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Flüchtlinge aus Charkiw Ukrainische Familie stirbt bei Explosionen in Russland

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Nach Angaben Moskaus feuerte die Ukraine mehrere Raketen auf Belgorod ab.

(Foto: picture alliance/dpa/TASS)

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In der Nacht zum Sonntag kommt es im russischen Belgorod zu mehreren Explosionen. Der Kreml beschuldigt Kiew, die Großstadt mit Raketen angegriffen zu haben. Fünf Menschen kommen ums Leben. Wie sich nun herausstellt, handelt es sich bei den Opfern um eine ukrainische Familie, die vor dem Krieg geflüchtet war.

Bei Explosionen in der russischen Stadt Belgorod unweit der ukrainischen Grenze ist in der Nacht zum Sonntag eine fünfköpfige Flüchtlingsfamilie aus der Ukraine getötet worden. Der Kreml beschuldigte Kiew, die Stadt mit Raketen angegriffen zu haben. Die ukrainische Regierung äußerte sich bisher nicht zu den Vorwürfen.

In der Nacht zum 3. Juli ereignete sich im Zentrum von Belgorod eine Reihe von Explosionen. Die Stadtverwaltung hatte zunächst von vier Getöteten und mehreren Verletzten gesprochen, später stieg die Zahl der Todesopfer auf fünf. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums haben ukrainische Truppen Wohngebiete mit ballistischen Totschka-U-Raketen beschossen. Die Luftabwehrkräfte hätten demnach alle drei Raketen abgeschossen, ein Raketenteil sei aber auf ein Wohngebiet gefallen. In der Großstadt, die sich weniger als 50 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt befindet, wurden Dutzende Wohnhäuser beschädigt, fünf Einfamilienhäuser wurden zerstört. Eins davon war das Haus, in dem die Flüchtlingsfamilie starb.

Die Familie floh erst vor kurzem aus der Ukraine

In einem Interview mit dem russischen Exil-Medium "Meduza" erklärte eine Angehörige der Opfer, ihr Stiefvater sowie vier weitere Familienmitglieder seien getötet worden. Der Mann sei vor wenigen Jahren aus der Ukraine nach Russland gezogen und habe vor einem Jahr die russische Staatsbürgerschaft bekommen, erzählte die Frau. Nach Kriegsbeginn habe er seine Ex-Frau, deren Mutter und zwei gemeinsame Kinder aus dem Gebiet Charkiw zu sich nach Belgorod geholt. Sie seien in einem an das Haus angebauten Nebengebäude untergebracht worden, erklärte die Frau.

Durch die Explosionen in der Nacht zum Sonntag sei der Anbau völlig zerstört worden. Die beiden Frauen und zwei Kinder, die sich darin befanden, seien dabei ums Leben gekommen. Der Stiefvater, der im Hauptgebäude wohnte, sei nach den ersten Explosionsgeräuschen in den Hof gelaufen, um nachzusehen, wie es seiner Familie geht, und sei dort durch Splitter tödlich verwundet worden, erzählte seine Stieftochter "Meduza".

Belgorods Kirchenoberhaupt widerspricht Patriarch Kirill

Nach dem Beschuss von Belgorod forderte das Oberhaupt der orthodoxen Kirche der Stadt, Metropolit Ioann, das Ende des Blutvergießens in Russland, aber auch in der Ukraine. "Heute Nacht haben Raketen der ukrainischen Streitkräfte Bewohner von Belgorod getroffen. Unter den Toten waren Bewohner der Region Charkiw, die vor dem Krieg ins friedliche Belgorod geflüchtet waren", sagte Ioann laut einer Mitteilung, die auf der Website der Belgoroder Diözese veröffentlicht wurde. "Wir rufen zu einem Gebet für die Ruhe der Verstorbenen und für die Genesung der Verletzten auf, für ein Ende des Blutvergießens, das sich auf ukrainischem Boden abspielt, aber heute auch in unsere Häuser gekommen ist", hieß es in der Mitteilung weiter.

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Die Äußerung des Belgoroder Geistlichen steht im Gegensatz zur Haltung der Russisch-Orthodoxen Kirche zum Ukraine-Krieg. Diese unterstützt öffentlich den Angriff auf das Nachbarland. Patriarch Kirill, das Oberhaupt der Kirche, behauptete mehrmals, Moskau habe niemanden angegriffen, und machte den Westen für den Konflikt verantwortlich.

Seit Beginn des Krieges kam es nach Moskaus Angaben bereits mehrfach zu Angriffen der ukrainischen Streitkräfte auf die Oblast Belgorod. Die ersten Explosionen wurden bereits Ende März gemeldet. Am 1. April explodierte ein Öllager - das ukrainische Verteidigungsministerium hatte die Beteiligung des eigenen Militärs damals weder bestätigt noch dementiert. Mitte Mai behauptete Russland, ein Mann sei durch einen Beschuss getötet worden.

Quelle: ntv.de

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