Politik

Für Kritik am Abtreibungsurteil US-Verfassungsrichter verspottet Boris Johnson und Prinz Harry

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Samuel Alito war maßgeblich an der Abschaffung des Abtreibungsrechts beteiligt.

(Foto: REUTERS)

Im Juni kippen die konservativen Richter am Obersten Gericht der USA das landesweite Recht auf Abtreibungen. Angeführt werden sie von Samuel Alito, der ausländische Kritik an der Entscheidung offenbar lästig findet. Vor allem die Kritik von Prinz Harry scheint ihn verletzt zu haben.

Im Mai schockt ein Entwurf für ein Abtreibungsurteil die Vereinigten Staaten: Darin argumentiert Samuel Alito, einer von neun Richtern am Obersten Gericht der USA, federführend für seine konservativen Kolleginnen und Kollegen, warum Frauen kein generelles Recht auf Abtreibung zusteht. Gut einen Monat später ist das Urteil dann offiziell, der Supreme Court kippt eine liberale Regelung aus dem Jahr 1973. Die Kritik ist enorm, nicht nur in den USA, sondern auch im Ausland.

Dafür allerdings hat Alito kein Verständnis. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt seit dem wegweisenden Urteil verspottet der 72-Jährige prominente Kritiker aus dem Ausland.

"Ich hatte die große Ehre, das wahrscheinlich einzige Urteil des Obersten Gerichts zu formulieren, das von einer ganzen Reihe ausländischer Staats- und Regierungschefs niedergemacht wurde", erklärt der Richter in einer Rede, die er laut "Guardian" bei einer Konferenz der katholischen Privatuniversität Notre Dame hielt. "Sie fanden es vollkommen akzeptabel, amerikanisches Recht zu kommentieren."

Einer von ihnen sei der scheidende britische Premierminister Boris Johnson gewesen, sagt Alito weiter. "Aber er hat den Preis dafür bezahlt", witzelt der konservative Richter vor dem lachenden und applaudierenden Publikum. "Aber nicht alle haben ihren Job verloren", sagt Alito und erwähnt den französischen Präsidenten Emmanuel Macron und den kanadischen Premierminister Justin Trudeau. Johnson hatte das Urteil einen "riesigen Schritt zurück" genannt. Macron und Trudeau nannten die Entscheidung "fürchterlich".

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Ganz besonders habe ihn aber der Kommentar von Prinz Harry getroffen, erklärt Alito dann mit ernster Stimme. Der Herzog von Sussex habe das Urteil in einer Rede bei den Vereinten Nationen mit dem russischen Angriff auf die Ukraine verglichen.

Prinz Harry hielt am 18. Juli in Gedenken an den 2013 gestorbenen südafrikanischen Präsidenten und Freiheitskämpfer Nelson Mandela eine Rede vor der UN-Vollversammlung in New York. Darin sprach der britische Royal davon, dass er "einen globalen Angriff auf die Demokratie und die Freiheit" sehe. Als Beispiele nannte er den Krieg in der Ukraine und die Abschaffung von Verfassungsrechten in den USA.

Quelle: ntv.de, chr

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