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Deutsche Reederei betroffen Zwei Tanker nahe Irans Küste attackiert

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Der Öltanker "Front Altair" geriet nach einer Attacke in Brand.

(Foto: picture alliance/dpa)

Inmitten der Spannungen mit dem Iran kommt es im Golf von Oman erneut zu Zwischenfällen mit zwei Handelsschiffen. In den frühen Morgenstunden erhält die US-Marine zwei Notrufe von Tankern. Was oder wer hinter den mutmaßlichen Angriffen steckt, ist unklar.

Die US-Kriegsmarine hat nach eigenen Angaben Notrufe von zwei mutmaßlich im Golf von Oman angegriffenen Tankern erhalten. "Wir wissen von dem gemeldeten Angriff auf Tankschiffe im Golf von Oman", erklärte die Fünfte Flotte. "Die US-Seestreitkräfte in der Region haben zwei verschiedene Notrufe um 6.12 Uhr Ortszeit und um 7 Uhr erhalten." Schiffe der US-Navy seien in der Gegend und leisteten Unterstützung. Auch die Informationsplattform UKMTO der britischen Marine berichtete von einem Zwischenfall. Die Organisation registriert und untersucht Angriffe auf Handelsschiffe in der Region. Anrainer der dortigen Meerenge von Hormus sind der Iran sowie die Vereinigten Arabischen Emirate und der Oman.

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Das Bernhard Schulte Shipmanagement (BSM) teilte unterdessen in Singapur mit, ihr mit Methanol beladener Tanker "Kokuka Courageous" sei bei einem mutmaßlichen Angriff beschädigt worden. Das Schiff sei evakuiert worden, eines der 21 Besatzungsmitglieder sei leicht verletzt worden, erklärte ein Sprecher des Unternehmens. Nach Angaben der Reederei besteht keine Gefahr, dass dieses Schiff sinkt. Die Ladung sei "intakt". Der Schaden sei auf der Steuerbordseite im hinteren Teil des Frachters, sagte der Sprecher.

Die 21 Seeleute seien alle mit einem Rettungsboot auf ein anderes Schiff gebracht worden, die "Coastal Ace". Der leicht verletzte Seemann habe dort Erste Hilfe bekommen. Bei den Seeleuten handele es sich ausnahmslos um Philippiner. Deutsche seien keine an Bord gewesen, sagte der Sprecher. Der Zwischenfall ereignete sich diesen Angaben zufolge in etwa 70 Seemeilen Entfernung vom arabischen Emirat Fudschairah und etwa 14 Seemeilen entfernt von der iranischen Küste. Das BSM gehört zur Hamburger Reederei Schulte Group. Die "Kokuka Courageous" hatte nach Angaben des Dienstes "Marine Traffic" zufolge vor drei Tagen in Saudi-Arabien abgelegt und war unterwegs nach Singapur.

Iran untersucht Vorfälle

Bei dem anderen Tanker handelt es sich um einen Öltanker der norwegischen Gesellschaft Frontline. Das bestätigte die Seefahrtsbehörde des Landes. Das unter der Flagge der Marshallinseln fahrende Schiff namens "Front Altair" sei am frühen Morgen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Iran attackiert worden, teilte die Behörde mit. Es sei von drei Explosionen an Bord berichtet worden, das Schiff brenne. Die 23 Crewmitglieder seien nicht zu Schaden gekommen. Hintergründe seien unklar, man rate norwegischen Schiffen aber, bis auf Weiteres Abstand zu iranischen Fahrwassern zu halten. "Front Altair" war laut "Marine Traffic" auf dem Weg von den Vereinigten Arabischen Emiraten nach Taiwan.

Auch die omanische Küstenwache erklärte der norwegischen Zeitung "Dagbladet", es habe einen Angriff gegeben. Es sei zu einer Explosion an Bord des norwegischen Schiffes gekommen, sagte ein Küstenwachensprecher der Zeitung. Demnach geschah der Vorfall in iranischen Gewässern. Deshalb stehe man in Kontakt mit den iranischen Behörden, wurde der Sprecher vom "Dagbladet" zitiert. Die iranische Nachrichtenagentur Irna meldete, ein iranisches Schiff habe 44 Seeleute der beiden beschädigten Tanker aufgenommen. Sie seien in einen Hafen des Irans gebracht worden.

Teheran will die schweren Zwischenfälle nun untersuchen. Mehrere Expertenteams seien mit Hubschraubern über das Seegebiet geflogen, in dem es Explosionen gegeben habe, sagte ein Sprecher der Rettungsabteilung der iranischen Flotte in der südiranischen Hormusgan-Provinz. Die Ergebnisse der Untersuchungen sollten schon bald bekanntgegebenen werden, zitierte die Nachrichtenagentur Irna den Sprecher. Nach der Meldung über die Angriffe stiegen die Ölpreise stark. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Mittag 62,05 US-Dollar. Das waren 2,05 Dollar mehr als am Mittwoch. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 1,49 Dollar auf 52,63 Dollar.

Mitte Mai weiterer Tanker-Vorfall

Rohöl (Brent)
Rohöl (Brent) 64,11

Erst Mitte Mai waren vier Öltanker vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate attackiert worden. Saudi-Arabien machte den Iran und von ihm unterstützte Kräfte dafür verantwortlich. Der Iran wies die Vorwürfe zurück. US-Sicherheitsberater John Bolton sprach später von Angriffen mit Seeminen, für die "fast sicher" der Iran verantwortlich sei. Beweise für seine Anschuldigung legte er nicht vor. Die Regierung in Teheran wies den Vorwurf zurück und sprach von "lächerlichen Behauptungen".

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran haben sich zuletzt massiv verschärft. Die USA verstärkten deswegen zuletzt ihre Militärpräsenz in der Golfregion. Die Fünfte Flotte der USA ist im Golfemirat Bahrain stationiert. Sie ist unter anderem für den Persischen Golf, den Golf von Oman und das Rote Meer zuständig. Am heutigen Donnerstag endet der Besuch des japanischen Regierungschefs Shinzo Abe im Iran, der dort im Atomkonflikt mit den USA vermitteln will.

Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif äußerte vor diesem Hintergrund seine Besorgnis über die aktuellen "verdächtigen" Angriffe gegen Tanker mit "Verbindungen zu Japan". Sie ereigneten sich während "freundschaftlicher Gespräche" von Abe und Irans geistlichem Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei, schrieb Sarif auf Twitter.

Quelle: n-tv.de, fzö/AFP/rts/dpa

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