Politik

Fünf Tage nach dem Su-24-Abschuss Türkei überführt toten Piloten

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Standbild aus dem von Rebellen im Internet verbreiteten Video: Wer ist für den Tod des russischen Piloten letztlich verantwortlich?

Wird das die russisch-türkischen Spannungen entschärfen? Die Türkei macht ihren Einfluss im syrischen Kriegsgebiet geltend, um die Rebellen zur Herausgabe der Leiche eines russischen Piloten zu bewegen. Die Überführung nach Moskau birgt neue Risiken.

Nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets im Grenzgebiet zu Syrien hat die Türkei die Leiche des getöteten Piloten aus Syrien in Empfang genommen. Der Tote werde an Russland übergeben, sagte der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu - ohne näher auf darauf einzugehen, unter welchen Umständen der Tote aus dem Kriegsgebiet in türkische Hände gelangt war und welche Gruppierungen auf syrischer Seite an dem Vorfall beteiligt waren.

Orthodoxe Priester hätten sich in der südtürkischen Grenzprovinz Hatay in Einklang mit den religiösen Gepflogenheiten um die Leiche gekümmert, betonte Davutoglu. Die Regierung in Moskau habe darum gebeten, erklärte er. Die Leiche sei am späten Samstagabend in der Türkei angekommen. Einer der beiden Piloten war bei dem Abschuss eines russischen Jagdbombers vom Typ Su-24 am vergangenen Dienstag unter bislang ungeklärten Umständen ums Leben gekommen.

Nach Angaben aus Ankara war der russische Kampfjet in den türkischen Luftraum eingedrungen und vor dem Abschuss mehrfach gewarnt worden. Russland behauptet dagegen, das Flugzeug sei heimtückisch und ohne Vorwarnung über syrischem Gebiet abgeschossen worden. Der Vorfall belastet die Beziehungen zwischen den Regierungen in Ankara und Moskau massiv.

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Stilles Gedenken vor dem russischen Verteidigungsministerium in Moskau: Oberstleutnant Oleg Peschkow war einer der beiden Piloten an Bord der russuschen Su-24.

(Foto: dpa)

Der zweite Pilot überlebte den Raketentreffer und den nachfolgenden Notausstieg aus der brennenden Maschine, landete allerdings am Fallschirm in von Rebellen kontrolliertem Gebiet. Syrisch-russische Rettungskräfte konnten den Mann schließlich hinter den feindlichen Linien ausfindig machen. Eine Spezialeinheit der regierungstreuen syrischen Armee brachte ihn in Sicherheit. Er wurde zunächst am russischen Stützpunkt in Syrien am Flughafen "Märtyrer Basil al-Assad" bei Latakia behandelt und anschließend nach Moskau ausgeflogen.

Am Fallschirm hängend erschossen?

Der Verbleib des getöteten Piloten blieb in den Tagen nach dem Abschuss zunächst unklar. Wenige Stunden nach dem Absturz kursierte ein Video im Netz, das einen schwer verletzten oder bereits toten Piloten zeigen sollte. Die türkische Regierung musste offenbar ihren ganzen Einfluss in der Grenzregion geltend machen, um den Leichnam aus den Händen der Rebellen zu erhalten. Die Überführung der Leiche nach Russland - so die Hoffnung auf türkischer Seite - dürfte dazu beitragen, die Tonlage zwischen Ankara und Moskau zu entschärfen.

Eine gerichtsmedizinische Untersuchung des Toten in Russland könnte allerdings neue brisante Details zu Tage fördern: Offen ist zum Beispiel noch, ob der Kampfjet-Pilot am Fallschirm hängend vom Boden aus erschossen wurde - wie von einer Rebellengruppe im Kampfgebiet behauptet -, oder ob der Pilot der Su-24 bereits beim Einschlag der türkischen Luft/Luft-Rakete ins Heck seines Flugzeugs ums Leben kam. Damit wäre die Türkei direkt und unmittelbar für den Tod eines russischen Staatsbürgers verantwortlich.

Davutoglu fordert besseren Austausch

Zur Entspannung der Lage konnte Davutoglu zunächst jedoch nur wenig beitragen. Ausdrücklich warnte er, derartige Vorfälle wie der Abschuss des russischen Jagdbombers durch türkische Abfangjäger in der vergangenen Woche würden sich wiederholen, wenn es weiter keine Abstimmung und keinen Austausch von Informationen geben sollte.

Die Äußerung lässt sich allerdings als Hinweis darauf lesen, dass die Türkei dem von russischer Seite vorgeschlagenen Plan zustimmt, einen gemeinsamen Militärstab zur Abstimmung einzurichten. Zu einer formellen Entschuldigung, wie von Russlands Präsident Wladimir Putin gefordert, ließ sich die türkische Regierung jedoch bislang nicht bewegen.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa/rts