"Pendlerstrecken lange gesperrt"Verkehrsminister Bilger verärgert über Sanierungspannen der Bahn

Dass Baustellen generell lästig sind, räumt Verkehrsminister Bilger ein. Warum allerdings bei der Bahn nach monatelanger Sanierung von Pendlerstrecken immer noch nichts besser läuft, leuchtet dem CDU-Politiker nicht ein. Diese Frage muss ihm nun das DB-Management beantworten.
Bundesverkehrsminister Steffen Bilger kritisiert die Deutsche Bahn für Probleme bei der Sanierung des Schienennetzes wie etwa auf der Strecke von Berlin nach Hamburg. "Mit der bisherigen Umsetzung der Korridorsanierungen - dem Modernisieren von Gleisen, Weichen, Bahn- und Sicherheitstechnik - bin ich überhaupt nicht zufrieden", sagte der CDU-Politiker dem "Spiegel": "Man kann niemandem erklären, warum Pendlerstrecken so lange gesperrt werden und die Situation danach noch immer nicht besser ist." Deshalb setze er sich mit allen Beteiligten zusammen und bilde sich dann eine Meinung.
Die Pläne des italienischen Zuganbieters Italo, Fahrten in Deutschland anzubieten, begrüßte Bilger. "Ich bin noch nie mit Italo gefahren und habe den Espresso deshalb nicht probiert", sagte er. "Aber klar ist, dass Wettbewerb den Bahnkunden Vorteile bringt. Die Bahn fährt selbst ins europäische Ausland, sie muss das auch italienischen Konkurrenten zugestehen." Neue Angebote zwischen Großstädten, wie Italo sie plant, dürften aber nicht dazu führen, dass es weniger Verbindungen in kleinere Städte gebe oder dass das Netz noch stärker belastet werde, sagte der Verkehrsminister.
Das Sondervermögen biete eine gute Grundlage, die Modernisierung des Landes voranzutreiben. "Infrastruktur ist teuer. Aber wir haben so viel Geld wie noch nie für sie zur Verfügung, auch dank des Sondervermögens", sagte Bilger. In der Vergangenheit habe es nicht nur am Geld gemangelt. "Wir waren viel zu langsam bei der Planung, die Prozesse waren langwierig, oft wurden Vorhaben beklagt. Und es gab Zweifel, ob die nötigen Mittel auch langfristig zur Verfügung stehen", sagte Bilger: "Wir beweisen jetzt: Unsere Investitionen in die Infrastruktur sind kein Strohfeuer."
Auf der Straße mehr Baustellen
Autofahrer müssen sich wegen Sanierungen auf deutlich mehr Baustellen einstellen. "Jeder, der mit Auto, Bahn oder Flieger unterwegs ist, hofft darauf, pünktlich am Ziel anzukommen." Das gelinge leider nicht immer. Baustellen führten unweigerlich zu mehr Verspätungen. "Aber sie sind eben ein notwendiges Übel, damit die Infrastruktur danach in einem besseren Zustand ist."
Auf den Autobahnen soll es dabei nach Bilgers Ansicht kein Tempolimit geben. "Ein Tempolimit würde auf den Autobahnen wenig ändern", sagte der Minister. "Die allermeisten Autofahrer fahren ohnehin statt 220 Kilometer pro Stunde lieber entspannt mit Tempomat. Oder fahren bewusst langsamer wegen der hohen Spritpreise." Die Diskussion werde sehr emotional geführt. "Ein Tempolimit würde aber auch viele Menschen verärgern - und nur einen kleinen Klimaschutzeffekt bringen."