Politik

Direktkandidatin in Frankfurt Wiesmann tritt in Steinbachs Fußstapfen

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Bettina Wiesmann bezeichnet sich selbst als "Großstadtnudel".

(Foto: dpa)

Erika Steinbach macht inzwischen Wahlkampf für die AfD. Für die ehemalige CDU-Politikerin steht nun Bettina Wiesmann in Frankfurt zur Wahl - und macht Wahlkampf im Sinne Merkels. Auch zu Steinbach hat sie eine klare Meinung.

Die Schüler des Abendgymnasiums in Frankfurt am Main haben ihre Fragen vorab schriftlich vorgelegt, und Bettina Wiesmann antwortet routiniert darauf. Die CDU-Bundestagskandidatin will den europäischen Agrarmarkt für afrikanische Produkte öffnen. Und sie fordert ein Einwanderungsgesetz, um Menschen einen legalen Weg nach Deutschland zu bieten, die ihre Heimat aus wirtschaftlichen Gründen verlassen.

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Steinbach macht nun Wahlkampf für die AfD.

(Foto: dpa)

Das dürfte Erika Steinbach möglicherweise anders sehen. Sie sitzt noch im Bundestag - als direkt gewählte Kandidatin des Frankfurter Wahlkreises 183 und damit als Vorgängerin von Wiesmann.

Im Januar hat Steinbach, früher lange Jahre Chefin des Bundes der Vertriebenen, der CDU mit großem Knall den Rücken gekehrt - begleitet von massiven Vorwürfen an Parteichefin Angela Merkel wegen deren Flüchtlingspolitik. Auf eine erneute Bundestagskandidatur hatte die umstrittene 74-Jährige bereits zuvor verzichtet. Derzeit macht sie parteilos Wahlkampf für die AfD.

Als ihre Wahlkreis-Nachfolgerin steht Wiesmann nun für ein urbanes Kontrastprogramm - ganz im Sinne Merkels. Seit 2009 sitzt sie im hessischen Landtag. Zweimal hat die "Großstadtnudel", wie sie sich selbst nennt, das Mandat im grünen-freundlichen Frankfurter Norden gewonnen.

Konservative Familienpolitikerin

Doch die Absolventin von Eliteschulen in London und Paris, die später für McKinsey als Unternehmensberaterin tätig war, will politisch nicht in eine Schublade gesteckt werden. "Ich frage mich jeden Tag, wo mein Standort ist", witzelt sie.

Wiesmann ist Verfechterin der Gleichstellungspolitik - und hat kein Problem mit der Ehe für alle. Auch mit dem vollen Adoptionsrecht für schwule oder lesbische Eheleute könne sie leben, sagt die 50-Jährige schon etwas vorsichtiger. Doch wenn es um ihre Domäne Familienpolitik geht, da ist die aus dem großbürgerlichen Milieu kommende Wiesmann eher konservativ.

Die Mutter von vier Kindern - das jüngste ist zehn - betont gerne die Wahlfreiheit in der Erziehung. Der Staat dürfe nicht mehr als notwendig "herumfummeln". Übertrieben findet sie "Ganztagsschule bis zum Abwinken". Dass ihre Großfamilie mit eigener Haushälterin dabei privilegiert ist, räumt sie ein. Deshalb sei die von der Union befürwortete Erhöhung des Kindergelds sehr sinnvoll.

Das Feld Familienpolitik würde Wiesmann gerne auch in Berlin beackern. Die Chancen für die direkte Nachfolge Steinbachs stehen gut. Diese hat den Wahlkreis zuletzt dreimal in Folge für die Union gewonnen. Die SPD-Frau Ulli Nissen, die wieder antritt, lag deutlich dahinter.

Sensation bei der Kandidatenkür

Doch da Wiesmann zusätzlich über die Landesliste abgesichert ist, dürfte sie dem neuen Bundestag auf jeden Fall angehören. Dort dürfte sie sich schnell zurechtfinden - sie gilt als sehr zielgerichtet und ehrgeizig.

Bei der Nominierung für die Steinbach-Nachfolge hat die forsche Betriebswirtschaftlerin sogar den Aufstand gegen das Frankfurter CDU-Establishment gewagt. Deren Spitze hatte schon in Absprachen einen anderen Kandidaten ausgeguckt. In einer Kampfabstimmung gewann Wiesmann dann fast sensationell.

Im internen Umgang mit der erzkonservativen Steinbach hat sich Wiesmann dagegen eher zurückhaltend gegeben. Nach deren Parteiaustritt bedauerte dies Wiesmann und bescheinigte der Abtrünnigen, grundsätzlich immer in "aufrechter Weise" für ihre Überzeugungen eingetreten zu sein. Jetzt sagt Wiesmann, sie sei doch froh, dass Steinbach die CDU verlassen habe. Ihr Eintreten für die AfD sei "unerträglich".

Quelle: n-tv.de, Thomas Maier, dpa

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