Politik

"Hart aber fair": Corona-Urlaub Wird die Reiselust zum Reisefrust?

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Sonnen an der Nordsee dürfte im Corona-Sommer 2020 hoch im Kurs bei Urlaubern stehen.

(Foto: picture alliance / Axel Heimken/)

Der Sommer rückt näher und mit ihm kommt die Urlaubssaison. Doch wie zeitnah wird das Reisen möglich sein und wohin darf es eigentlich gehen? Wird man dieses Jahr überhaupt ins Flugzeug steigen, um entspannte Wochen am Strand oder Hotelpool zu verbringen?

Noch befinden sich viele Länder im totalen Lockdown und Flüge sind selten. Dennoch und vielleicht sogar genau deshalb sehnt man sich vielerorts nach Urlaub. Doch wie steht es aktuell um die Reiselust und Reisemöglichkeiten? Reiseunternehmen fürchten die große Pleite, aber auch Verbraucher bangen um Rechte und finanzielle Einbußen durch eingeschränkte Urlaubsmöglichkeiten in Zeiten von Corona.

Bei "Hart aber fair" sind der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß von der CDU, der Virologe Alexander Kekulé, der Schauspieler und Barbetreiber Uwe Ochsenknecht, die Reiseverkehrskauffrau Meike Mouchtouris und der Hotelier Rolf Seelige-Steinhoff zu Gast und widmen sich der Frage, ob und wie die Deutschen dieses Jahr Urlaub machen. Wie bereitet sich die Tourismusbranche eigentlich vor und wie steht es um Virus- und Verbraucherschutzmaßnahmen?

Die strengen Auflagen zum Schutz vor Corona veranlassen Hotels zu Umbauten. Die dort getroffenen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus sollen eine erneute Infektionswelle unterbinden. Auch die Maskenpflicht ist Teil eines ausgeklügelten Zugangsplans der Feriendomizile. Der Plan beinhaltet außerdem reduzierte Gästezahlen, festgelegte Sitzordnungen in Speisesälen und gut getaktete Ablaufpläne. Wie unbeschwert und erholsam kann der Urlaub unter den Corona-Sicherheitsbedingungen da werden?

"Viel Aufwand, wenig Umsatz"

Der Hotelier Rolf Seelige-Steinhoff verfolgt auf der Ostseeinsel Usedom kreative Lösungsansätze, um den Gästen ein schönes Urlaubserlebnis zu bieten. "Niemand soll dem üppigen Frühstückbuffet nachtrauern." Deshalb wird der zwecks Sicherheitsabstand leergebliebene Nachbartisch kurzerhand zum persönlichen Minibuffet. Handtücher und Gegenstände wie Tassen und Fernbedienung im Hotelzimmer werden in Plastik eingeschweißt und auch das Desinfektionsspray kommt übermäßig zum Einsatz. Der Virologe Kekulé findet die eingeschweißte Fernbedienung super, aber die Manie mit den Desinfektionssprays teils fragwürdig. Er berichtet von Hotels, deren Sicherheitskonzepte beinhalte, die Gäste bei Betreten des Hotels von oben bis unten mit Desinfektionslösung einzunebeln.

Der Tourismusbeauftragte Bareiß sieht viele Optionen für den Urlaub im Heimatland und hofft auf Urlaubsmöglichkeiten in ganz Deutschland und Europa. Dennoch spricht er in Bezug auf die Vorkehrungen, die von Hotels und Fluggesellschaften getroffen werden, von viel Aufwand mit wenig Umsatz. Seinen Aussagen zufolge dürfe man sich nicht nur mit dem Virus anfreunden und Maßnahmen für die Zeiten mit Corona treffen, sondern müsse sich auch bewusst der Frage widmen, was nach der Pandemie kommt. Mit dieser Aussage schießt er sich jedoch ein Eigentor, denn eine zufriedenstellende Lösung zur Rettung gefährdeter Reiseunternehmen kann er der um ihre Existenz bangenden Reiseverkehrskauffrau Meike Mouchtouris nicht bieten. Wie darf sie sich also ihre Zukunft vorstellen, wenn es keine Reiseunternehmen mehr gibt?

"Man reißt uns den Boden weg"

Parzellen am Strand, Sonnenschirme mit acht Metern Mindestabstand, eine App, die aufzeichnet, mit wem man Kontakt hat, Schnelltests und Fiebermessungen am Flughafen, all das sind Maßnahmen, die bereits getroffen wurden oder in naher Zukunft in einigen Ländern zum Einsatz kommen. Schwierig für Meike Mouchtouris, den Kunden ein sicheres und dennoch erholsames Reisegefühl zu vermitteln. Da muss sich die Frage gestellt werden, welche Maßnahmen reiner Aktionismus sind und wobei es sich um sinnvolle Vorsorge handelt.

Die Reiseverkehrskauffrau Mouchtouris sieht ihre Branche stark gefährdet und befürchtet, ihrem Beruf in naher Zukunft nicht mehr nachgehen zu können. Sie berichtet von enormen finanziellen Einbußen und einer Stornierungsrate von 99 Prozent seitens der Verbraucher: "Man reißt uns den Boden weg." Dennoch hat sie Verständnis für die Sorgen und Ängste ihrer Kunden, denn auch sie kann nicht sagen, wie der Urlaub in Zeiten der Pandemie aussehen soll - und schließlich steht die Gesundheit an erster Stelle.

"Niemand möchte uns schikanieren"

Uwe Ochsenknecht ist live aus Mallorca zugeschaltet. Wer sich zu Beginn der Sendung gefragt hat, weshalb der Schauspieler Teil dieser Runde ist, merkt recht schnell, dass er als Betreiber einer Musikbar auf der absoluten Lieblingsinsel der Deutschen einen erheblichen Beitrag zur Diskussion leistet, welcher nicht zu unterschätzen ist. Auch er sagt, dass der Heimaturlaub durchaus eine schöne Option sei, schließlich sei Deutschland ja auch "gar nicht so hässlich", so Ochsenknecht.

Auf Mallorca scheinen die Lebensbedingungen noch härter als in Deutschland. Eine totale Ausgangssperre und geschmälerte Einkommen ohne Unterstützung vom Staat würde das Leben auf der Insel stark prägen. Doch er freut sich, denn sein Café darf wieder öffnen, jedoch mit Einschränkungen. Nur der Außenbereich und davon lediglich 50 Prozent dürfen genutzt werden. Er versteht die Maßnahmen der Regierung, "es geht um Leben und Tod, niemand möchte uns schikanieren". Als Kind einer Nachkriegsgeneration sagt er, die Gesellschaft müsse sich wieder mehr im Verzicht üben, schließlich hatte man früher auch nicht alle Freiheiten. Es sei wichtig, dass "die Meckerei" nicht überhandnehme.

Der Hotelier fügt hinzu, es würden viele Hotels auf den Balearen gar nicht erst öffnen, denn es fehle bislang noch an Flugkapazitäten: "Keine Flieger, keine Touristen." Die große Chance auf den von Ochsenknecht angesprochenen Heimaturlaub sieht er nur teilweise, denn er sagt, die Kapazitäten auf Usedom seien in den vergangenen Jahren auch ohne Reisebeschränkungen im Ausland schon stark überlastet gewesen. Immerhin gibt Virologe Kekulé dem Barbetreiber Hoffnung, denn er prognostiziert Ochsenknecht, dass im Sommer bei steigenden Temperaturen das Infektionsrisiko auf der luftigen Terrasse seiner Musikbar stark sinken wird.

Die Natur holt sich das Land zurück

Waren die beliebten Reiseorte in den vergangenen Jahren ständig von Tourismus überrannt, zeigt sich jetzt vielerorts auch eine positive Veränderung. Der Schauspieler berichtet von Delfinen im Hafen von Mallorca, klarem Wasser und sauberen weißen Sandstränden, die sich ihm zufolge in kürzester Zeit regeneriert haben.

Auch andernorts wurden Bilder von seltenen Tieren an Stränden festgehalten. In Thailand gibt es eine Vielzahl seltener Schildkröten, die zuvor aufgrund überlaufener Badestellen lange nicht gesichtet wurden. Venedig hat wieder klares, sauberes Wasser, in den Kanälen tummeln sich Fische und andere Lebewesen. Die Natur kommt zurück.

Neben finanziellen Sorgen und Fragen zum Verbraucherschutz wird vieles diskutiert. Vor allem eine Frage brennt auf eine Antwort: Wann kann man wieder von einem normalen Urlaub sprechen? Der Virologe betont zwar, er sei kein Orakel, doch er rechnet nicht damit, dass es in einem Jahr mit dem Virus vorbei ist. Die Sendung bringt viele Ideen zutage, vor allem, wie ein sicheres Reisen in Zeiten von Corona bewerkstelligt werden kann und gibt dem Zuschauer zu hoffen. Weniger hoffnungsvoll scheinen jedoch die Maßnahmen für Reiserücktritte und die Zukunftsaussichten der Reisebüros und -veranstalter. Ob es einen Rettungsfonds ausschließlich für die Tourismusbranche geben wird, bleibt bis zum Ende der Sendung unklar.

Quelle: ntv.de