Politik

UK wählt Abgeordnete Was man über die Wahl wissen muss

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David Cameron kämpft für eine zweite Amtszeit als britischer Premierminister.

(Foto: REUTERS)

Die Abstimmung der Briten an diesem Donnerstag kann das Land in die Spaltung und in einen EU-Austritt treiben. Ein Überblick über die Ausgangssituation und das, was nach der Wahl passieren könnte.

Was ist das Unterhaus?

Das britische Parlament besteht aus zwei Kammern, von denen die eine kaum noch Bedeutung hat. Wichtig ist das Unterhaus, das den Premierminister wählt und die Regierung fünf Jahre lang kontrolliert. Gewählt wird nach dem Mehrheitswahlsystem: Aus jedem der 650 Wahlkreise wird der Kandidat entsandt, der die meisten Stimmen bekommt. Neben dem Unterhaus in London gibt es regionale Parlamente in Schottland, Wales und Nordirland, die unterschiedlich viele Kompetenzen haben.

Wer tritt an?

Amtsinhaber David Cameron würde gerne ein zweites Mal zum Premierminister gewählt werden. Dazu müssten seine Conservatives, auch Tories genannt, ein gutes Ergebnis einfahren. Cameron selbst ist einigermaßen beliebt. Laut einer Prognose des "Guardian" werden die Tories aber viele Wahlkreise an Labour verlieren.

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Nick Clegg würde gerne Premierminister werden braucht dazu aber wahrscheinlich Unterstützung.

(Foto: dpa)

Camerons Herausforderer heißt Ed Miliband. Er ist Chef der Labour-Partei, die sozialdemokratisch ausgerichtet ist. Labour wird zwar wohl Wahlkreise von den Tories übernehmen, aber viele an die Schottische Nationalpartei (SNP) verlieren. Mit dieser teilt Labour viele Ziele, dennoch hat Miliband eine formelle Koalition ausgeschlossen.

Die Liberaldemokraten werden ihren Status als drittstärkste Partei wohl an die SNP abgeben müssen. Die rechtspopulistische United Kingdom Independence Party (Ukip) kann mit einer einstelligen Zahl an Sitzen rechnen.

Wer kann regieren?

Wahrscheinlich werden die Liberaldemokraten so schwach, dass sie weder Tories noch Labour zu einer Mehrheit verhelfen können. Darum bleibt praktisch nur eine Option: Labour müsste eine Minderheitsregierung mit Unterstützung der SNP führen. Doch selbst dieses Bündnis könnte die Mehrheit verfehlen. In diesem Fall muss sich das Land auf lange Verhandlungen einstellen. Eine Große Koalition werden beide Seiten vermeiden wollen.

Um welche Themen geht es?

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Das Vereinigte Königreich ist gut aus der Finanzkrise gekommen, die Wirtschaft wächst. Allerdings hat das Land hohe Schulden. Nun wird um den sozial- und wirtschaftspolitischen Kurs gestritten. Cameron will Sozialausgaben kürzen, angeblich um umgerechnet 11 Milliarden Euro. Kindergeld soll es zum Beispiel nur noch für die ersten beiden Kinder geben. Labour will dagegen durch die Besteuerung von Reichen mehr Geld einnehmen. Einig sind sich die Parteien darin, dass das Gesundheitssystem mehr Geld braucht.

Im Ausland wird vor allem beobachtet, wie sich das Verhältnis Großbritanniens zur EU entwickelt. Die Hauptforderung der Ukip ist, die EU zu verlassen. Cameron hat angekündigt, nach der Wahl ein Referendum über diese Frage abzuhalten. Außerdem will er verhindern, dass die EU noch mehr Macht bekommt.

Bedenken muss Cameron, dass ein Austritt des UK aus der EU einen Austritt Schottlands aus dem UK wahrscheinlicher macht. Aber vielleicht wäre ihm das sogar recht. Immerhin haben die Tories in Schottlands seit Jahrzehnten kaum Wahlkreise gewonnen.

Wie läuft der Wahlkampf?

Inhaltlich sind viele Wähler auf Labour-Kurs, allerdings trauen sie Cameron mehr zu. Darum versucht Labour, mit Inhalten zu Punkten, die Tories setzen auf persönliche Angriffe. Sie stellen SNP-Chefin Nicola Sturgeon als Staatsfeindin dar und Miliband als ihre Marionette. Auch der Ton der Gegenseite wird aggressiver. Ex-Labour-Premier Gordon Brown wirft den Tories vor, zu einer Partei englischer Nationalisten geworden zu sein. In den vergangenen Wochen konnte Miliband seinen Beliebtheitswert verbessern und näher an Cameron herankommen. Sturgeon lernten viele Bürger über diese Debatten zum ersten Mal kennen, sie scheidet bei den Zuschauern gut ab. Gleiches gilt für Ukip-Chef Nigel Farage.

Quelle: n-tv.de

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