Politik

Beamte, Lehrer, Journalisten US-Bericht: Ukrainer im besetzten Cherson gezielt gesucht

98750e2585bc18852cfa948cf6590318.jpg

In Cherson wurden zahlreiche Dokumente gefunden.

(Foto: IMAGO/Ukrinform)

Seit Cherson am 11. November befreit wurde, wird das Ausmaß der russischen Besatzung offenbar. Ein Bericht des Conflict Observatory kommt zu dem Schluss, dass Russland mit Listen von Namen und Autokennzeichen Menschen ins Visier nahm. Viele sind noch immer verschwunden.

Während der russischen Besatzung der südukrainischen Stadt Cherson sind hunderte Ukrainer festgenommen worden und viele von ihnen verschwunden. Dies geht aus einer Studie der US-Universität Yale hervor. Die Forschungsgruppe Conflict Observatory, deren Arbeit vom US-Außenministerium unterstützt wird, zählte 226 rechtswidrige Festnahmen und Fälle gewaltsamen Verschwindenlassens. Etwa ein Viertel der Menschen wurde mutmaßlich gefoltert, fünf von ihnen starben in Gefangenschaft.

Hinter den meisten Fällen steckten dem Bericht zufolge das russische Militär und der russische Geheimdienst FSB. Bei den Betroffenen handelte es sich demnach um Männer im wehrfähigen Alter, darunter Beamte, Lehrer, Strafverfolgungsbeamte und Journalisten.

"Diese Ergebnisse belegen eine Reihe alarmierender Aussagen über die Behandlung von Gefangenen, einschließlich der Beschreibungen von Todesfällen in der Haft, der weit verbreitete Anwendung von Folter und grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung, der Plünderung von Gefangenen (und) sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt", so der Bericht.

"Vorsätzliche Kampagne"

Zudem werden Quellen zitiert, wonach die russischen Besatzer nach der Einnahme von Cherson im März mit Listen von Namen und Autokennzeichen Menschen ins Visier nahmen, von denen sie glaubten, dass sie sich ihnen widersetzen könnten. So seien auch Krimtataren zur Zielscheibe geworden, von denen viele beschuldigt wurden, einer von Russland als "terroristisch" bezeichneten tatarischen Gruppe anzugehören. Das Verhaltensmuster der Inhaftierten zeige, dass es sich um eine "vorsätzliche Kampagne" handele, heißt es weiter.

Mehr zum Thema

Einige der Festgenommenen seien zwar freigelassen worden, viele weitere würden jedoch weiterhin festgehalten oder vermisst, seit sich die russischen Streitkräfte am 11. November aus Cherson zurückgezogen haben. Auch die Familien erhielten keine Auskünfte über das Schicksal ihrer Angehörigen.

Der Bericht mache deutlich, "dass die russischen Streitkräfte für die Verbrechen, die sie mutmaßlich in Cherson begangen haben, zur Rechenschaft gezogen werden müssen".

Quelle: ntv.de, sba/AFP

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen