Wirtschaft

Konzernchef bei ntv Russland und Windkraft brocken Siemens Energy Verlust ein

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Siemens-Energy-Chef Bruch mit der "berühmtesten Turbine der Welt".

(Foto: IMAGO/Reichwein)

Die Technik von Siemens Energy - ob zur Gasübertragung oder zur Windkrafterzeugung - ist gefragt wie nie. Doch der Konzern meldet erneut einen herben Verlust. Vorstandschef Bruch erklärt bei ntv, wie er die Probleme des Unternehmens und der ganzen Windkraftbranche lösen will.

Trotz hervorragender Auftragslage mit milliardenschweren Bestellungen in allen Bereichen der vom Konzern angebotenen Energietechnik meldet Siemens Energy für das abgelaufene Quartal abermals rote Zahlen. Der Konzern machte im Zeitraum von April bis Juni 533 Millionen Euro Verlust, wie das Unternehmen mitteilte. Im Vorjahresquartal hatte das Minus noch bei 307 Millionen Euro gelegen. Ursache waren erneut Einbußen bei der spanischen Windenergietochter Siemens Gamesa, aber auch Belastungen aus der Restrukturierung der Geschäfte in Russland.

Konzernchef Christian Bruch sprach von einem "sehr ambivalenten" Bild. "Wir haben über alle Geschäftsbereiche erfolgreich neue Aufträge gewonnen", sagte Bruch ntv. Die Energiebranche sei auch in unsicheren Zeiten wie diesen stabil. "Der Markt wächst." Insbesondere das Geschäft mit Gas und der dazugehörigen Technik für Übertragung und Verdichtung laufe "sehr, sehr gut". Über alle Konzernsparten sei der Auftragsbestand auf ein Rekordvolumen von mehr als 90 Milliarden Euro angewachsen.

Hohe Verluste muss Siemens Energy allerdings aufgrund der Restrukturierung des Russlandgeschäfts verbuchen. Vor allem im Zusammenhang mit dieser Restrukturierung beliefen sich die Sondereffekte im Quartal auf minus 298 Millionen Euro. Der Konzern wolle, so Bruch, das Russlandgeschäft im laufenden Jahr "komplett abarbeiten". Ab 2023 seien dann keinerlei Einflüsse daraus mehr zu erwarten. "Für uns, und das zeigen wir in den Zahlen, ein schmerzvoller Schnitt", sagte Bruch.

Windkraftbranche in der Krise

Siemens hat das Neugeschäft in Russland eingestellt, betreut aber teilweise weiter Bestandskunden wie den Gazprom-Konzern und dessen Turbinen für die Gaspipeline Nord Stream 1. Um die aktuell international im Fokus stehende, laut Bruch "berühmteste Turbine der Welt" wieder nach Russland zu liefern, benötige Siemens Energy noch "Importpapiere" von Gazprom. Wann die Turbine verschifft werden könne, könne er nicht sagen.

Für hohe Verluste in der Bilanz sorgt auch weiter die spanische Tochter Siemens Gamesa. Siemens Energy hatte im Mai angekündigt, den Windkraftanlagenbauer komplett zu übernehmen, "vollständig" zu integrieren und von der Börse zu nehmen. Siemens Gamesa hatte vergangene Woche sinkende Umsätze und einen Quartalsverlust von 446 Millionen Euro gemeldet. Das Management der spanischen Tochter müsse nun den Sanierungsplan "konsequent" umsetzen, so Bruch.

Die hausgemachten Probleme bei Gamesa zu lösen, reiche jedoch nicht aus, erklärte Bruch bei ntv. Daneben müsse die Windindustrie "sich grundsätzlich überlegen, was kann man gemeinsam tun, um Kosten zu senken". Denn nicht nur Siemens Gamesa, sondern keiner der Hersteller im Markt schaffe es derzeit, mit dem Bau von Windkraftanlagen Geld zu verdienen. Außerdem müssten sich auf der Kundenseite die Rahmenbedingungen ändern. "Die Inflation muss reflektiert werden, auch in den Preisen", forderte Bruch. "Man muss alle drei Themen angehen, wenn man Wind erfolgreich machen will. Das ist aus meiner Sicht mittelfristig auch möglich."

Quelle: ntv.de, mbo/AFP/rts

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