Politik

"Von Dunkelheit zu Licht" Wer sind die Toten der Kapitol-Randale?

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Fanatische Trump-Anhängerin: Ashli Babbitt.

(Foto: Instagram)

Fünf Menschen sind nach der Erstürmung des Kapitols in Washington gestorben. Bei einer Person weiß man bisher, um wen es sich handelt. Die Frau war glühende Trump-Anhängerin und aus Kalifornien für den Protestmarsch nach Washington gereist.

Die Frau, die im Kapitol angeschossen wurde und später ihren Verletzungen erlag, hieß laut US-Medienberichten Ashli Babbitt und lebte in der Gegend von San Diego, Kalifornien. Sie sei eine glühende Anhängerin von US-Präsident Donald Trump und seiner Regierung gewesen. Noch am Tag vor dem "Protestmarsch" twitterte sie: "Nichts wird uns aufhalten … Sie können es versuchen und versuchen und versuchen, aber der Sturm ist da und wird in weniger als 24 Stunden auf die Hauptstadt niedergehen - von Dunkelheit zu Licht."

Die 44-jährige Babbit traf während des Chaos im Kapitol eine tödliche Kugel aus der Waffe eines Polizisten in die Brust. Videoaufnahmen zeigen den Schuss und wie die Air-Force-Veteranin zu Boden fiel. Sie war "in 14 Jahren viermal zu Einsätzen im Ausland", sagte ihr Mann dem TV-Sender KUSI-TV.

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Babbitt liegt im Kapitol am Boden und wird versorgt.

(Foto: FREEDOMNEWS.TV via REUTERS)

Auf ihrem Twitter-Account hatte Babbitt Unterstützer-Nachrichten für Trump verbreitet. Dort ist deutlich zu erkennen, wo sie stand und dass sie zu den Libertären gehörte - eine politische Strömung, deren Anhänger staatliche Macht ablehnen. Sie hing offenbar radikalen Sichtweisen an, die Trump in der Vergangenheit immer wieder vertrat. Babbitt selbst beschrieb sich auf Twitter folgendermaßen: "Ich liebe meinen Kerl (my dude), meinen Hund, und mehr als alles andere liebe ich mein Land."

"To-do-Liste"

"Sie war eine überzeugte Unterstützerin von Präsident Trump und eine echte Patriotin, das wussten alle, die sie kannten", erklärt auch ihr Mann. Ihre Schwiegermutter Robin Babitt beklagt laut "New York Post", sie und ihr Sohn hätten aus dem Fernsehen von Ashlis Tod erfahren: "Ich bin am Boden zerstört. Niemand hat uns benachrichtigt."

Babbitt hatte einen Plan: Kurz vor ihrer Abreise teilte sie noch eine "To-do-Liste" auf Twitter, in der unter anderem stand, dass sie "den Rücktritt und die anschließende Inhaftierung von Trumps Vizepräsidenten Mike Pence sowie den Rücktritt des obersten Bundesrichters John Roberts" fordere.

Ein Blick auf ihren Twitter-Account und ihre Re-Tweets gibt einen Eindruck, was für eine Person Ashli Babbitt, die nun zu einer "Heldin des Widerstands" idealisiert werden könnte, war. Dort finden sich Nachrichten von anderen Twitter-Usern, die aussagen, dass sie sich wünschten, "it will be 1776 again, only bigger and better". Am 4. Juli 1776 wurde die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika proklamiert, der Zusatz, "only bigger and better", also größer und besser, lässt jedoch nichts Gutes ahnen.

Eine andere Followerin Babbitts fragt sich, selbst im Flugzeug nach Washington sitzend, warum man nicht ins Restaurant gehen könne, wo doch alle Flüge nach "DC" so proppenvoll sind, dass es eh nicht mehr um Abstandsregelungen gehen könne. Ein weiter Re-Tweet Babbitts besagt: "Die 17 Tage haben begonnen". Damit sind die Tage bis zur Vereidigung von Joe Biden gemeint. Es bleibt zu hoffen, dass sie friedlicher verlaufen werden als der gestrige Tag.

Weitere Tote

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Vier weitere Menschen starben in dem Chaos, das sich am 6. Januar im Sturm auf die Machtzentrale der amerikanischen Demokratie ereignete. Der Polizeichef der US-Hauptstadt, Robert Contee, bestätigte, dass "darüber hinaus eine erwachsene Frau und zwei erwachsene Männer an unterschiedlichen medizinischen Notfällen gelitten haben sollen, die zu ihrem Tod führten". Wer diese drei Menschen waren, ist noch nicht bekannt. Außerdem kam ein Polizist bei dem Einsatz im Kapitol ums Leben, wie sich erst später herausstellte.

Die Randalierer in Washington, von mehreren hochrangigen US-Politikern, Sportlern und Stars als "heimische Terroristen" bezeichnet, protestierten gegen die bevorstehende Zertifizierung Joe Bidens als Gewinner der Präsidentschaftswahlen 2020 durch den Kongress.

Quelle: ntv.de, mit AFP