Politik

Der Kriegstag im Überblick Ukraine will Wagner-Stützpunkt zerstört haben - Russland setzt massive Angriffe fort

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Die Ukraine greift für präzise Angriffe hinter der russischen Front auch auf moderne Raketen des US-Systems HIMARS zurück.

(Foto: IMAGO/ZUMA Wire)

Die Angriffe Russlands im Osten und Süden der Ukraine gehen unvermindert weiter. Moskau berichtet von Hunderten getöteter ukrainischer Soldaten und ausländischer Söldner. Die Ukraine wiederum beansprucht einen erfolgreichen Schlag gegen die russische Söldnertruppe Wagner für sich. Explosionen gibt es auch nahe dem AKW Saporischschja. Russlands Präsident Putin bekräftigt unterdessen das Ziel, den gesamten Donbass einzunehmen. Der 173. Kriegstag im Überblick:

Berichte von schweren Kämpfen und hohen Verlusten

Russland berichtete von Angriffen seiner Truppen im Osten und Süden der Ukraine. Im Charkiwer Gebiet seien in 24 Stunden mehr als 100 "ausländische Söldner" getötet und mehr als 50 verletzt worden, darunter auch Deutsche und Polen, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau, Igor Konaschenkow. Bei Luftangriffen auf die Gebiete Cherson und Donezk seien mehr als 420 ukrainische Soldaten getötet worden.

Der ukrainische Gouverneur von Charkiw, Oleh Synjehubow, sprach nur von russischen Raketenangriffen auf Industriegebäude und Infrastruktur, machte aber keine Angaben zu möglichen Opfern. Der ukrainische Generalstab in Kiew berichtete ebenfalls von massiven Angriffen im Osten und im Süden des Landes - im Gebiet Donezk sei ein Versuch des Feindes, die Verteidigungslinie nach Slowjansk zu durchbrechen, abgewehrt worden. Unabhängige Bestätigungen für die Angaben beider Seiten gab es nicht.

Ukraine: Wagner-Stützpunkt ausgeschaltet

Die ukrainische Armee attackierte nach eigenen Angaben einen Stützpunkt der russischen Söldnergruppe Wagner in der Ostukraine. Der Stützpunkt der Wagner-Gruppe sei bei dem Präzisionsangriff zerstört worden, teilte der Gouverneur der Region Luhansk, Serhij Hajdaj, mit. Die Söldnergruppe Wagner gilt als Russlands "Schattenarmee". Den Söldnern werden schwere Menschenrechtsverstöße vorgeworfen, darunter Folter und gezielte Tötungen. Moskau bestreitet jegliche Verbindungen zu der Gruppe.

Melitopols Bürgermeister: Saboteure sprengen Eisenbahnbrücke

Nach ukrainischen Angaben sprengten Saboteure eine Eisenbahnbrücke südwestlich der von Russland besetzten Stadt Melitopol in der Südukraine. Dadurch kämen nun keine Militärzüge mehr von der Halbinsel Krim, schrieb der Bürgermeister von Melitopol, Iwan Fjodorow, auf Telegram. Russland hatte die Krim im Jahr 2014 annektiert und nutzt sie als Stützpunkt für die Versorgung der im Süden der Ukraine stationierten russischen Truppen.

Putin hält an Einnahme des Donbass fest

Russlands Präsident Wladimir Putin bekräftigte das Ziel einer kompletten Einnahme des Donbass. Die russische Armee erfülle in den "Volksrepubliken Donezk und Luhansk" ihre Aufgaben, sagte der Kremlchef auf einem Militärforum in der Nähe von Moskau im Park "Patriot" vor internationalen Gästen. Während die Ukraine Russland schwerste Kriegsverbrechen und eine blutige Besatzerpolitik vorwirft, behauptete Putin einmal mehr, dass "der Boden des Donbass Schritt für Schritt befreit wird" von ukrainischen Nationalisten.

London: Moskaus Pläne für Anschluss Donezks weit fortgeschritten

Russlands Pläne für ein Referendum in der Region Donezk über den Anschluss an die Russische Föderation sind nach Einschätzung britischer Geheimdienstexperten wohl weit fortgeschritten. Ob in Moskau schon entschieden ist, eine solche Volksbefragung abzuhalten, sei aber noch nicht klar, hieß es im täglichen Geheimdienst-Update des britischen Verteidigungsministeriums. Dass die Region noch immer nicht vollständig unter russischer Kontrolle stehe, werde vom Kreml wahrscheinlich als Rückschlag betrachtet, so die Experten weiter.

Berichte über Explosionen an AKW Saporischschja

Um das von russischen Truppen besetzte ukrainische Atomkraftwerk (AKW) Saporischschja waren nach Behördenangaben erneut Explosionen zu hören. Das Gebiet des Kernkraftwerks, das in der Stadt Enerhodar liegt, und Wohnviertel seien 25 Mal mit schwerer Artillerie beschossen worden, teilte der Besatzungsvertreter Wladimir Rogow auf Telegram mit. Demnach schlugen dort Granaten ein. Dem aus Enerhodar geflohenen ukrainischen Bürgermeister Dmytro Orlow zufolge sind in der Kraftwerksstadt Explosionen zu hören gewesen.

Die Ukraine wirft Russland vor, mit dem Beschuss "atomaren Terror" zu betreiben. Besatzungsvertreter Rogow wiederum hatte mitgeteilt, ukrainische "Terroristen" würden die Schüsse abfeuern. Er hatte zuvor auch eine Feuerpause vorgeschlagen.

Russland will Atom-Inspekteure in AKW lassen

Russland will nach eigenen Angaben alles dafür tun, dass Inspekteure der Internationalen Atomenergie-Agentur IAEA das Gelände des AKW Saporischschja inspizieren können. Das sagte die Sprecherin des Außenministeriums in Moskau, Maria Sacharowa. Der Vertreter Russlands bei der IAEA ergänzte, ein Besuch von Experten der UN-Behörde in dem AKW könne in naher Zukunft organisiert werden.

Selenskyj mahnt Russen: Wer schweigt, macht sich mitschuldig

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj rief die Russen auf, ihre Stimme zur Unterstützung der Ukraine zu erheben. "Das Böse findet in einem solchen Maßstab statt, dass Schweigen einer Mitschuld gleichkommt", sagte er am Sonntag in seiner allabendlichen Videoansprache. Umfragen zufolge unterstützt eine Mehrheit der Russen Putin. Die Aussagekraft ist aber unsicher. Offene Kritik am Krieg wird vom russischen Machtapparat streng bestraft.

Debatte um EU-Einreiseverbot für Russen

Selenskyj begrüßte zudem Tschechiens Vorstoß zu einem Visa-Verbot für russische Bürger. Die Diskussion über einen entsprechenden Vorschlag der tschechischen EU-Ratspräsidentschaft werde "Tag für Tag intensiver", sagte Selenskyj. Tschechien will den EU-Mitgliedstaaten einen Reisebann für alle Russinnen und Russen vorschlagen und vergibt bereits seit dem ersten Tag nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine keine Visa mehr an russische Bürger.

Beim Gipfeltreffen der Regierungschefs der nordischen Länder mit Bundeskanzler Olaf Scholz in Oslo drängte auch die finnische Ministerpräsidentin Sanna Marin auf Einreisesperren für russische Touristen in die EU. "Russische Bürger haben den Krieg nicht gestartet, aber wir müssen uns gleichzeitig klarmachen, dass sie den Krieg unterstützen", sagte Marin. Kanzler Scholz hingegen sprach sich in Oslo erneut gegen ein derartiges Einreiseverbot aus und verwies dabei unter anderem auf russische Staatsbürger, die vor Putins Regime flüchten. Die schwedische Ministerpräsidentin Magdalena Andersson machte sich für ein gemeinsames Vorgehen der EU bei diesem Thema stark.

Weitere wichtige Texte zum Ukraine-Krieg:

Alle weiteren Entwicklungen können Sie in unserem Liveticker zum Ukraine-Krieg nachlesen.

Quelle: ntv.de, kst/dpa/AFP/rts

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