ein Istanbuler Gericht hat einen Haftbefehl gegen den in Deutschland lebenden Ex-Chef der regierungskritischen Zeitung "Cumhuriyet" Can Dündar ausgestellt. Das meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Die Maßnahme auf Anforderung des Istanbuler Generalstaatsanwalts stehe im Zusammenhang mit Ermittlungen zu den großen regierungskritischen Gezi-Protesten von 2013. Die hatte Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan damals brutal niederschlagen lassen.

Dem Bericht zufolge sieht der Staatsanwalt es als erwiesen an, dass Dündar Verbindungen zum prominenten Zivilgesellschaftsaktivisten Osman Kavala hatte, den die Regierung für einen Organisator der Gezi-Proteste hält. Der renommierte Geschäftsmann und Intellektuelle ist unter anderem Vorsitzender des Kulturinstituts Anadolu Kültür, das auch mit dem Goethe-Institut zusammenarbeitet. Trotz internationaler Proteste sitzt Kavala seit mehr als einem Jahr ohne Anklageschrift in türkischer Untersuchungshaft.

Wie die Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, soll Dündar mit Kavala zusammengearbeitet haben, um die Gezi-Proteste zu "organisieren" und "auszuweiten". "Konkrete Beweise" zeigten, dass Dündar "Chaos gestiftet" und "Terroristen ermutigt" habe. Der Staatsanwalt verweise für Beweise auf Einträge in sozialen Medien und Telefongespräche mit Kavala.

Deutsche Stiftungen im Visier

Gegen Dündar läuft in der Türkei bereits ein Prozess wegen Terrorvorwürfen. Dabei geht es um "Cumhuriyet"-Artikel aus dem Jahr 2015, die Waffenlieferungen der türkischen Regierung an islamistische Rebellen in Syrien belegen sollen.

Erdogan hatte bei seinem Besuch in Deutschland Ende September die Auslieferung von Dündar gefordert. Im Rahmen der neuen Ermittlungen zu den Gezi-Protesten geraten seit rund drei Wochen vor allem Zivilgesellschaftsaktivisten ins Visier der Regierung. Am Mittwoch traf die Kampagne aber auch eine deutsche politische Stiftung.

Das islamistische Blatt "Yeni Akit" attackierte die der FDP nahestehende Friedrich-Naumann-Stiftung und warf ihr vor, "dunkle Mächte" zu unterstützen. Sie habe sich nun jener Organisationen angenommen, die bis vor kurzem noch vom "zionistischen Baron George Soros" finanziert worden seien. Darunter seien Schwulen- und Lesben-Organisationen, "ethnisch diskriminierende" Stiftungen oder als Liberale getarnte "Provokateure".

"Da wird noch mehr Polarisierung kommen"

Die türkische Regierung hält neben Anadolu Kültür auch die Stiftung des Philanthropen George Soros, Open Society Foundation, und von ihm unterstütze NGOs für Organisatoren der Gezi-Proteste. Open Society hatte wegen der Angriffe auf ihre Arbeit und den jüdischen Gründer vor kurzem angekündigt, die Arbeit in der Türkei einzustellen.

Der Leiter des Türkei-Büros der Naumann-Stiftung, Hans-Georg Fleck, bestätigte, dass die Stiftung mit den genannten Partnern zusammenarbeite - allerdings nicht erst seit der Schließung von Open Society, sondern seit vielen Jahren. Fleck sah den Angriff von "Yeni Akit" gelassen. Bei der Zeitung handele es sich um ein extremistisches Blatt mit sehr kleiner Auflage. Außerdem sei die Türkei schon im Vorwahlkampf vor den Kommunalwahlen im März. "Da wird noch mehr Polarisierung kommen."

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Quelle: n-tv.de