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Eines der Ziele der unbekannten Täter war die CDU-Kreiszentrale in Celle.
Eines der Ziele der unbekannten Täter war die CDU-Kreiszentrale in Celle.(Foto: Polizei Celle/dpa)
Dienstag, 13. März 2018

"Kämpft für Afrin": Unbekannte verüben weitere Attacken

Ein Kiosk, ein Handy-Laden und ein Büro der CDU: Während türkische Truppen das kurdische Afrin belagern, setzt sich die Serie an Brandanschlägen in Deutschland fort. In Hannover, Celle und Hamburg hinterlassen Angreifer eindeutige Botschaften.

In Norddeutschland hat es in der Nacht erneut mehrere Attacken auf Gebäude gegeben. Die Behörden gehen davon aus, dass die Taten mutmaßlich im Zusammenhang mit der türkischen Militäroffensive auf die kurdische Stadt Afrin stehen dürften.

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Nach Polizeiangaben verübten Unbekannte einen Brandanschlag auf zwei türkische Läden in Hannover. Zusätzlich warfen ebenfalls unbekannte Täter in Celle die Fenster eines Bundeswehr-Beratungszentrums sowie einer Kreiszentrale der CDU ein, wobei Sachschäden entstanden.

Sowohl in Hannover als auch in Celle hinterließen die Täter den Ermittlern zufolge schriftliche Hinweise auf ihren politischen Hintergrund: In Celle fanden die Beamten "fight 4 Afrin"-Schriftzüge (Kämpft für Afrin) an den Außenwänden der CDU-Zentrale und in Hannover Zettel mit dem handgeschriebenenen Text "G.L. Afrin" auf dem Gehweg vor dem betroffenen Kiosk und einem Handyladen.

Brandsätze und Farbbeutel

Zwei in einem Auto vorbeifahrende Zeugen fielen die dunkel gekleideten Täter auf. Ihre Brandsätze konnten gelöscht werden, bevor die Geschäfte Feuer fingen. Doch die umgehend eingeleitete Sofortfahndung nach den Tätern blieb auch hier wie in den anderen Fällen bislang erfolglos.

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Bei einem dritten Vorfall in Hamburg schlugen Maskierte die Fensterscheiben eines türkischen Restaurants ein und bewarfen das Haus mit Farbbeuteln. Auch diese Tat sei "möglicherweise politisch motiviert", erklärte die Polizei. Es seien entsprechende Schriftzüge entdeckt worden - ob diese tatsächlich von den Tätern stammen, ist aber noch unklar.

Auch in Berlin entdeckte der Leiter einer Bankfiliale im Stadtteil Friedrichsfelde am Morgen sieben beschädigte Scheiben und vier Plakate mit politischem Inhalt, die ebenfalls auf den Afrin-Einsatz Bezug nahmen. Der Staatsschutz übernahm die Entwicklungen.

Moscheen und Restaurants bedroht

Afrin ist der Name einer von Kurden bewohnten Stadt in Nordsyrien, gegen die sich derzeit eine umfangreiche Militäroffensive der türkischen Armee richtet. Der Einsatz von Waffengewalt in Syrien sorgt für erhebliche neue Spannungen zwischen Türken und Kurden, die längst auch in Deutschland für Unruhe sorgen.

In den vergangenen Tagen war es bereits zu mehreren Brandanschlägen auf Moscheen und andere türkische Einrichtungen in mehreren Bundesländern gekommen. Zumindest in zwei Fällen in Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein gehen die Ermittler davon aus, dass die Täter dabei aus den Reihen extremistischer Kurden kommen.

Türkei ermahnt deutschen Botschafter

Mit Blick auf die Serie an Brandanschlägen auf türkische Einrichtungen in Deutschland bestellte das türkische Außenministerium zu Wochenbeginn den deutschen Botschafter ein. Das Ministerium habe gegenüber dem Botschafter die "erforderlichen Mahnungen" ausgesprochen und ihm eine Note überreicht, sagte der türkische Regierungssprecher Bekir Bozdag nach einer Kabinettssitzung in Ankara. Seine Regierung sei "beunruhigt" über die Vorfälle, sagte Bozdag.

Obwohl die Bundesregierung versichere, Vorkehrungen zu treffen, komme es immer wieder zu Angriffen auf muslimische Einrichtungen, kritisierte Bozdag. Man erwarte von Deutschland "sensibler" bei dem Thema zu sein.

Die türkische Regierung geht davon aus, dass die Attacken in Deutschland von der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK verübt wurden. In der Region Afrin geht die türkische Armee seit dem 20. Januar mit einer Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG vor. Die Türkei stuft die YPG wegen ihrer Verbindungen zur PKK als Terrororganisation ein.

Quelle: n-tv.de