Politik

Brandts Kniefall Wulff würdigt Geste in Warschau

Bundespräsident Wulff würdigt in Polen eine historische Geste: den Kniefall von Willy Brandt vor dem Denkmal für die Opfer des Warschauer Ghetto-Aufstands. Der Kniefall gilt bis heute als Symbol für die deutsch-polnische Aussöhnung und jährt sich zum 40. Mal.

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Christian Wulff wird des Kniefalls gedenken.

(Foto: picture alliance / dpa)

Bundespräsident Christian Wulff ist nach Warschau gereist. In der polnischen Hauptstadt will er den Kniefall von Willy Brandt auf den Tag genau vor 40 Jahren am Denkmal zur Erinnerung an den Ghetto-Aufstand 1943 würdigen. Die spontane Geste des damaligen Bundeskanzlers und SPD-Politikers fand damals weltweit Beachtung als besonderes Zeichen der Versöhnung. An diesem Tag im Jahr 1970 wurde auch der Warschauer Vertrag unterzeichnet, mit dem die Bundesrepublik die polnische Westgrenze anerkannte.

Polen ist mittlerweile Mitglied der EU und der Warschauer Pakt, das von den Sowjets dominierte Militärbündnis des Ostblocks, schon fast vergessen.

Angst vor "Kreuzrittern" aus dem Westen

Aber Willy Brandts Kniefall verunsicherte auch die polnische Parteiführung jener Zeit. Sie reagierte auf die ungewöhnliche Geste mit Schweigen. Die kommunistische Propaganda hielt am Bild des "bösen Deutschen" fest, um die eigene Gesellschaft bei der Stange zu halten. Die Angst vor den "Kreuzrittern" aus dem "imperialistischen Westdeutschland" galt auch Bindemittel zwischen der Staatsmacht und der in ihrer Mehrheit antikommunistischen Gesellschaft.

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Brandt kniet am 7. Dezember 1970 vor dem Mahnmal im einstigen jüdischen Ghetto in Warschau, das den Helden des Ghetto-Aufstandes vom April 1943 gewidmet ist.

(Foto: dpa)

Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks 1989 wurde zunächst die Umarmung von Helmut Kohl und Tadeusz Mazowiecki beim Gottesdienst in Kreisau zum Inbegriff des deutsch-polnischen Neuanfangs. Mit der Zeit rückte allerdings der Kniefall immer mehr in den Vordergrund. Seit zehn Jahren erinnert ein Gedenkstein an das Ereignis von 1970.

Wulff wird gemeinsam mit dem polnischen Präsidenten Bronislaw Komorowski einen Kranz am symbolträchtigen Erinnerungsort niederlegen. Beide werden zudem mit polnischen und deutschen Schülern diskutieren sowie zusammen mit dem SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel an einer Veranstaltung der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung teilnehmen.

Quelle: ntv.de, ppo/dpa/AFP

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