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Türkisches Militär operiert bereits seit August 2016 im Rahmen der "Operation Schutzschild Euphrat" in Nordsyrien.
Türkisches Militär operiert bereits seit August 2016 im Rahmen der "Operation Schutzschild Euphrat" in Nordsyrien.(Foto: AP)
Sonntag, 14. Januar 2018

"Grenze vom Terror säubern": Türkei will Kurden in Syrien angreifen

In den kommenden Tagen will die Türkei eine Militäroperation gegen Kurden-Milizen in Nordsyrien starten. Staatschef Erdogan kündigt an, Gebiete unter Kontrolle der YPG anzugreifen. Die USA - Verbündete der Kurden - ruft er dazu auf, das Vorhaben zu unterstützen.

Die türkischen Streitkräfte stehen nach Angaben von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan unmittelbar vor einer Operation gegen die Kurden-Milizen in Nordsyrien. Erdogan kündigte vor Anhängern seiner AKP im zentralanatolischen Tokat an, "in den kommenden Tagen" werde die "Operation Schutzschild Euphrat" auf die von den Kurden-Milizen der YPG kontrollierte Region Afrin ausgedehnt.

Ziel sei es, "unsere südliche Grenze vom Terror zu säubern". Er fügte hinzu: "In diesem Prozess erwarten wir von unseren Verbündeten, dass sie im Geiste unserer tief verwurzelten Beziehungen handeln." Besonders die USA riefen Erdogan dazu auf, "die legitimen Anstrengungen der Türkei zu unterstützen".

Die USA unterstützen die YPG und haben die Kurden-Milizen im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) mit Waffen ausgerüstet, was zu schweren Spannungen mit Ankara geführt hat. "Trotz allem glauben wir, dass wir gemeinsame Interessen mit Amerika in der Region haben und hoffen, dass wir gemeinsam handeln können", sagte Erdogan. Die YPG ist der syrische Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK in der Türkei.

Ein Rückschlag für Erdogan bedeutet jedoch, dass die von den USA angeführte Anti-IS-Koalition den Aufbau einer neuen Grenztruppe in Syrien mit ihr verbündeten Milizen plant. Die Einheit werde 30.000 Kämpfer zählen, kündigte die Koalition an. Sie soll an den Grenzen des von den Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) kontrollierten Gebiets eingesetzt werden - einem Bündnis von Milizen in Nord- und Ostsyrien, das von der kurdischen Miliz YPG dominiert wird.

Ein hochrangiger türkischer Regierungsmitarbeiter sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Ausbildung der neuen Truppe durch die USA sei der Grund dafür gewesen, warum ein US-Geschäftsträger am Mittwoch in Ankara vorgeladen worden sei.

Artillerie gegen kurdische Stellungen

Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete unterdessen, am Wochenende hätten die türkischen Streitkräfte an der Grenze zu Syrien Gebiete unter Kontrolle der YPG mit Artillerie beschossen. Am Samstag hatte Erdogan die YPG zur Kapitulation aufgefordert und gedroht, sie andernfalls innerhalb von "weniger als einer Woche" zu vernichten.

Seit der Operation "Schutzschild Euphrat", die im August 2016 mit einem Vormarsch gegen den IS begann, kontrolliert die türkische Armee eine rund 2000 Quadratkilometer große Fläche in Nordsyrien. Ziel der Militäroperation ist auch, die Bildung eines durchgängigen Korridors unter Kontrolle der YPG an der Südgrenze der Türkei zu verhindern. Am vergangenen Dienstag hatte Erdogan gesagt: "Jetzt ist es so weit, das Projekt der separatistischen Terrororganisation, einen Syrien-Terrorkorridor zu errichten, vollkommen zunichte zu machen."

Quelle: n-tv.de