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Erdogan telefoniert mit Putin Türkische Jets bombardieren Kurden

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Unter Beschuss: YPG-Kämpfer im Norden Syriens (Archivbild).

(Foto: dpa)

Die vereinbarte Waffenruhe in Nordsyrien scheint nicht zu halten. Aktivisten berichten von heftigen Gefechten bei Tall Tamar. Die türkische Luftwaffe fliegt dort offenbar Angriffe. Dabei sollen kurdische Kämpfer und auch Soldaten des Assad-Regimes verletzt worden sein.

Vier Wochen nach Beginn der türkischen Offensive im Norden Syriens kommt es dort erneut zu schweren Kämpfen zwischen mit der Türkei verbündeten Rebellen und kurdischen Milizen. Kampfjets der türkischen Luftwaffe seien in der Region im Einsatz, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Bei den Luftangriffen seien kurdische Kämpfer und Soldaten der syrischen Regierung verletzt worden, berichteten die Aktivisten unter Berufung auf Angaben von Augenzeugen vor Ort.

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Ein Schwerpunkt der Gefechte liegt demnach in der Gegend um Tall Tamar (auch: Tall Tamr, Tel Tamir). Der Ort liegt etwa 30 Kilometer von der syrisch-türkischen Grenze entfernt und damit am südlichen Rand der von der Türkei auf syrischem Staatsgebiet geplanten "Sicherheitszone".

Ungeachtet der Berichte über neue Kämpfe in Syrien bekräftigten die Präsidenten der Türkei und Russlands, Recep Tayyip Erdogan und Wladimir Putin, dass sie sich weiter an eine im Oktober vereinbarte Waffenruhe halten wollten. Das meldete die amtliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu nach einem Telefonat der beiden Politiker. Der Kreml teilte mit, Putin und Erdogan hätten noch einmal betont, wie wichtig "koordinierte Schritte zur Stabilisierung der Lage" seien. Außerdem müssten die Souveränität und Einheit Syriens gewährleistet bleiben.

Die Türkei hatte am 9. Oktober in Syrien einen Einsatz gegen die Kurdenmiliz YPG begonnen, die sie als Terrororganisation betrachtet. Eine mit den USA und Russland vereinbarte Waffenruhe hatte im Oktober zu einer Unterbrechung der Kämpfe geführt. Die Türkei und Russland als Schutzmacht Syriens verständigten sich dann darauf, das Grenzgebiet nach einem Abzug der Kurden gemeinsam zu kontrollieren.

Türkischer Plan im Nachbarland

Erdogan will in der sogenannten Sicherheitszone ein bis zwei Millionen Flüchtlinge aus der Türkei ansiedeln. Früheren Angaben zufolge geht es dabei um einen etwa 30 Kilometer breiten Gebietsstreifen entlang der türkisch-syrischen Grenze, der vom Euphrat im Westen bis zur iranischen Grenze im Osten verlaufen soll.

Die Kurdenmilizen selbst haben bislang nur den Abzug aus der umkämpften Grenzstadt Ras al-Ain bestätigt. Der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge waren YPG-Einheiten in den umkämpften Gebieten zuletzt aber teilweise noch präsent. Die pro-türkischen Rebellen der sogenannten Syrischen Nationalarmee teilten mit, die vereinbarten Waffenruhen hätten ein Ende des Militäreinsatzes verzögert. Die Einsätze hätten schneller beendet werden sollen.

Seit Beginn der Offensive haben türkische Truppen und die mit ihnen verbündeten islamistischen Rebellen nach Angaben der Menschenrechtsaktivisten bereits Gebiete mit einer Fläche von etwa 4800 Quadratkilometern eingenommen. Das entspricht ungefähr der doppelten Größe des Saarlandes.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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