Politik

"Zynischer Kreml-Lobbyist" Ukraine-Botschafter wettert gegen Schröder

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Schröder ist Aufsichtsratchef des russischen Ölkonzerns Rosneft.

(Foto: picture alliance / Patrick Pleul)

Gerhard Schröder hat beste Kontakte nach Russland. Mit dem ukrainischen Botschafter Melnyk liefert er sich nun einen Schlagabtausch, bei dem es alles andere als diplomatisch zugeht. Der Altkanzler bezeichnet Melnyk als einen Zwerg. Dieser antwortet mit schweren Vorwürfen.

Mit Empörung hat der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, auf Äußerungen von Altkanzler Gerhard Schröder in dessen neuem Podcast reagiert. "Herr Schröder wird in die Weltgeschichte als ein zynischer Kreml-Lobbyist in Deutschland eingehen, der Putins aggressive Politik verharmlost sowie die Kriegsverbrechen Russlands in der Ostukraine und auf der Krim schamlos schönredet", sagte Melnyk der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

In der ersten Folge seines Podcasts "Gerhard Schröder - Die Agenda" hatte der Altkanzler Melnyk einen "Zwerg aus der Ukraine" genannt, dessen Kritik niemanden interessiere. Schröder, der von 1998 bis 2005 Kanzler war, ist heute Aufsichtsratvorsitzender des russischen Ölriesen Rosneft. Der Konzern ist von EU-Sanktionen betroffen, die 2014 wegen des Ukraine-Konflikts verhängt wurden.

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Putin und Schröder stehen seit vielen Jahren in engem Kontakt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Er hat zudem den Aufsichtsratvorsitz bei dem vom russischen Konzern Gazprom dominierten Ostsee-Pipeline-Betreiber Nord Stream. Schröder pflegt persönlichen Kontakt zum russischen Präsidenten Wladimir Putin und fordert ein Ende der Russland-Sanktionen, wofür ihn Melnyk immer wieder kritisiert.

Schröders Bemühungen seien vergeblich

"Wir Ukrainer empfinden nichts anderes als Mitleid gegenüber Herrn Schröder", sagte Melnyk. "Diese wiederholten Aufrufe sind ja ein Akt purer Verzweiflung. Denn all die langjährigen Bemühungen Schröders, eine Lockerung der Sanktionen in Berlin zu erwirken, waren und bleiben vergeblich."

Russland hat sich 2014 die ukrainische Halbinsel Krim einverleibt, was kaum ein Staat anerkennt. Seit Jahren tobt ein bewaffneter Konflikt in der Ukraine, seit 2014 werden Teile der ostukrainischen Gebiete Luhansk und Donezk von durch Russland unterstützte Separatisten kontrolliert. Melnyk entrüstete sich über die Bezeichnung als "Zwerg".

"Herr Schröder versucht einen coolen Elder Statesman zu spielen, verliert aber immer mehr den Boden unter den Füßen. Und die Nerven. Einen Diplomaten als Zwerg zu bezeichnen ist eine Demütigung vor allem für den Staat, den er vertreten darf, sowie für seine Nation." Er erinnerte auch an die Schreckensherrschaft der deutschen Nationalsozialisten in seinem Land im Zweiten Weltkrieg.

Quelle: ntv.de, mdi/dpa