Politik

Suche nach Coronavirus-Ursprung WHO beklagt Einmischung der Politik

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Bisher ist offen, wann eine zweite Untersuchung zum Ursprung der Pandemie beginnen könnte.

(Foto: imago images/Science Photo Library)

Eine erste Untersuchung für die Weltgesundheitsorganisation kommt im März zu dem Schluss, dass ein Laborunfall mit Coronaviren in Wuhan "extrem unwahrscheinlich" sei. Dennoch mehreren sich die Rufe nach neuen Ermittlungen. Diese würden jedoch bereits im Vorfeld "vergiftet", sagt die WHO.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat eine Einmischung der Politik in die Suche nach den Ursprüngen des Coronavirus kritisiert. "Wir bitten darum, die Wissenschaft von der Politik zu trennen und uns in einer angemessenen, positiven Atmosphäre die Antworten finden zu lassen", sagte WHO-Notfalldirektor Michael Ryan. Die Untersuchung werde "von der Politik vergiftet", beklagte er.

"Die WHO in eine Position zu bringen, in die sie gebracht wurde, ist sehr unfair gegenüber der Wissenschaft, die wir zu betreiben versuchen", betonte Ryan. Es bringe die Organisation in die "unmögliche Lage, die Antworten zu liefern, die die Welt haben möchte."

Die Weltgesundheitsorganisation steht unter wachsendem Druck, eine neue Ermittlung zum Ursprung des Coronavirus einzuleiten. Bislang gibt es jedoch keinen Zeitplan für diese zweite Stufe der Untersuchung. Eigenen Angaben zufolge will die Behörde zunächst auf Empfehlungen von technischen Experten warten, die Vorschläge für weitere Studien unterbreiten sollen.

US-Präsident Joe Biden hatte am Mittwoch die US-Geheimdienste angewiesen, ihre Bemühungen beim Sammeln und Analysieren von Informationen über einen möglichen Laborunfall in China zu verstärken. Hintergrund ist die Frage, ob ein solcher Unfall in der chinesischen Stadt Wuhan zu der weltweiten Pandemie mit mehr als 3,4 Millionen Toten geführt haben könnte.

Bei einer Tagung der WHO-Mitgliedstaaten drängten auch EU-Länder und mehrere weitere Mitglieder auf Klarheit. Sie forderten Informationen über die nächsten Schritte der WHO bei der Ermittlung der Herkunft des Virus. Dies wird als entscheidend für die Vermeidung künftiger Pandemien angesehen.

Laborunfall als "extrem unwahrscheinlich" eingestuft

Ein Team internationaler Experten im Auftrag der WHO hatte es im März als "extrem unwahrscheinlich" eingestuft, dass das Coronavirus versehentlich aus einem Labor entwichen sei. Daher hätten sie diese Spur nicht weiter verfolgt. Es sei vielmehr "wahrscheinlich bis sehr wahrscheinlich", dass das Virus Sars-CoV-2 von einer Fledermaus über ein Zwischenwirt-Tier auf den Menschen überging.

An dem Bericht wurden aber schnell Zweifel laut. Zahlreiche Staaten äußerten ihre Besorgnis darüber, dass den Experten bei ihrer Untersuchung in China der Zugang zu Daten verwehrt worden sei.

Schon bald nach Beginn der Pandemie war darüber spekuliert worden, dass das Virus bei einem Unfall aus dem Institut für Virologie in Wuhan, in dem an Coronaviren geforscht wird, entwichen sein könnte. Die chinesische Regierung hat das energisch bestritten.

Quelle: ntv.de, hul/AFP

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