Politik

Spätestens Ende Oktober Unterhaus-Sprecher Bercow tritt zurück

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Bercow verzichtete auf die traditionelle Kleidung des Sprechers und trug stattdessen auffallende Krawatten.

(Foto: REUTERS)

Seine Rufe zur Ordnung und seine bunten Krawatten sind weit über Großbritannien hinaus bekannt. Nun kündigt John Bercow, Sprecher des britischen Unterhauses, jedoch seinen Rücktritt an. Spätestens am 31. Oktober soll es so weit sein.

Der Sprecher des britischen Unterhauses, John Bercow, will spätestens am 31. Oktober von seinem Amt zurücktreten. Das sagte der konservative Politiker im Parlament. Bercow sagte, er werde nicht erneut für das Amt kandidieren, falls die Abgeordneten am Montag für vorgezogene Neuwahlen stimmen sollten. Aber auch im Falle einer Ablehnung vorgezogener Neuwahlen werde er am 31. Oktober zurücktreten. Auch sein Abgeordneten-Mandat will Bercow abgeben.

Der derzeitige Premier Boris Johnson hat zum Ziel, Großbritannien am 31. Oktober aus der EU zu führen, mit oder ohne Abkommen. Nur kurz vor Bercows Ankündigung war jedoch ein Gesetz in Kraft getreten, dass Johnson zwingt, einen Aufschub des EU-Austritts zu beantragen, sollte es bis zum 19. Oktober keinen Vertrag mit der Europäischen Union geben. Zudem schickt Johnson das Parlament ab Montagabend bis zum 14. Oktober in einen Zwangsurlaub. Der Schritt hatte heftige Kritik ausgelöst, auch von Bercow.

Bercow ist seit 1997 Abgeordneter. Im Juni 2010 wurde er erstmals Sprecher des Unterhauses und seitdem immer wieder im Amt bestätigt. Als Parlamentssprecher ruht seine Mitgliedschaft in der Konservativen Partei.

Boris Johnson zurechtgewiesen

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Bercow wurde über die Grenzen Großbritanniens hinaus bekannt, weil er die teils hitzigen Parlamentsdebatten zum Brexit leitet. Als Sprecher achtet er auf die Einhaltung der Parlamentsregeln, er erteilt Abgeordneten das Wort, unterbricht sie aber auch oder tadelt sie. Ein Video, in dem er die Abgeordneten mit "Order" immer wieder zur Ordnung ruft, ging viral. Bekannt ist auch eine Szene, in der Bercow den damaligen Außenminister Johnson wegen einer sexistischen Bemerkung zurechtweist (siehe Video). "Während meiner Zeit als Sprecher habe ich versucht, die relative Autorität dieses Parlaments zu erhöhen, wofür ich mich absolut bei niemandem, nirgendwo, zu keiner Zeit entschuldigen werde", sagte Bercow nun.

Jedoch steht der Politiker auch in der Kritik. Mitglieder seiner Partei werfen ihm vor, die Brexit-Gegner zu bevorteilen. Sie verweisen auch darauf, dass Bercows Frau Labour-Mitglied ist. Bercow selbst gab einmal an, beim Referendum 2016 gegen einen EU-Austritt Großbritanniens gestimmt zu haben. Er wies allerdings den Vorwurf zurück, dass dies seine Arbeit beeinflusse.

Quelle: n-tv.de, mli

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