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"Lässt sich nicht mehr ändern" UN erwarten 100.000 Flüchtlinge aus Libyen

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Auch deutsche Soldaten sind an der EU-Mission Sophia im Mittelmeer beteiligt - hier retten sie Ende März Menschen von einem Schlauchboot.

(Foto: AP)

Zuletzt kamen Flüchtlinge vor allem über die Balkanroute nach Europa. Doch Menschen wagen auch noch den gefährlichen Weg über das Mittelmeer. Der UN-Gesandte für Libyen nennt dazu Zahlen - ein Gegenmittel der EU hält er für kontraproduktiv.

Der UN-Sondergesandte für Libyen, Martin Kobler, rechnet in diesem Jahr mit einem starken Andrang von Flüchtlingen aus dem nordafrikanischen Land. Allein im ersten Quartal 2016 seien schon 24.000 Menschen aus Libyen nach Europa aufgebrochen, sagte der deutsche Diplomat der "Welt am Sonntag". Dabei sei die Überfahrt im Winter schwieriger. "Wenn man das hochrechnet, dann kommen dieses Jahr sicher mindestens 100.000 Menschen über das Mittelmeer", sagte Kobler.

"Dass dieses Jahr sehr viel mehr Migranten über Libyen nach Europa kommen, lässt sich nicht mehr ändern", fügte der UN-Beauftragte hinzu. "Solange es hier keine funktionierende Regierung gibt, kann niemand diesem Problem wirksam begegnen." Die Internationale Organisation für Migration geht davon aus, dass 2016 im dritten Jahr in Folge mehr als 100.000 aus Libyen nach Italien kommen und dass es möglicherweise viele, viele mehr werden könnten.

Zieht EU-Mission Migranten an?

Das nordafrikanische Land wird seit dem Sturz und dem Tod von Machthaber Muammar al-Gaddafi 2011 von einem tiefen Konflikt beherrscht, in dem bis zuletzt verschiedene Milizen und zwei konkurrierende Regierungen und Parlamente um die Macht kämpften. Kobler, der zuvor schon UN-Gesandter im Kongo und im Irak war, hat die Mission in Libyen im Oktober übernommen. Seitdem wurde eine neue Einheitsregierung gebildet, die jedoch nur schrittweise ihre Arbeit aufnimmt.

Von Libyen aus machten sich in den vergangenen Jahren Hunderttausende Flüchtlinge über das Mittelmeer auf den Weg nach Europa. In den ersten drei Monaten des Vorjahres waren es nur noch 13.000. Seit der Schließung der Balkanroute versuchen aber wieder mehr Flüchtlinge über Libyen nach Europa zu gelangen. Die EU ist im Mittelmeer mit der Mission "Sophia" im Einsatz, um gegen Schlepper vorzugehen.

Kobler sieht die Marinemission jedoch kritisch: "Operation Sophia ist gerade eher ein Faktor, der Migranten anzieht", sagt er. "Die Schleuser schleppen die Boote auf offene Meer hinaus, bisweilen sogar ohne einen Tropfen Diesel im Tank. Dann rufen sie die Notfallnummern an, weil sie wissen, dass die EU-Schiffe die Menschen retten."

Quelle: n-tv.de, mli/AFP

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