Politik

Internationale Reaktionen Walesa: "Trump hat keine Lösungen"

Nach dem Sieg des Republikaners Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl setzen führende Politiker aus dem Ausland trotz schriller Töne im Wahlkampf auf eine anhaltende enge Zusammenarbeit mit den USA. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, sie biete Trump eine enge Zusammenarbeit auf der Basis gemeinsamer Werte an. Die Spitzenpolitiker der EU, Ratspräsident Donald Tusk und Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker luden Trump zu einem Gipfeltreffen ein. Weitere Reaktionen im Überblick:

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(Foto: picture alliance / dpa)

Israel: Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hat Donald Trump zu seinem Sieg bei beglückwünscht. Der Republikaner sei "ein wahrer Freund des Staates Israel", erklärte Netanjahu. Er freue sich auf die Zusammenarbeit mit Trump, "um Sicherheit, Stabilität und Frieden in unserer Region" voranzutreiben. Er sei zuversichtlich, dass der künftige US-Präsident und er die "einmalige Allianz" zwischen den beiden Ländern verstärken und zu "noch größeren Höhen" bringen würden, fügte der rechtsgerichtete Ministerpräsident hinzu. Der israelische Bildungsminister Naftali Bennett, Vorsitzender der nationalreligiösen Partei Jüdisches Heim erklärte, nach Trumps Wahlsieg sei die Idee einer Gründung eines Palästinenserstaats gestorben. "Die Ära eines Palästinenserstaats ist vorbei." Netanjahu unterstützt dagegen offiziell die sogenannte Zweistaaten-Lösung, die eine friedliche Koexistenz eines zu gründenden Palästinenserstaats mit Israel anstrebt.

Mexiko: Der Wahlsieg von Donald Trump hat nach Einschätzung der mexikanischen Regierung keine sofortige Auswirkung auf die Beziehung zwischen den beiden Ländern. "Wir werden das Marktumfeld aber beobachten und bei Bedarf unsere Steuer-, Geld-, Finanz- und Handelspolitik anpassen, um unser solides makroökonomisches Fundament zu schützen", sagte Finanzminister José Antonio Meade. Noch vor Öffnung der Börse war er am Morgen mit Notenbankchef Agustín Carstens vor die Presse getreten, um ein beruhigendes Signal an die Märkte zu senden.

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"Er sieht, dass die Leute unzufrieden sind, aber er hat keine Lösungen", sagt Lech Walesa.

(Foto: picture alliance / dpa)

Polen: Nach Ansicht von Friedensnobelpreisträger Lech Walesa ist Donald Trump für das Amt des US-Präsidenten nicht vorbereitet. "Das ist eine Bedrohung", sagte Polens 73 Jahre alter Ex-Präsident dem Sender TVN24. "Er (Trump) zeigt guten Willen. Er sieht, dass die Leute unzufrieden sind, aber er hat keine Lösungen", sagte Walesa. Das Ergebnis der US-Wahl sieht der Pole als einen Protest der US-Bürger gegen das System. "Demokratie und Kapitalismus durchleben eine Krise", sagte Walesa.

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Xi Jinping bietet Trump eine enge Zusammenarbeit an.

(Foto: REUTERS)

China: Präsident Xi Jinping hat Trump zum Wahlsieg gratuliert. Er bot dem Republikaner eine enge Zusammenarbeit an in der Hoffnung, die Beziehungen zwischen China und den USA stärken zu können, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Zuvor hatte Außenamtssprecher Lu Kang erklärt, Peking freue sich darauf, gemeinsam mit der neuen US-Regierung eine gesunde Entwicklung der bilateralen Beziehungen zum Wohl beider Völker und der Welt sicherzustellen.

Kanada: Premierminister Justin Trudeau hat Trump zu dessen überraschendem Wahlsieg gratuliert. "Kanada hat keinen engeren Freund, Partner und Verbündeten als die Vereinigten Staaten", teilte Trudeau mit. "Wir freuen uns darauf, in den kommenden Jahren mit dem designierten Präsidenten Trump, dessen Regierung und dem Kongress der Vereinigten Staaten bei Themen wie Handel, Investitionen und internationalem Frieden und Stabilität zusammenzuarbeiten." Die Beziehung zwischen den USA und Kanada bezeichnete Trudeau als ein "Vorbild für die Welt".´

Irak: Die Regierung hat Trump zur Fortsetzung der militärischen Zusammenarbeit im Kampf gegen Dschihadisten aufgerufen. Er setze auch in Zukunft auf die Unterstützung der Vereinigten Staaten und der internationalen Gemeinschaft "im Kampf gegen den Terrorismus, der nicht nur unser Land, sondern die ganze Welt bedroht", erklärte Regierungschef Haider al-Abadi in Bagdad. Die USA führen eine Militärallianz an, die zusammen mit den irakischen Regierungstruppen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekämpft. Auch die Regierungen der Golfstaaten Kuwait, Katar und Bahrain gratulierten Trump zu seinem Wahlsieg.

Saudi-Arabien: König Salman übermittelte dem neuen Präsidenten ebenfalls seine Glückwünsche. Er hoffe, dass es Trump gelinge, für "Sicherheit und Stabilität im Nahen Osten und weltweit" zu sorgen, erklärte er laut der amtlichen Nachrichtenagentur SPA. Salman verwies auf die "historischen und engen Beziehungen" zwischen beiden Ländern. Saudi-Arabien und die Vereinigten Staaten sind langjährige Verbündete, das bilaterale Verhältnis wurde zuletzt aber unter anderem durch das internationale Atomabkommen mit dem Iran belastet. Riad ringt mit seinem Erzfeind Teheran um die Vorherrschaft am Golf.

Palästina: Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hofft, dass auch Trump auf eine Zwei-Staaten-Lösung im Nahost-Konflikt hinarbeiten wird. "Die US-Regierung sollte verstehen, dass Stabilität und Frieden in der Region dadurch erreicht werden, dass eine gerechte Lösung für die palästinensische Sache gefunden wird", sagte Abbas' Sprecher Nabil Abu Rudeineh.

Ägypten: Das Land hoffe, dass Trumps Präsidentschaft "einen neuen Geist in die ägyptisch-amerikanischen Beziehungen" bringe, hieß es in einer Erklärung von Präsident Abdel Fattah al-Sisi. Die Beziehungen zwischen den USA und Ägypten waren unter dem autoritären Präsidenten angespannt.

Iran: Der Iran will Trump an Taten und nicht an Worten messen. "Wichtiger als die Wahlkampfrhetorik des Kandidaten im Wahlkampf ist für uns das Ergebnis seiner Politik", sagte Außenamtssprecher Bahram Ghassemi laut der Nachrichtenagentur ISNA. Die Terrormiliz IS als gemeinsamer Feind und die jüngsten Entwicklungen in Nahost machten eine Revision der US-Politik gegenüber dem Iran auch für den neuen Präsidenten nötig.

Türkei: Die Türkei fordert nach dem Sieg des Republikaners die Auslieferung des Predigers Fethullah Gülen. "Ich appelliere von hier aus offen an den neuen Präsidenten, den auf dem Boden der Vereinigten Staaten von Amerika lebenden Fethullah Gülen, umgehend an unser Land auszuliefern", sagte Ministerpräsident Binali Yildirim. Die Türkei macht Gülen für den Putschversuch vom 15. Juli verantwortlich.

Indien: Premierminister Narendra Modi hat sich beim künftigen US-Präsidenten für dessen Botschaften während des Wahlkampfes bedankt. "Wir wissen die Freundschaft gegenüber Indien zu schätzen, die Sie während Ihrer Kampagne zum Ausdruck gebracht haben", sagte er. "Wir freuen uns, eng mit Ihnen zusammenzuarbeiten, um die bilaterale Verbindung zwischen den USA und Indien zu neuen Höhen zu führen."

Quelle: n-tv.de, tno/jki/dpa/AFP/rts

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