Politik

RTL/ntv Trendbarometer Union verliert in der liberalen Mitte

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Wer wird CDU-Chef? Laschet (Mitte) tritt mit Gesundheitsminister Jens Spahn (l) an, Merz (r) allein.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wieder mal schlechte Tage für die Große Koalition: In der jüngsten Forsa-Umfrage zählen Union und SPD zu den Verlierern. Dabei büßt die CDU vor allem liberale Anhänger ein, so Forsa-Chef Güllner. Von der Schwäche der GroKo profitieren zwei Parteien.

Der Schub nach der Hamburg-Wahl war offenbar von kurzer Dauer. Im aktuellen RTL/ntv Trendbarometer verliert die SPD wieder einen Prozentpunkt und landet bei 15 Prozent. Auch die Union büßt einen Punkt ein und liegt nun bei 26 Prozent. FDP und AfD können ihre Umfragewerte dagegen jeweils um einen Punkt verbessern und kommen auf 6 beziehungsweise 11 Prozent. Damit verfehlen sie allerdings - wie auch Union und SPD - ihre Ergebnisse von der Bundestagswahl 2017.

Das Hoch der Grünen dauert indes an: Ihre Werte liegen seit vier Wochen konstant bei 24 Prozent. Auch die Linkspartei hält sich konstant bei 10 Prozent. Im Vergleich zur Vorwoche steigt der Anteil der Nichtwähler und Unentschlossenen nochmals um weitere 2 Prozentpunkte und liegt mit aktuell 27 Prozent deutlich über dem Anteil der Nichtwähler bei der Bundestagswahl 2017.

Dass die Union in der Umfrage nicht noch schlechter abschneidet, hat sie vor allem ihrer Schwesterpartei zu verdanken. Die CSU kommt in Bayern wie in der Vorwoche auf 37 Prozent - das sind nur 1,8 Prozentpunkte weniger als 2017. Für die CDU, die derzeit eine neue Parteispitze sucht, sieht es dagegen düster aus. Sie landet bei 24 Prozent und würde damit im Vergleich zur Bundestagswahl fast 8 Prozentpunkte einbüßen.

Wie das Umfrageinstitut Forsa im Auftrag für ntv analysiert, hat die CDU vor allem Wähler aus der liberalen Mitte verloren. So verorten sich von den Anhängern, die der CDU verblieben sind, derzeit nur noch 13 Prozent im Segment der liberalen Mitte ein, heißt es. Dagegen fühlen sich von den seit 2017 abgewanderten CDU-Wählern 32 Prozent diesem Spektrum verbunden. Auf der Links-Rechts-Skala (von 1 = "links" bis 10 = "rechts") verorten sich die CDU-Abwanderer mit einem Skalenwert von 4,7 auch deutlicher in der Mitte als die der CDU noch verbliebenen Anhänger mit einem Skalenwert von 5,4.

Bei Mitte-Wählern hat Merz weniger Chancen

"Die Daten zeigen ein weiteres Mal, dass die CDU nicht in erster Linie die konservativen Wähler, sondern die aus der liberalen Mitte verliert", schreibt Forsa-Chef Manfred Güllner. Wenn Friedrich Merz bei den der CDU verbliebenen, eher rechten Anhängern mehr Zustimmung als Armin Laschet erhalte, sage das wenig über die Wahlchancen der CDU mit einem Kanzlerkandidaten Merz aus. "Wahlentscheidend wird vielmehr sein, ob es dem zukünftigen Kanzlerkandidaten der Union gelingt, die verlorenen Mitte-Wähler wieder zurückzugewinnen", so Güllner. "Und da hat Merz nur geringe Sympathien."

Der frühere Unions-Fraktionsvorsitzende Merz und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Laschet bewerben sich um den CDU-Vorsitz. Am 25. April werden die Delegierten eines Sonderparteitags darüber entscheiden, wer auf die bisherige Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer folgen soll. Die Wahl gilt auch als Entscheidung über die künftige Ausrichtung der Partei.

Nach der Analyse von Forsa unterscheidet sich die Wählerstruktur der CDU deutlich von der ihrer Schwesterpartei. Während von den derzeitigen CDU-Anhängern nur 32 Prozent noch jünger als 45 Jahre alt sind und 43 Prozent älter als 60 Jahre, sind die CSU-Anhänger deutlich jugendlicher: 42 Prozent von ihnen sind jünger als 45, nur 32 Prozent über 60 Jahre alt. Dementsprechend ist der Anteil der Rentner und Verwitweten unter den CDU-Anhängern größer als unter Anhängern der CSU.

Habeck extrem beliebt

Da bisher weder bei der Union, noch bei Grünen und SPD ein Kanzlerkandidat feststeht, fragt Forsa zurzeit die Kanzlerpräferenz prinzipiell nicht ab. In einer Blitzumfrage vor knapp zwei Wochen ermittelte das Institut allerdings für Grünen-Chef Robert Habeck die höchsten Sympathiewerte unter den derzeit möglichen Kanzlerkandidaten. 46 Prozent mögen ihn, gegenüber 38 Prozent bei Laschet und nur 21 Prozent bei Merz. Der SPD-Finanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz kommt demnach auf 31 Prozent. Merz wird zwar insgesamt als der kompetenteste Politiker angesehen, der Grünen-Chef und Scholz bewegen sich aber auf einem ähnlichen Niveau. Einsame Spitze ist Merz übrigens beim "Machtbewusstsein": 68 Prozent des Wahlvolks bescheinigt ihm ein solches.

Die Umfrage zeigte auch, dass die SPD-Vorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans kaum eine Chance als Kanzlerkandidaten hätten. Bei der Frage, ob sie für das Amt geeignet wären, kommen sie nicht einmal auf zweistellige Werte.

Quelle: ntv.de, ghö

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