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Kriegsverbrechen in Butscha Ukraine ermittelt gegen zehn russische Soldaten

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In Butscha wurden mittlerweile hunderte von Leichen exhumiert, um mögliche Kriegsverbrechen zu ermitteln.

(Foto: picture alliance/dpa/AP)

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Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft leitet die ersten Ermittlungsverfahren gegen zehn russischen Soldaten wegen möglicher Kriegsverbrechen in Butscha ein. Sie sollen Zivilisten als Geiseln genommen und gefoltert haben. Auch vor Plünderungen schreckten sie demnach nicht zurück.

Die ukrainische Justiz hat Ermittlungsverfahren gegen zehn russische Soldaten wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen im Kiewer Vorort Butscha eingeleitet. Den Mitgliedern der 64. motorisierten Infanteriebrigade der russischen Armee werde unter anderem "die grausame Behandlung von Zivilisten" vorgeworfen, erklärte die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft. Berichte über Gräueltaten hatten nach dem russischen Truppenabzug aus Butscha und anderen Orten international für Entsetzen gesorgt.

Den zehn Beschuldigten werde konkret vorgeworfen, während der Besetzung von Butscha Zivilisten als Geiseln genommen, ihnen weder Essen noch Trinken gegeben und sie teilweise gefoltert zu haben, erklärte die Generalstaatsanwaltschaft. "Menschen wurden mit Faustschlägen auf den Körper traktiert, mit Waffen auf Beine, Zehen und Brust geschlagen." Demnach wollten die Soldaten so an Informationen über Stellungen der ukrainischen Truppen gelangen.

Die Ermittler bezichtigen die russischen Soldaten außerdem der Plünderung: Sie hätten "persönliche Gegenstände und Haushaltsgeräte mitgenommen". In vielen Teilen der Ukraine gibt es Berichte über Diebstähle durch russische Soldaten. Es werde auch wegen "vorsätzlicher Morde" ermittelt, erklärte die Generalstaatsanwaltschaft.

Putin zeichnet mutmaßliche Kriegsverbrecher aus

Die Ukraine wirft der russischen Armee und vor allem der 64. Brigade vor, in Butscha ein Massaker an Zivilisten verübt zu haben. Nach dem Abzug der russischen Truppen waren auf den Straßen von Butscha getötete Männer in ziviler Kleidung gefunden worden, von denen einige an den Händen gefesselt waren.

Nach den Worten der ukrainischen Generalstaatsanwältin Iryna Wenediktowa untersuchen ukrainische und internationale Ermittler insgesamt etwa 8600 Fälle von mutmaßlichen Kriegsverbrechen. Mehr als 4000 weitere Fälle stünden in Zusammenhang mit Kriegsverbrechen, sagte Wenediktowa der Deutschen Welle. Insgesamt seien mehr als 8000 Ermittler mit den Fällen befasst, darunter neben Vertretern der Staatsanwaltschaft auch Polizisten, Mitarbeiter des Geheimdienstes und Ermittler aus dem Ausland. Über die EU-Justizbehörde Eurojust seien gemeinsame Ermittlungsteams gebildet worden, sagte Wenediktowa. 14 weitere Staaten hätten zudem eigene Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine aufgenommen.

Nahezu alle untersuchten mutmaßlichen Kriegsverbrechen seien nach Beginn der russischen Offensive am 24. Februar begangen worden. Dazu gehörten die Tötung von Zivilisten, Angriffe auf zivile Infrastruktur, Folter und Sexualverbrechen in den von russischen Truppen besetzten Gebieten. Untersucht werde zudem der mutmaßliche Einsatz international geächteter Munition.

Russland hat bislang alle Vorwürfe von Kriegsverbrechen zurückgewiesen. Bezüglich der gefundenen Leichen in Butscha wirft Moskau den ukrainischen Behörden und westlichen Medien vor, die Morde inszeniert zu haben. Ukrainische Truppen hätten die Taten begangen, um Russland als Schuldigen zu benennen, erklärte der Kreml. Präsident Wladimir Putin zeichnete die 64. Infanteriebrigade inzwischen mit einem Ehrentitel aus.

Quelle: ntv.de, als/AFP

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