Ermittlungen in WeißenfelsVerdacht auf Drogen und sexuelles Fehlverhalten in Bundeswehrkaserne

Bei der Bundeswehr kehrt keine Ruhe ein. Einem Bericht zufolge gehen Ermittler der Frage nach, ob am Standort Weißenfels in Sachsen-Anhalt Betäubungsmittel konsumiert wurden. Zudem soll ein Vorgesetzter intime Kontakte zu einer Rekrutin gehabt haben. Einige Soldaten haben gar Kasernen-Verbot.
Bei der Bundeswehr gibt es interne Ermittlungen beim Sanitätsregiment 1 in Weißenfels (Sachsen-Anhalt). Nach Informationen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) geht es um den Verdacht auf den Missbrauch von Betäubungsmitteln und sexuelles Fehlverhalten. Angeblich soll unter anderem ein Vorgesetzter unter Ausnutzung der Hierarchie intime Kontakte zu einer Rekrutin unterhalten haben. Sowohl die Wehrdisziplinaranwaltschaft, als auch die Feldjäger hätten Durchsuchungen und Vernehmungen durchgeführt, erfuhr das RND aus Bundeswehr-Kreisen. Dabei seien Büroräume und Stuben versiegelt worden. Mehrere Soldaten hätten ein Verbot zum Betreten der Sachsen-Anhalt-Kaserne in Weißenfels erhalten.
Eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums bestätigte dem RND den Verdacht: "Wir können bestätigen, dass uns Hinweise zu möglichen Verstößen im Sanitätsregiment 1 in Weißenfels bekannt sind. Nach Auftreten erster Verdachtsfälle wurde und wird dazu intensiv ermittelt."
Der Kompaniechef setze damit auch die Vorgaben für den Umgang "mit (möglichem) Fehlverhalten" in der Bundeswehr um, wie sie im Tagesbefehl von Generalinspekteur Carsten Breuer am 7. September genannt worden seien. Das bedeute: "kein Wegsehen, Meldung über das Meldewesen der Bundeswehr, Ausermittlung von Verdachtsfällen und Einbindung der Disziplinaranwälte, Rechtsberater und höheren Vorgesetzten".
Die Sprecherin fügte hinzu: "Wir nehmen die Vorwürfe sehr ernst und verfolgen hier eine klare Null-Toleranz-Linie. Sofort nach Bekanntwerden der Verdachtsfälle wurden umfassende Maßnahmen eingeleitet, um die Vorgänge lückenlos aufzuklären und bei Bestätigung konsequent zu ahnden."
Verteidigungsausschuss wird informiert
Aus Gründen des Datenschutzes, aus ermittlungstaktischen Gründen sowie zum Schutz der Persönlichkeitsrechte aller Beteiligten - insbesondere möglicher Betroffener - könnten zu konkreten Verdachtsfällen, deren Anzahl oder zu spezifischen Details der Vorgänge aber keine Auskünfte erteilt werden. "Unabhängig vom vorgebrachten Fall möchte ich unterstreichen, dass die Bundeswehr Fehlverhalten in jeder Form entschieden ablehnt und nicht toleriert." Nach RND-Informationen soll an diesem Mittwoch der Verteidigungsausschuss des Bundestages über den Fall informiert werden.
Der Befehlshaber Zentraler Sanitätsdienst der Bundeswehr, Generaloberstabsarzt Ralf Hoffman, sagte dem RND: "Aktuell laufen Ermittlungen, weshalb wir noch keine Einzelheiten nennen können. Unser Ziel ist es jetzt, die Vorfälle lückenlos aufzuklären und zügig die notwendigen Konsequenzen zu ziehen - disziplinarisch und durch die Übergabe an die Staatsanwaltschaft, wo nötig. Die Null-Toleranz-Politik, die der Minister und der Generalinspekteur vorgegeben haben, gilt uneingeschränkt."
Am Bundeswehr-Standort Zweibrücken in Rheinland-Pfalz hatte es einen Skandal von Betäubungsmittelmissbrauch und sexueller Gewalt in einem enormen Ausmaß gegeben. Dort ging die Bundeswehr bis zuletzt von 59 Beschuldigten aus. Von 21 beantragten Entlassungsverfahren habe man mittlerweile 16 vollzogen, hieß es im Frühjahr.
