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Reaktionen auf Özil-Rücktritt Union kritisiert ihn, SPD gibt Rückendeckung

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Serap Güler sagt, Özil hätte die Einladung Erdogans ausschlagen sollen.

(Foto: picture alliance / Rolf Vennenbe)

Der Rückzug eines Nationalspielers ist selten ein Politikum. Im Fall von Mesut Özil ist das anders. In der Union kommt seine Erklärung für das Treffen mit Erdogan nicht besonders gut an. Rückhalt kommt aus der SPD. Auch der Grüne Cem Özdemir positioniert sich deutlich.

Nach der Entscheidung von Mesut Özil zum Ausscheiden aus der deutschen Nationalmannschaft haben Politiker der Union ein Bekenntnis zur freiheitlichen Ordnung gefordert. "Niemand muss oder soll Wurzeln verleugnen, freilich wünsche ich mir schon auch ein deutliches Bekenntnis für das neue Heimatland", sagte Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl der "Bild"-Zeitung. Er wünsche sich "ein klares Bekenntnis zu unseren Werten", "gerade gegenüber jemandem" wie Recep Tayyip Erdogan, sagte der CDU-Politiker mit Blick auf das umstrittene Treffen Özils mit dem türkischen Staatschef.

NRW-Integrationsstaatssekretärin Serap Güler, die selbst türkische Wurzeln hat, sagte dem Blatt, Verbundenheit mit dem Heimatland der Eltern und Kritik an der Regierung würden sich nicht ausschließen. "Man kann ja auch bei uns kritisch gegenüber der Bundesregierung sein und Deutschland trotzdem lieben." Diesen Punkt scheine Özil aber "nicht verstanden zu haben", so die CDU-Politierkin. "Die Einladung eines Autokraten auszuschlagen wäre nicht respektlos gewesen. Es hätte Haltung gezeigt", sagte sie mit Blick auf das Treffen mit Erdogan. Özils Rechtfertigung zeige, "wie nötig eine echte Wertedebatte ist".

Paul Ziemiak, Vorsitzender der Jungen Union, warf Özil vor allem politische Naivität vor. "Niemand vernünftiges will, dass Mesut Özil seine Herkunft verleugnet. Aber zu behaupten, dass ein Foto mit Erdogan - mitten im türkischen Wahlkampf - ohne politische Absichten entstanden sei, ist naiv", sagte er der "Bild".

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz, sagte, es sei "gut, dass sich Özil endlich erklärt hat". "Bei allem Verständnis für die familiären Wurzeln", müssten sich Spieler der Fußballnationalmannschaft aber "Kritik gefallen lassen, wenn Sie sich für Wahlkampfzwecke hergeben", sagte die CDU-Politikerin. Diese berechtigte Kritik dürfe aber "nicht in eine pauschale Abwertung von Spielern mit Migrationshintergrund umschlagen".

Barley alarmiert wegen Rassismus

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Bundesjustizministerin Katarina Barley beschäftigen derweil die Rassismus-Vorwürfe gegen den Deutschen Fußball-Bund. In ihnen sieht sie ein Signal für ein tieferliegendes gesellschaftliches Problem. "Es ist ein Alarmzeichen, wenn sich ein großer, deutscher Fußballer wie Mesut Özil in seinem Land wegen Rassismus nicht mehr gewollt und vom DFB nicht repräsentiert fühlt", twitterte die SPD-Politikerin. "In den Augen von Grindel und seinen Helfern bin ich Deutscher, wenn wir gewinnen, aber ein Immigrant, wenn wir verlieren", hatte Özil in seiner Erklärung geschrieben.

Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel dankte Özil - ebenfalls auf Twitter - für dessen Leistungen im Nationalteam und ergänzte: "Und weil es um mehr geht: An alle Bürgerinnen und Bürger mit unterschiedlichen Wurzeln: Wir gehören zusammen und wir akzeptieren Rassismus never ever."

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir sagte der "Berliner Zeitung": "Es ist fatal, wenn junge Deutsch-Türken jetzt den Eindruck bekommen, sie hätten keinen Platz in der deutschen Nationalelf. Leistung gibt es nur in Vielfalt, nicht in Einfalt. So sind wir 2014 Weltmeister geworden. Und Frankreich jetzt." Außerdem sagte er, die "unmöglichen Fotos" mit Erdogan seien "die eine Seite der Medaille". Die andere Seite sei "das katastrophale Krisenmanagement der DFB-Spitze vor, während und nach der WM". Das "peinliche Agieren" von Grindel und Team-Manager Oliver Bierhoff habe "Raum gelassen für eine unsägliche Debatte von rechts".

Özdemir hatte Özil nach dessen ersten Äußerungen zunächst scharf kritisiert. "Mit dem Alleinherrscher Erdogan zu posieren empfinde ich als respektlos denen gegenüber, die in der Türkei gegängelt werden oder willkürlich im Gefängnis sitzen", erklärte der frühere Parteichef am Sonntag. Özil sei "seiner Vorbildfunktion nicht gerecht geworden".

Rückendeckung aus der Türkei

Auch in der Türkei schlägt Özils Rückzug Wellen. Von Seiten der türkischen Regierung bekommt der Sportler Applaus für seine Entscheidung. In einem Tweet von Sportminister Mehmet Kasapoglu heißt es: "Wir unterstützen die ehrenhafte Haltung unseres Bruders Mesut Özil von Herzen." Justizminister Abdulhamit Gül gratulierte dem gebürtigen Gelsenkirchener mit türkischen Wurzeln, weil dieser mit seinem Rücktritt das "schönste Tor gegen den faschistischen Virus geschossen" habe.

Der Sprecher des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, Ibrahim Kalin, begrüßte Özils Aussage, dass er den türkischen Präsidenten wieder treffen würde. Weiter schrieb er auf Twitter: "Aber stellen Sie sich vor, welchem Druck Herr Mesut in diesem Prozess ausgesetzt war. Wo sind Höflichkeit, Toleranz, Pluralismus geblieben ...?!"

Özil hatte sich am Sonntag zu seinem umstrittenen Treffen mit Erdogan im Mai geäußert und anschließend erklärt, er trete aus der deutschen Nationalmannschaft aus. Er prangerte einen weit verbreiteten Rassismus gegen ihn als Deutschtürken an.

Quelle: n-tv.de, ino/AFP/dpa

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