Politik

250 Raketen aus Gaza abgefeuert Zwölf Tote bei Vergeltungsangriffen Israels

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Trauernde in Gaza-Stadt tragen den Leichnam eines getöteten Mannes.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bei erneuten Angriffen auf Angehörige der Miliz Islamischer Dschihad tötet Israel mehrere Menschen im Gazastreifen. Damit antworten die Streitkräfte auf massiven Raketenbeschuss durch die Islamisten. Regierungschef Netanjahu droht ihnen mit weiteren "Schlägen", doch die Gruppe sinnt auf "Vergeltung".

Einen Tag nach der gezielten Tötung eines Anführers der Palästinensermiliz Islamischer Dschihad im Gazastreifen durch die israelische Armee haben militante Palästinenser erneut Raketen auf Israel abgefeuert. Die israelische Armee reagierte am Mittwoch mit Vergeltungsangriffen. Dabei wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums im Gazastreifen zwölf Palästinenser getötet. Die Zahl der Toten seit Beginn der Eskalation am Dienstag erhöhte sich damit auf 22.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu drohte dem Islamischen Dschihad mit weiteren Angriffen, sollte die Miliz ihre Attacken nicht einstellen. Israel werde "ohne Gnade" auf die Angriffe aus dem Gazastreifen reagieren. "Sie haben die Wahl", sagte der Regierungschef mit Blick auf den Islamischen Dschihad, der nach der regierenden Hamas die zweitmächtigste Miliz im Gazastreifen ist.

In mehreren israelischen Städten in Grenznähe zum Gazastreifen war am Morgen Raketenalarm zu hören. Eine Rakete schlug in unmittelbarer Nähe der Autobahn im südisraelischen Gan Jawne ein. Öffentliche Einrichtungen im Umkreis von 40 Kilometern zum Gazastreifen blieben geschlossen. Viele Israelis suchten Schutzräume auf.

Vergeltung für Angriff auf al-Ata

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Start einer Rakete im Gaza-Streifen

(Foto: imago images/ZUMA Press)

Durch die israelischen Angriffe wurden mehrere Kämpfer des Islamischen Dschihad getötet, wie die Miliz mitteilte. Israels Armee erklärte, sie habe eine Reihe von Zielen des Islamischen Dschihad attackiert, darunter auch eine Raketenabschussbasis. Schulen im Gazastreifen blieben auch am Mittwoch geschlossen.

Der UN-Gesandte Nickolay Mladenov will in Kairo über eine Beilegung des aktuellen Konflikts verhandeln. Der Sprecher des Islamischen Dschihad, Musab Al-Barayem, erklärte jedoch, die Miliz habe kein Interesse an einer diplomatischen Vermittlung, da sie mit den Angriffen auf die Tötung eines ihrer Anführer reagiere.

Am Dienstagmorgen waren der prominente Miliz-Anführer Baha Abu al-Ata und seine Frau Asma bei einem Angriff der israelischen Armee im Gazastreifen getötet worden. Israel machte Ata für Raketenangriffe auf Israel in den vergangenen Monaten verantwortlich und erklärte, der 41-Jährige habe weitere Anschläge "gegen israelische Zivilisten und Soldaten" geplant. Sowohl der Islamische Dschihad als auch die mit ihm verbündete regierende Hamas kündigten nach dem Angriff Vergeltung an.

Konfrontation mit Hamas vermieden?

Seither wurden nach israelischen Armeeangaben mindestens 250 Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert. 90 Prozent davon wurden demnach vom israelischen Luftabwehrsystem abgefangen. Auf israelischer Seite gab es keine Toten. 48 Menschen wurden mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus gebracht, auch Wohnhäuser wurden beschädigt. In zahlreichen israelischen Städten stand am Dienstag das öffentliche Leben still, sogar in der 70 Kilometer vom Gazastreifen entfernten Küstenmetropole Tel Aviv blieben Schulen und Universitäten geschlossen.

Israel sei erstmals seit Jahren von dem "felsenfesten Prinzip" abgewichen, dass die Hamas für alles verantwortlich gemacht werden müsse, was im Gazastreifen geschehe, bemerkte der Kommentator Ben Caspit von der Tageszeitung "Maariv". Bei den Militäreinsätzen seit Dienstag habe es eine klare Unterscheidung zwischen der Hamas und dem Islamischen Dschihad gegeben.

Beobachter werteten dies auch als Versuch der israelischen Regierung, eine größere Eskalation zu vermeiden. Seit die Hamas 2007 die Kontrolle im Gazastreifen übernahm, gab es bereits drei kriegerische Auseinandersetzungen zwischen der radikalislamischen Miliz und Israel.

Die jüngste Gewalt vollzieht sich vor dem Hintergrund einer verfahrenen politischen Situation in Israel. Weil es Netanjahu nach der Parlamentswahl im September nicht gelang, eine stabile Regierung zu bilden, beauftragte Präsident Reuven Rivlin Ende Oktober seinen Rivalen Benny Gantz mit der Regierungsbildung.

Quelle: ntv.de, can/AFP