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BVB-Bus attackiert Was wir über den Anschlag wissen

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Polizisten sichern den Tatort des Anschlags auf den BVB.

(Foto: dpa)

Drei Sprengsätze detonieren nahe des BVB-Mannschaftsbusses. Das Team hatte sich gerade auf den Weg zum Champions-League-Spiel gegen den AS Monaco gemacht. Weiterhin sind noch viele Fragen offen. Doch einiges wissen wir bereits.

Drei Sprengsätze detonieren nahe des BVB-Mannschaftsbusses. Das Team hatte sich gerade auf den Weg zum Champions-League-Spiel gegen den AS Monaco gemacht. Weiterhin sind noch viele Fragen offen. Doch einiges wissen wir bereits.

Was ist passiert?

Die Mannschaft des BVB ist am Dienstagabend gegen 19.15 Uhr auf dem Weg vom Teamhotel zum Stadion, als drei Bomben explodieren. Die Sprengsätze detonieren in unmittelbarer Nähe der Hotelausfahrt im Stadtteil Dortmund-Höchsten, knapp zehn Kilometer vom Stadion entfernt. Der Bus wird an zwei Stellen stark beschädigt.

Was ist über den oder die Täter bekannt?

Die Ermittler haben nach eigenen Angaben zwei Verdächtige identifiziert, die der Islamistenszene angehören. Ein mutmaßlicher Islamist sei im nordrhein-westfälischen Wuppertal festgenommen worden, heißt es in übereinstimmenden Medienberichten. Dabei soll es sich um einen 25-jährigen Iraker handeln. Den Berichten zufolge wird ihm eine Nähe zur Terrormiliz "Islamischer Staat" vorgeworfen.

Der zweite Tatverdächtigen ist demnach ein 28-jähriger Deutscher aus Fröndenberg im Kreis Unna. Die Behörden wollten sich zur Identität der Verdächtigen zunächst nichtäußern. Die Wohnungen der beiden wurden durchsucht, hieß es lediglich. Einer der beiden Männer sei vorläufig festgenommen worden. Es wird geprüft, ob ein Haftbefehl gegen ihn erwirkt werden kann.

Noch am Tatort fanden die Ermittler drei identische Bekennerschreiben, die auf einen islamistischen Hintergrund hindeuten. Darin wurde laut Medienberichten auf den Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt Bezug genommen. Der oder die Täter fordern laut Bundesanwaltschaft ein Ende des Tornado-Einsatzes der Bundeswehr in Syrien und eine Schließung der US-Luftwaffenbasis in Ramstein.

Später wird außerdem gemeldet, dass es ein zweites Bekennerschreiben gibt. Es wurde auf dem Internetportal "Indymedia linksunten" veröffentlicht, einem linksextremen Forum. In dem Schreiben beklagen die Autoren die "Politik des BVB" und den Umstand, dass der Verein nicht entschlossen genug gegen Neonazis im Stadion vorgehe. Allerdings melden Kenner der Szene erhebliche Zweifel an der Echtheit an. Auch "Indymedia linksunten" löschte den Eintrag - es handele sich um eine Fälschung von Rechtsradikalen. Die Bundesanwaltschaft hat ebenfalls "erhebliche Zweifel an der Echtheit dieser Bekennung".

Welche Sprengsätze wurden genutzt?

Bei den drei Sprengsätzen handelte es sich nach Angaben der Ermittler nicht um Pyrotechnik, sondern um "ernst zu nehmende Sprengsätze". Laut Bundesanwaltschaft waren die Sprengsätze mit Metallstiften versehen. Einer dieser Stifte steckte in einer Kopfstütze. Die Sprengsätze hätten eine Splitterwirkung von mehr als 100 Metern gehabt, erklärte eine Sprecherin der Behörden.

Die "Bild"-Zeitung berichtet, dass der Täter eine "besondere Form von Rohrbomben" genutzt haben soll. Nachrichtenagenturen berichteten außerdem, dass vor Ort noch ein weiterer verdächtiger Gegenstand gefunden wurde, der nicht zündete. Die Sprengsätze sollen in einer Hecke in der Nähe eines Parkplatzes versteckt gewesen sein. Noch ist unklar, wie die Detonationen ausgelöst wurden.

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War es ein Terror-Anschlag?
Das ist die Annahme der Bundesanwaltschaft. "Es ist von einem terroristischen Hintergrund auszugehen", sagte Sprecherin Frauke Köhler. Ein islamistischer Hintergrund des Anschlags sei "möglich". Zunächst hatte es aus Sicherheitskreisen noch geheißen, dass es keine Hinweise auf einen Terroranschlag gebe.

Wer wurde verletzt?

Der BVB-Verteidiger und spanische Nationalspieler Marc Bartra wurde schwer an der Hand verletzt. Er brach sich eine Speiche im rechten Handgelenk. Außerdem verletzten ihn Glassplitter. Noch am Dienstagabend wurde er in einem Krankenhaus operiert. Der Eingriff sei gut verlaufen, gab der Verein später bekannt. Wie lange Bartra ausfällt, ist noch unklar. Am frühen Mittwochmorgen teilte die Polizei außerdem mit, dass auch ein Polizist durch die Explosionen verletzt wurde. Der Beamte hatte den Bus auf einem Motorrad begleitet. Durch die Detonation erlitt er ein Knalltrauma und einen Schock. Er ist derzeit dienstunfähig.

Wann wird das abgesagte Fußballspiel nachgeholt?

Das Nachholspiel ist nur 22 Stunden nach dem ursprünglich geplanten Anpfiff angesetzt. Es beginnt am heutigen Mittwoch um 18.45 Uhr. Die Polizei hat Sicherheitsmaßnahmen für die Fußballer beider Mannschaften und Zuschauer ergriffen. Die Tickets sollen laut BVB ihre Gültigkeit behalten. Zuschauer, die nicht kommen können, bekommen den Preis der Eintrittskarte erstattet.

Warum wird das Spiel so schnell nachgeholt?

Das zeitnahe Nachholspiel ist dem engen Terminplan der Uefa geschuldet. Denn schon am kommenden Mittwoch ist das Rückspiel in Monaco terminiert. Am Samstag spielt Dortmund in der Bundesliga gegen Eintracht Frankfurt. Monaco muss in der Ligue 1 am gleichen Tag gegen Dijon antreten.

Was machte die Mannschaft nach dem Anschlag?

Zunächst warteten die Spieler in der Nähe des Teamhotels. Nachdem das Spiel endgültig abgesagt worden war (gegen 20 Uhr), fuhren sie nach Hause. Am Vormittag traf sich die Mannschaft am Vereinsgelände in Dortmund-Brakel zum Training. Nach einer Mittagsruhe will die Mannschaft direkt zum Stadion fahren.

Wie sicher ist ein Mannschaftsbus?

Der BVB-Mannschaftsbus ist seit März 2014 im Einsatz. Seine Fenster sind doppelt verglast und mit Folie beschichtet. Nach Angaben des Herstellers sind Mannschaftsbusse generell nie mit Panzerglas geschützt - im Gegensatz etwa zu Autos von bedrohten Prominenten.

Der Hersteller MAN des BVB-Busses, der neben Borussia Dortmund noch elf weitere Bundesliga-Vereine mit Mannschaftsbussen ausstattet, erklärt das mit geltenden Sicherheitsvorschriften. Bei einem Unfall oder Notfall müssten die Insassen die Scheiben einschlagen und den Bus durch die Fenster verlassen können, sagte ein MAN-Sprecher. Schließlich habe ein Bus nur zwei Türen auf einer Seite. Umgekehrt müssten auch Rettungskräfte durch die Fenster zu den Passagieren kommen können. Die Mannschaftsbusse seien wie alle modernen Reisebusse mit sehr robustem Doppelscheiben-Sicherheitsglas ausgestattet, hieß es.

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Quelle: n-tv.de, kpi/jog

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