Politik

Auszüge aus seinem Krebs-Buch Westerwelles Leben hing am seidenen Faden

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Westerwelle während seiner Erkrankung mit seinem Mann.

(Foto: imago/Eibner)

Es ist eine dramatische Diagnose, die der frühere FDP-Chef und Außenminister Guido Westerwelle im Juni 2014 erhält. Er hat akute Leukämie, braucht dringend eine Knochenmarkspende. Über die düstere Zeit der Krankheit hat er nun ein Buch geschrieben.

Lange war es still um Guido Westerwelle. Der frühere FDP-Chef und ehemalige Bundesaußenminister hatte sich wegen seiner Krebserkrankung nahezu vollständig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Inzwischen kehrt er vorsichtig zurück, zeigt sich wieder im politischen Berlin.

Doch die lebensbedrohliche Erkrankung hat den früher so eloquenten Westerwelle verändert. Was in den Monaten der Behandlung in ihm vorging, hat er nun niedergeschrieben. Am 10. November erscheint "Zwischen zwei Leben. Von Liebe, Tod und Zuversicht".

"Es war der 17. Juni 2014, an dem ich erfahren habe, dass ich an akuter Leukämie erkrankt bin. Völlig unvorbereitet, ohne die geringsten Symptome, gewissermaßen zufällig und aus heiterem Himmel", zitiert die "Bild"-Zeitung vorab aus den 240 Seiten, die Westerwelle gemeinsam mit dem früheren "Stern"-Chefredakteur Dominik Wichmann aufschrieb. Die beängstigende Diagnose war während einer Routineuntersuchung wegen einer Sportverletzung gestellt worden.

Ohne fremdes Knochenmark verloren

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Das Buch erscheint bei Hoffmann und Campe und kostet 20 Euro

"Meine Chromosomen waren verschoben und derart kaputt, dass Professor Hallek von 'komplex aberranten Veränderungen' sprach. Mit anderen Worten: Die Chemotherapie würde mich nicht retten, weil sich die Leukämie damit nicht endgültig zurückdrängen ließe", schreibt Westerwelle über das Ausmaß seiner Krankheit. Michael Hallek ist Direktor der Klinik für Innere Medizin der Uniklinik Köln und Westerwelles behandelnder Arzt. Er macht seinem prominenten Patienten Hoffnung, dass sich wahrscheinlich ein geeigneter Spender für die absolut notwendige Stammzellentransplantation finden wird.

Während sich Westerwelle auf die zweite Chemotherapie vorbereitet, werden die Spenderkarteien nach einem geeigneten Kandidaten durchsucht. Schließlich scheint ein Spender gefunden und Westerwelle soll am 11. August 2014 im Kölner Uniklinikum eine Knochenmarktransplantation erhalten. Doch als Westerwelle im Krankenhaus ankommt, bekommt er schlechte Nachrichten: "Gerade als ich meine Waschsachen auf das Bord unter dem Badezimmerspiegel stellte, öffnete jemand die Tür. Professor Hallek betrat den Raum. Sein Gesichtsausdruck war anders als sonst. 'Guten Morgen', sagte er und begrüßte mich mit einem Nicken. 'Es ist etwas passiert, was ich hier noch nie erlebt habe.' Ich sah ihn schweigend an. 'Der Spender.' Hallek machte eine kleine Pause, weil er offensichtlich selbst nicht genau wusste, wie er seinen Satz am besten beenden sollte. 'Er ist ... wie soll ich sagen ... er hat es sich anders überlegt.' 'Wie bitte?' 'Der Spender ist abgesprungen.'"

Angst und Erniedrigung

Der Verlag Hoffmann und Campe wirbt für das Buch unter anderem: "Noch nie hat ein deutscher Politiker so offen und ehrlich über seine schwärzesten Stunden, aber auch über die großen Themen seines Lebens geschrieben." Das mag so sein oder auch nicht. In den bisherigen Auszügen ist das Maximum an emotionaler Äußerung: "Aber nun, da sich meine Befürchtung bestätigte, bekam ich es erneut mit der Angst zu tun."

An anderer Stelle berichtet er von der "anstrengenden und bisweilen auch erniedrigenden Phase der Aplasie". Von jener Zeit also, in der er nach der Chemotherapie keine eigenen Abwehrkräfte mehr hat, und jede Infektion lebensbedrohlich werden kann. Unterstützung erhält er in dieser Zeit von seinem Lebenspartner Michael Mronz, von der Familie.

Als er schließlich im September 2015 an einem Empfang seiner Stiftung "Westerwelle Foundation" in Berlin erscheint, sagt er über die hinter ihm liegende Zeit, aus "offensichtlichen Gründen" seien ihm solche Veranstaltungen in letzter Zeit nicht möglich gewesen. Eine Knochenmark-Transplantation bekam er schließlich doch noch. Nach der Entlassung verbrachte er viel Zeit auf Mallorca, wo er gemeinsam mit Mronz ein Haus hat. Zwischendurch tauchte er mal bei einem Reitturnier auf, bei den Festspielen in Salzburg oder bei einem Jazzfest der Bonner FDP. Viel sagte er dabei nicht. Zu dem, was ihn bewegt, bemerkte er auf dem Berliner Termin lediglich: "Man wird ja kein anderer, nur weil man etwas durchzumachen hat." Das kann man dann demnächst in aller Ausführlichkeit nachlesen.

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Quelle: ntv.de, sba