Politik
US-Soldaten bei dem Großmanöver "Anakonda 2016"
US-Soldaten bei dem Großmanöver "Anakonda 2016"(Foto: dpa)
Mittwoch, 22. Juni 2016

"Russland schneller als wir dort": US-General: Baltikum ist nicht zu verteidigen

Die baltischen Staaten fürchten sich vor einer russischen Invasion. Sie setzen auf den Schutz der Nato. Der Europa-Befehlshaber der US-Army, General Hodges, macht den einstigen Sowjet-Satelliten für den Ernstfall jedoch wenig Hoffnungen.

Die baltischen Staaten wären im Kriegsfall nach Meinung des US-Generals Ben Hodges von der Nato nicht zu verteidigen. "Russland könnte die baltischen Staaten schneller erobern, als wir dort wären, um sie zu verteidigen", sagte der Befehlshaber der US-Landstreitkräfte in Europa der "Zeit". Der General stimmt der Einschätzung von Militäranalysten zu, nach der russische Truppen innerhalb von 36 bis 60 Stunden die baltischen Hauptstädte erobert haben könnten.

Hodges berichtete zudem von zahlreichen Mängeln, die Nato-Truppen aus 22 Ländern während des jüngsten Großmanövers "Anakonda" in Polen bei ihrer Zusammenarbeit festgestellt hätten. Eines der Hauptprobleme dabei sei gewesen, dass schweres Gerät nicht schnell genug von West- nach Osteuropa verlegt werden könne. Die Nato hatte in den vergangenen Tagen in Polen das Großmanöver "Anakonda 2016" abgehalten, was von Moskau massiv kritisiert wurde. Die Militärübung, an der 31.000 Soldaten aus 24 Nato-Staaten teilnahmen, war auf einen möglichen verdeckten Angriff wie bei der russischen Besetzung der ukrainischen Halbinsel Krim im Frühjahr 2014 ausgerichtet.

Hodges warnte in einem weiteren Interview mit der "Bild"-Zeitung vor der militärischen Stärke Russlands. Russland sei die einzige Bedrohung, "die ein ganzes Land zerstören kann", sagte er. Der beste Weg, um einen Angriff zu verhindern, sei "Übungen abzuhalten und zu demonstrieren, dass wir vorbereitet sind", sagte er weiter. Hodges warnte auch vor den russischen "Kapazitäten zur elektronischen Kampfführung". Da es aktuell noch lange dauere, Truppen und Ausrüstung mit Fahrzeugen zu bewegen, fordert Hodges zudem "eine Art militärischen Schengen-Raum", um die Bewegungsfreiheit zu gewährleisten.

Bundeswehr beteiligt sich an Aufstockung

Die nordöstlichen Mitgliedstaaten der Nato fühlen sich seit der russischen Annexion der Krim vor gut zwei Jahren von ihrem mächtigen Nachbarn bedroht. Die Nato hat bereits mit zusätzlichen Manövern, verstärkter Luftraumüberwachung und dem Aufbau einer schnellen Eingreiftruppe für Krisensituationen reagiert. Durch die Entsendung weiterer Bataillone soll den Nato-Mitgliedern Estland, Lettland, Litauen und Polen nun zusätzliche Sicherheit geben.

Beschlossen werden soll dies am 8. Juli auf dem Nato-Gipfel in Warschau. Es wird erwartet, dass sich die Bundeswehr mit mehreren hundert Soldaten beteiligt. Das Verteidigungsministerium legt Wert darauf, dass die Einheiten rotieren. Das bedeutet, dass die Soldaten für mehrere Monate vor Ort bleiben und dann durch andere Soldaten ersetzt werden - so wie es auch bei anderen Auslandseinsätzen der Bundeswehr in Afghanistan oder im Kosovo der Fall ist.

Quelle: n-tv.de