Politik

Vor den Augen des VatersBericht: Siedler töten erneut Palästinenser

05.04.2026, 20:51 Uhr
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Olivenbäume im Westjordanland: Auch die Familie des Getöteten baute Oliven an. (Foto: picture alliance / dpa)

Ein palästinensischer Vater einer Großfamilie wird einem Bericht der israelischen Zeitung "Haaretz" zufolge von Siedlern getötet, die seiner Familie ihr Land streitig machen wollen. Der Großvater der Familie erhebt nun auch Vorwürfe in Richtung der Armee.

Eine weitere palästinensische Familie ist einem Bericht der israelischen Zeitung "Haaretz" zufolge Opfer von Siedlergewalt im Westjordanland geworden. Es sei das dritte Mal innerhalb eines Monats gewesen, heißt es in dem Artikel, dass israelische Siedler einen Palästinenser auf dessen Land durch Schusswaffengebrauch getötet hätten. Und wieder sei dies vor den Augen des Vaters des Todesopfers geschehen.

Diesmal sei das Opfer der "gewalttätigen Siedlerkriminellen" Mohammed Faraj gewesen, berichtet der Journalist Gideon Levy, der zum Herausgeberkreis der Zeitung gehört, zusammen mit dem Fotografen Alex Levac. Beide trafen sich mit der Familie des Todesopfers, einem Vater von fünf Kindern - mit einem sechsten auf dem Weg. Der 39-Jährige sei auf Feldern der Familie getötet worden, heißt es in dem Bericht. Das Land sei im Privatbesitz der Familie und in Israels Landregister eingetragen.

Zelte errichtet, mit Traktor angerückt

Seit einem Jahr habe die Familie Probleme mit jugendlichen Siedlern gehabt, berichten die Journalisten. Diese seien immer wieder in das Land der Familie eingedrungen, hätten einen Zaun beschädigt, mehrmals Zelte errichtet und schließlich mit einem Traktor das Land, auf dem die Familie auch Oliven anbaut, plattgemacht. Die Siedler hätten das Land für sich beansprucht, erklärt der 75 Jahre alte Vater des Toten den Journalisten, ihr Anführer hätte dies einmal gerechtfertigt mit dem Satz: "Abraham gab das Land nur den Juden. Ob es euch gefällt oder nicht, das Land gehört uns. Ich bin das Gesetz und ich stehe auch über dem Gesetz."

So heißt es in dem Bericht auf Grundlage der Schilderung des 75-Jährigen, der demnach in dem religiösen Diskurs gesagt habe: "Hat der Patriarch Ibrahim es dir gegeben? Gut. Der Patriarch Ibrahim ist dein Vater und mein Vater. Er hat es dir gegeben und er hat es mir gegeben. Er hat es Isaak gegeben und er hat es Ismail gegeben." Nach der Konversation hätten die Siedler Steine auf den Mann geworfen.

Die palästinensische Familie versuchte, durch Einschaltung israelischer Behörden der Situation Herr zu werden. Die tödliche Konfrontation ereignete sich dann kurze Zeit, nachdem die Armee schon einmal vor Ort gewesen sei wegen einer Auseinandersetzung. Als die Soldaten wieder weg waren, hätten die Siedler Steine geworfen und Schusswaffenfeuer eröffnet, erklärt der Mann den Journalisten. Er kam mit einem Streifschuss davon. Sein Sohn Mohammed sei in in die Stirn getroffen und getötet worden, heißt es in dem Bericht.

Reagierte die Armee adäquat?

Der 75-Jährige gibt der israelischen Armee eine Mitschuld und wirft ihr vor, nach seinen offiziellen Beschwerden nicht genug durchgegriffen zu haben. "Warum haben sie uns in der Nähe von bewaffneten Leuten zurückgelassen? Das Militär trägt die Schuld an dem, was passiert ist", so der Mann gegenüber den Journalisten.

Die Armee teilte gegenüber "Haaretz" mit, Soldaten seien eingeschritten, um die Auseinandersetzung aufzulösen, und vor Ort geblieben, bis alle Beteiligten das Gebiet verlassen hatten. Zusätzlich hätten die Einsatzkräfte vor ihrem Abzug Durchsuchungen in dem Gebiet durchgeführt. Die israelische Polizei teilte gegenüber "Haaretz" mit, dass Ermittlungen liefen und eine verdächtige Person zwischenzeitlich festgenommen worden sei, aber nach der Untersuchungshaft unter Auflaugen wieder freigelassen. Über den Tod von Mohammed Faraj berichtete auch die türkische Nachrichtenagentur Anadolu in Kürze.

Seit Beginn des Gaza-Kriegs vor zweieinhalb Jahren ist es auch im Westjordanland zu einem erheblichen Anstieg von Gewalt israelischer Siedler gegen Palästinenser und ihren Besitz gekommen. Israel hatte im Sechstagekrieg 1967 unter anderem das Westjordanland und Ost-Jerusalem erobert. Dort leben heute inmitten von drei Millionen Palästinensern rund 700.000 israelische Siedler. Die Palästinenser beanspruchen die Gebiete für einen eigenen Staat mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt.

Quelle: ntv.de, mpe

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