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Deutschland ist laut BfV-Chef Maaßen ein Ziel für Hacker, weil "mittlerweile fast alles mit dem Internet vernetzt ist".
Deutschland ist laut BfV-Chef Maaßen ein Ziel für Hacker, weil "mittlerweile fast alles mit dem Internet vernetzt ist".(Foto: picture alliance / dpa)
Montag, 14. Mai 2018

"Eine Schwachstelle reicht aus": Verfassungsschutz warnt vor Cyber-Angriffen

Es wäre der Super-Gau: Hacker verschaffen sich Zugriff auf Wasserwerke oder Stromversorger und legen Tausende Haushalte lahm. Der Verfassungsschutz sieht Deutschland besonders gefährdet. Gegen Angriffe müsse man sich wehren dürfen.

Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen hat vor Cyberangriffen auf die kritische Infrastruktur in Deutschland gewarnt. Deutschland sei im Fokus ausländischer Nachrichtendienste, sagte Maaßen dem RBB. Ziel sei es, Sabotageakte vorzubereiten, indem Schadprogramme in kritische Infrastrukturen eingespeist würden - "um vielleicht für den Zeitpunkt X, wenn es zu einer politischen Auseinandersetzung kommen sollte, diese scharf zu schalten".

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Unter kritischer Infrastruktur versteht man Anlagen oder Systeme, die für die Gesellschaft von zentraler Bedeutung sind, wie zum Beispiel die Strom- und Wasserversorgung. Maaßen erinnerte im RBB an den Cyberangriff auf ein ukrainisches Kraftwerk Ende 2015. Zeitgleich habe man auch einen Angriff auf deutsche Einrichtungen festgestellt. "Der gleiche Angreifer mit der gleichen Schadware hat auch versucht, deutsche Infrastruktur anzugreifen." Für den Angriff hatten die deutschen Sicherheitsbehörden seinerzeit Russland verantwortlich gemacht.

Die Gefahr sei den Trägern der kritischen Infrastrukturen bekannt, so Maaßen, und diese stellten sich darauf ein. Deutschland biete jedoch eine große Angriffsfläche, "weil vieles, wenn nicht sogar mittlerweile fast alles, mit dem Internet vernetzt ist". Eine einzige Schwachstelle reiche dem Angreifer aus. Angewendet würden solche Maßnahmen dann, "wenn es auf politischem oder diplomatischem Parkett für das Gegenüber nicht mehr weitergeht".

Möglichkeit, sich zu wehren

In der ARD forderte der Verfassungsschutzchef die Politik dazu auf, den deutschen Geheimdiensten Gegenschläge gegen ausländische Cyberangriffe zu ermöglichen. "Wir müssen, denke ich, auch Einiges tun, um uns selber so zu ertüchtigen, dass wir nicht immer Opfer werden", sagte Maaßen. Es werde in der Politik oft von "hack back" gesprochen. "Auch in Deutschland, denke ich mir, braucht man die Möglichkeit, sich in dieser Art und Weise zu wehren", sagte Maaßen. Darüber müsse diskutiert und dann entschieden werden, "ob wir derartige Befugnisse, wir als Sicherheitsgemeinschaft in Deutschland, bekommen".

Maaßen betonte, bei den von ihm geforderten Gegenmaßnahmen gehe es unter anderem darum, dass deutsche Informationen, wie sie zum Beispiel seinerzeit beim Cyberangriff auf den Bundestag abgeflossen seien, "auch von uns ...  nachverfolgt und gelöscht werden können auf einem anderen Server", und "dass wir auch ausspionieren können, was unser Gegenüber mit diesen Daten machen will". Auch gelte es, im Falle eines unmittelbar bevorstehenden Cyberangriffs "den Gegner so zu schädigen, dass dieser Sabotageangriff nicht erfolgreich ist".

Der Verfassungsschutz hält heute in Berlin ein Symposium zu Cybergefahren ab. Maaßen spricht zum Thema "Hybride Bedrohungen - Vernetzte Antworten". Am Mittag gibt es ein Forum zum Thema "Wie abwehrbereit ist der Staat?", an dem auch der Präsident des Bundeskriminalamtes, Holger Münch, und BND-Präsident Bruno Kahl teilnehmen.

Quelle: n-tv.de