Politik

Beide Seiten fehle Kraft Ukrainischer Berater: Front "praktisch eingefroren"

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Befinden sich derzeit kaum auf dem Vormarsch: russische Truppen in der Ukraine.

(Foto: picture alliance/dpa/Sputnik)

Die russischen Truppen kommen im Angriffskrieg gegen die Ukraine kaum voran. Es sei derzeit keine Seite stark genug, die Situation in eine Richtung zu drehen, sagt ein Berater des ukrainischen Präsidenten. Das könnte Moskau laut einem Experten zur Eskalation zwingen.

Der Frontverlauf im Krieg mit Russland ist nach ukrainischen Angaben "praktisch eingefroren". Sowohl die russische als auch die ukrainische Seite hätten nicht genug Kraft, um die Situation in die eine oder andere Richtung zu drehen, sagte Olexij Arestowitsch, Berater des Büroleiters von Präsident Wolodymyr Selenskyj, bei einem Briefing. Es würden taktische Aktionen und Angriffe durchgeführt.

"Im Moment ist ein Stellungskrieg erkennbar", sagte auch der Politikwissenschaftler Markus Kaim im Interview mit ntv. Es sei kein richtiger Vormarsch russischer Truppen erkennbar. Vor allem die Versorgung des russischen Militärs mit Nahrung, Munition und Treibstoff sei ihre "Achillesferse", sagte Kaim. Dies zwinge sie allerdings auch dazu, "größere Waffen einzusetzen und auch sich selbst einem größeren Risiko auszusetzen".

Unterdessen behauptet Russland, bei seinem Angriffskrieg im Osten der Ukraine um zwölf Kilometer vorgerückt zu sein. Die Grenze der Siedlung Nikolske nordwestlich der Stadt Mariupol sei erreicht worden, erklärte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am heutigen Sonntag der Agentur Interfax zufolge. Von ukrainischer Seite gab es dazu keine Angaben.

Die Ukraine wirft der russischen Armee bereits ein immer brutaleres Vorgehen mit zerstörerischem Artillerie-Beschuss vor. Wegen des vielfachen Scheiterns würden die Waffen jetzt gegen friedliche Städte gerichtet, schrieb der ukrainische Präsidentenberater Michail Podoljak auf Twitter. Er kritisierte auch den Einsatz der neuen russischen Hyperschall-Rakete "Kinschal" (Dolch) und der Rakete "Bastion". Kaim sieht in dem Einsatz der neuen Waffen vor allem das Signal, dass der russische Präsident Wladimir Putin zu weiteren Eskalationen und "zur Einsetzung hochtechnologisierter Waffen" bereit sei. Dies könnte "fürchterliche Konsequenzen für die ukrainische Zivilbevölkerung" zur Folge haben. Putin setze damit ein Zeichen der "militärischen und politischen Entschlossenheit".

Verhandlungen nur "taktischer Natur"

Das russische Militär hatte über den Raketenbeschuss berichtet, allerdings betont, dass nur Ziele der ukrainischen Armee damit getroffen worden seien. Die ukrainischen und die russischen Angaben sind nicht unabhängig überprüfbar.

Podoljak führt auf ukrainischer Seite auch die Delegation bei den Verhandlungen mit Russland zur Beendigung der Kampfhandlungen. Ukrainische Medien berichteten, dass es an diesem Montag eine neue Runde bei den Gesprächen auf Delegationsebene geben solle. Auf Experten-Ebene liefen die Verhandlungen inzwischen täglich, hieß es.

Die Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland bezeichnet Kaim aus Kreml-Sicht als eher "taktischer Natur". Es deute alles darauf hin, dass Putin weiterhin die Maximalforderungen verfolge. Vielmehr nutze Moskau die Zeit, um "neue Truppen heranzuführen und umzugruppieren". Aus russischer Sicht sei die Zeit "definitiv noch nicht reif für eine Verhandlungslösung".

Der ukrainische Generalstab befürchtet das aktive Eingreifen des Nachbarlandes Belarus in den Krieg. Es seien Anzeichen der Vorbereitung belarussischer Streitkräfte auf eine direkte Invasion der Ukraine registriert worden, heißt es in einer Mitteilung auf Facebook.

Quelle: ntv.de, spl/mbe/dpa

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