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Die große Wanderung in Bayern Wohin die CSU-Wähler desertierten

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Im Münchner Löwenbräukeller kann sich Ministerpräsident Markus Söder noch auf das Publikum verlassen. Das ist allerdings nicht mehr überall so.

(Foto: imago/Christian Mang)

Die Bayernwahl zeigt: In dem Land, das lange mit der CSU gleichgesetzt wurde, ist nichts mehr, wie es war. Besonders CSU und SPD laufen die Wähler davon. Zur Freude der anderen Parteien.

Einst war es die große Stärke der CSU: die unterschiedlichsten Strömungen unter ihrem Dach zu vereinen. Doch dies gelingt ihr nicht mehr, wie auch eine Analyse der Wählerwanderungen zeigt. Sie ist die Partei, die die meisten Wähler an andere Parteien verliert.

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Laut Infratest Dimap wanderten jeweils 180.000 CSU-Wähler zur AfD und zu den Grünen. Hier zeigt sich besonders die Zwickmühle der CSU: Für die einen ist sie inzwischen wohl vor allem im Asylstreit zu radikal geworden, und wer mehr Härte will, entscheidet sich lieber direkt für die AfD. Weitere 170.000 wählten anstelle der CSU die Freien Wähler, die sich von der Programmatik gar nicht so sehr von der CSU unterscheiden. Wieder 40.000 stimmten für die FDP.

Immerhin gewann die CSU auch Stimmen dazu: Rund 200.000 Nichtwähler sowie sogar 100.000 SPD-Wähler machten diesmal ihr Kreuz bei ihr, bei einer deutlich gestiegenen Wahlbeteiligung.

Auch für die SPD, die sich in Bayern mehr als halbiert hat und inzwischen einstellig vor sich hin dümpelt, war die Wahl ein Desaster. Sie verlor rund 430.000 Wähler. Nicht nur die 100.000 an die CSU, sondern noch deutlich mehr, rund 210.000, an die Grünen. 70.000 gingen zu den Freien Wählern, 10.000 zur FDP und 10.000 blieben lieber gleich zu Hause. Besonders bitter für die SPD: 30.000 ihrer ehemaligen Wähler stimmten nun für die AfD.

Massenwanderung zu den Grünen

Was SPD und CSU von Grund auf erschüttert, ist für die Grünen Grund zum Jubel. Ihr größter Erfolg in Bayern seit ihrem Bestehen gründet sich vor allem auf den enttäuschten Wählern von Sozialdemokraten und Christsozialen: Fast 400.000 wanderten zu den Grünen. Außerdem konnten sie auch 120.000 Nichtwähler sowie 10.000 FDP-Wähler mobilisieren. Lediglich 10.000 ehemalige Grünen-Wähler wanderten ab: zur AfD.

Die AfD, die erstmals bei einer Landtagswahl in Bayern antrat, profitierte von enttäuschten Wählern aller Parteien. Auch wenn sie ihr selbstgestecktes Ziel nicht erreichte, liegt sie doch mit 10,2 Prozent noch immer vor der SPD. Nicht nur von den Sozialdemokraten und den Grünen, auch von der FDP kamen 10.000 Wähler, ganze 60.000 sogar von den Freien Wählern. Das Gros der AfD-Gewinne speist sich allerdings aus enttäuschten CSU-Wählern, rund 180.000. Außerdem mobilisierte die AfD 170.000 Nichtwähler.

Der dritte Gewinner der Wahl, die Freien Wähler, profitierte vor allem von ehemaligen CSU-Wählern. Je 70.000 SPD-Wähler und Nichtwähler steuerten außerdem zu ihrem guten Abschneiden bei. Für die FDP entschieden sich nicht nur ehemalige CSU-Wähler, sondern auch viele Nichtwähler, sodass sie knapp in den Landtag einziehen konnte.

SPD zieht nur wenige Arbeiter an

Eine Analyse nach Geschlecht zeigt, dass dabei Frauen eher dazu tendieren, Grüne und SPD zu wählen. Dagegen lockte die AfD deutlich mehr Männer an. Bei allen anderen Parteien, CSU, Freie Wähler, FDP und Linken, unterschied sich das Wahlverhalten nach Geschlecht nur unbedeutend. Auch außergewöhnlich viele junge Leute entschieden sich für die Grünen.

Ein Punkt, der besonders der SPD zu denken geben müsste: In ihrem eigentlichen Stammmilieu, bei den Arbeitern, schneidet sie mit 9 Prozent schwach ab, die AfD ist dagegen mit 25 Prozent fast dreimal so gut. Die CSU liegt mit 30 Prozent vorn - wie bei allen Berufsgruppen. Besonders stark ist sie allerdings bei Beamten und Rentnern.

Die meisten Wähler mit der höchsten Bildung greifen die Grünen ab. Sie liegen damit knapp vor der CSU, die im mittleren und niedrigen Bildungsbereich punktet. Die AfD dagegen ist besonders stark bei Wählern mit niedrigem Bildungsniveau.

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Quelle: n-tv.de

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