Politik

Weniger Ausbildung von Soldaten?Ukrainische Armee kritisiert Verbündete: "Verstehen bestimmte Abläufe nicht"

23.03.2026, 19:31 Uhr
imageVon Robin Grützmacher
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Ukrainische Soldaten beim Training der europäischen Ausbildungsmission. (Foto: picture alliance/dpa/CTK)

Um ihre Heimat zu verteidigen, werden ukrainische Soldaten in westlichen Staaten an wichtigen Waffensystemen und in anderen Fähigkeiten ausgebildet. Doch die Praxisferne der Verbündeten ist mitunter ein Problem. Kiew würde die Kämpfer anscheinend lieber vermehrt in der Heimat trainieren.

Laut einem Vertreter der ukrainischen Armee verzichtet die Ukraine teilweise auf Ausbildungsprogramme für ihre Soldaten im Ausland. "Wir analysieren alle Fehler. Alles, was die Partnerländer am Ausbildungsort nicht ändern können. Wenn es im Ausbildungsprozess ein Problem gibt, auf das wir keinen Einfluss haben, lehnen wir eine solche Ausbildung ab", sagte Jewhen Meschewikin vom Generalstab laut dem Medium lb.ua auf einer Pressekonferenz.

Es gebe eine Reihe von Maßnahmen, von denen die Ukraine Abstand genommen habe. Partner würden "bestimmte Abläufe nicht verstehen", so Meschewikin. Das sei einer der Gründe, weshalb die Ukraine die Ausbildung ihrer Truppen im Ausland reduziere. Das Portal Militarnyi zitierte Meschewikin zudem mit den Worten: "Sie sind von unseren Realitäten und den aktuellen Kampfhandlungen abgekoppelt."

Auf welche Art von Ausbildungsmaßnahmen die Ukraine verzichtet, sagte Meschewikin nicht. Ein Beispiel erzählte Generalmajor Olaf Rohde von der Europäischen Ausbildungsmission EUMAM UA vergangenes Jahr laut dem Blog Augen geradeaus. Von den Ukrainern wurde demnach eine Ausbildung abgesagt, bei der Artilleriefeuer mittels Drohnenaufklärung ins Ziel gebracht werden sollte. Die Europäer würden dies nicht so anbieten, wie es benötigt werde, hieß es zur Begründung.

"Viele Drohnen in der Luft ist die eine Realität, aber 'Grabenkampf Erster Weltkrieg' ist auch die Realität", sagte Rohde außerdem. "Es darf jetzt keine Uneinigkeit entstehen in der Weise, dass die Ukraine sagt, wir führen den modernen Krieg und ihr bildet uns nur in alter Art und Weise aus und das passt eben nicht mehr zusammen. Denn das stimmt nur bedingt." Beim Thema Drohnen seien die Ukrainer der Bundeswehr aber voraus. "Sie haben viel mehr Expertise, viel mehr Technik, viel mehr Digitalisierung, und Sie haben auch die Einsatzerfahrung damit."

Fast 87.000 Soldaten ausgebildet

Auf Anfrage von ntv.de teilte ein Sprecher des militärischen Strategiekommandos der EU mit, dass die Ausbildung der Ukrainer wie geplant verlaufe. Man stehe in ständiger Abstimmung mit ukrainischen Partnern, um die Ausbildung an die sich wandelnden Bedingungen auf dem Schlachtfeld anzupassen. "Bis März 2026 hat die EUMAM UA die Ausbildung von 86.800 ukrainischen Soldaten in 2.013 Ausbildungsmodulen abgeschlossen – das entspricht etwa 21 Kampfbrigaden."

Eine Sprecherin des französischen Generalstabs teilte mit, die von Frankreich durchgeführten Schulungen konzentrierten sich auf spezialisierte Kurse, die den von den Ukrainern formulierten unmittelbaren Bedürfnissen entsprächen. "Die Rückmeldungen sind positiv", so die Sprecherin zu ntv.de. "Es ist keine Entscheidung über eine Rückführung oder Änderung dieser Unterstützung vorgesehen."

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Ukrainische Soldaten klettern auf einem Übungsplatz in Sachsen-Anhalt aus einem Kampfpanzer vom Typ Leopard 1A5. (Foto: picture alliance/dpa)

Jewhen Meschewikin vom ukrainischen Generalstab sagte den ukrainischen Medien zufolge, dass Programme mit ukrainischen Ausbildern auch im Ausland verbessert werden. Durch heimische Ausbildung könne man allerdings schneller auf Veränderungen der Gefechtssituation an der Front reagieren und Zeitverluste vermeiden. Er verwies zudem auf Großbritannien, das einst vorgeschlagen hatte, die gesamte Ausbildung in die Ukraine zu verlegen.

Niederlagen bei Übungen

Meschewikins Aussagen folgen auf Meldungen, wonach Kiews Soldaten Nato-Partnern bei Übungen Lektionen erteilt haben. In Estland im vergangenen Jahr besiegten laut "Wall Street Journal" zehn Ukrainer vor allem durch den Einsatz von Drohnen zwei Nato-Bataillone. Ein ukrainischer Soldat der 412. Nemesis-Brigade berichtete laut der ukrainischen Journalistin Diana Butsko vom Medium Hromadske von eklatanten Schwächen aufseiten der Nato-Soldaten in Bezug auf die Gefahr durch Drohnenangriffe.

Ein von Ukrainern angeführtes Team hat darüber hinaus nach einem Bericht der "FAZ" bei einem weiteren Manöver vor der Küste Portugals im September fünf Übungsszenarien gewonnen. Ein Grund für den Erfolg sollen die aus dem Schwarzen Meer bekannten Seedrohnen vom Typ Magura gewesen sein. Aus Kiew hieß es, dass in der Übung klar geworden sei, dass unbemannte Systeme in Verbindung mit operativer Erfahrung eine "echte Bedrohung" für die Nato seien.

Schwächen der USA und ihrer Verbündeten im Nahen Osten wurden jüngst bei der Bekämpfung von iranischen Shahed-Drohnen deutlich. Immer wieder sollen Patriot-Flugabwehrraketen eingesetzt worden sein, die einen Wert von mehreren Millionen Dollar haben und von denen in der neuesten Version im vergangenen Jahr nur rund 600 Stück hergestellt wurden. Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj hat eigenen Angaben zufolge nach Hilfsanfragen Teams mit Drohnenexperten in die Vereinigten Arabischen Emirate, nach Saudi-Arabien, Katar, Kuwait und Jordanien entsandt. Sie helfen demnach unter anderem mit Abfangdrohnen bei der Abwehr von Angriffen.

Quelle: ntv.de

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