Jetzt noch 2000 Elitesoldaten Trump verliert die Kontrolle über den Krieg

Trump erklärt, die "Hauptphase" des Krieges sei vorbei - und schickt zugleich 2000 Elitesoldaten Richtung Nahost. Der Iran-Krieg hat alle möglichen Folgen, bloß nicht die intendierten. Für den US-Präsidenten wird's eng.
Als Donald Trump am 11. März, nach Angriffen auf iranische Militär-und Industriekapazitäten,in einem Interview sagt, alle Ziele im Iran seien bereits zerstört, man habe “praktisch nichts mehr”, was man noch bombardieren könne, hält der US-Präsident das selbst noch für eine tolle Erfolgsmeldung. Es ist exakt das Gegenteil. Aber so weit reicht Trumps Verständnis nicht, was strategische Kriegsführung angeht.
Ein kriegerischer Angriff ist nicht dann erfolgreich, wenn das operative Ziel erreicht wurde - etwa die Zerstörung einer Raketenabschussrampe oder die Ausschaltung wichtiger Führungspersonen. Strategischer Erfolg bemisst sich daran, ob ein oder mehrere kombinierte Angriffe einen messbaren Effekt hervorbringen.
1000 Angriffe - ohne Effekt
Was der Präsident am 11. März verkündet, bedeutet Folgendes: Wir haben alles im Iran attackiert, was wir als sinnvolle Ziele ausgewiesen hatten, wir sind quasi durch damit. Was er jedoch nicht präsentieren kann, ist ein Effekt dieser Angriffe.
Weder gerät das Teheraner Regime im Verlauf der ersten dreieinhalb Kriegswochen nennenswert ins Trudeln, noch büßt das iranische Militär seine Fähigkeiten ein, mit Drohnen und Raketen Ziele in Israel und den mit den USA befreundeten Golfstaaten anzugreifen. Die iranischen Vorräte an hochangereichertem Uran schlummern weiter in unterirdischen Hochsicherheitslagern in Isfahan.
Parallel zu diesem eklatanten Mangel an Folgen, die den Iran in die Kapitulation zwingen könnten, bleibt die israelisch-amerikanische Luftkampagne auf anderen Ebenen und in anderen Teilen der Welt absolut nicht folgenlos. Die Iraner bedrohen die Schifffahrtsstraße von Hormus. Der daraus resultierende Frachter-Stau lässt die Ölpreise auf Höchstwerte seit Jahrzehnten schnellen und treibt die Börsenkurse Richtung Abgrund. Er unterbricht wichtige Lieferketten für den globalen Handel und bringt die Welt laut Einschätzung der Internationalen Energiebehörde in die Nähe einer hoch dramatischen Öl- und Gaskrise.
Trumps Regierung büßt bei den Partnern in der Golfregion an Vertrauen ein. Nicht nur in den USA wird Kraftstoff teurer und könnte in naher Zukunft sogar knapp werden. Darum muss Trump Ölsanktionen gegen seinen Feind lockern[UZ1] (anstatt sie anzuziehen) und ein wirres Ultimatum noch vor Ablauf der Frist wieder einkassieren. Seine Zustimmungswerte in den USA rauschen ab auf ein Allzeit-Tief seit Amtsübernahme, und wenn er öffentlich “produktive Gespräche” mit dem Iran lobt, mutmaßt - nicht nur - das Mullah-Regime, die habe er wohl mit sich selbst geführt.
Und als sei das alles noch nicht genug an destruktiven, für den Weltmarkt hoch riskanten und für den US-Präsidenten fatalen Kriegsfolgen, melden US-Medien Folgendes: Mehrere tausend amerikanische Elitesoldaten der 82. Luftlandedivision machen sich auf den Weg Richtung Kriegsgebiet. (Das übrigens nahezu parallel zu Trumps jüngster Aussage, die Hauptphase dieses Krieges sei “im Grunde vorbei”.)
Die Fallschirmjäger dieser schnellen Eingreiftruppe kommen zusätzlich zu zwei bereits in der Region befindlichen Flugzeugträgern mit mehreren Zerstörern im Schlepp sowie amphibischen Angriffseinheiten, Langstreckenbombern, Teilen der strategischen Tankerflotte, Patriot-Luftverteidigungssystemen und grob geschätzt bis zu 50.000 stationierten Soldatinnen und Soldaten. Eine unvollständige Aufzählung, die dennoch eines verdeutlicht: Dieser Krieg kostet die Vereinigten Staaten etliche Milliarden Dollar.
Die Spezialkräfte der 82nd Airborne Division sind nicht zimperlich. Ihr mutmaßlicher Einsatz wird es sein, die Insel Charg zu besetzen. Über die Terminals auf der kleinen Insel im Persischen Golf verlädt der Iran rund 85 bis 90 Prozent seiner Rohölexporte. Würden diese Exporte einbrechen - denn über kleinere Terminals und andere Routen ließe sich nur ein Teil der ausgefallenen Lieferungen ersetzen - dann käme das iranische Regime tatsächlich wirtschaftlich schnell und spürbar unter Druck.
Was aber passiert dann? Darüber kann nur spekuliert werden. Doch gibt es valide Orientierungspunkte: Die bisherige Strategie der Mullahs in diesem Krieg ist zu hundert Prozent auf Eskalation ausgerichtet. Ganz anders als in Konflikten der jüngsten Vergangenheit, in denen Teheran stets darauf achtete, limitiert und durch den Gegner kontrollierbar zu reagieren. (Zuweilen warnte man sogar vor: "Achtung, wir schicken jetzt Raketen!" Sodass Israel den Angriff problemlos abwehren konnte.)
Diesen Krieg aber versteht das Regime als einen Kampf um Leben und Tod. Es wehrt sich entsprechend aggressiv und verbissen mit schmerzhaften Angriffen auf das zivile Leben in Israel und wichtige Energieanlagen in Nachbarstaaten am Golf. Zeitgleich bedroht es weiterhin seine eigene Bevölkerung und unterbindet fast die gesamte Kommunikation im Land. Nach der Tötung des geistigen Führers Ali Chamenei trat mit seinem Sohn Modschtaba ein bekannter Hardliner an die Spitze des Regimes.
Trump steckt knietief im Sumpf
Was sich daraus für einen möglichen Angriff von US-Fallschirmjägern auf die Insel Charg und den iranischen Ölexport folgern lässt: Sehr wahrscheinlich würde Teheran einen solchen Angriff mit eskalierenden Attacken gegen wichtige Energieinfrastruktur in den Golfstaaten beantworten. Und irgendwann sähen sich diese Staaten womöglich gezwungen zurückzuschlagen und in diesen Krieg einzutreten.
In der vierten Woche dieses amerikanischen und israelischen Angriffs gegen den Iran wird so deutlich wie wohl noch nie vorher: Der US-Präsident hat sich mit diesem Krieg mehr als knietief in einen Sumpf aus unkalkulierbaren Kosten bei unkalkulierbaren Risiken manövriert.
Setzt er den Angriff fort, dann könnte sich der Krieg auf die Golfregion ausweiten mit unabsehbaren Folgen für den Welthandel. Mit dem Einsatz von US-Bodentruppen würde zudem die Zahl amerikanischer Gefallener deutlich ansteigen. Beendet Trump den Angriff ohne ein belastbares Verhandlungsergebnis mit dem Teheraner Regime, dann ist der Iran zwar geschwächt, aber in Zukunft erwartbar aggressiver gegenüber Israel und den Golfstaaten.
Es ist eine Katastrophe - für Trump selbst, für die Region und mindestens die westliche Welt. In Peking findet man das Desaster vermutlich ganz unterhaltsam, da reichen die Energiereserven noch für eine Weile aus. Die USA aber müssen dringendst aus diesem Konflikt herausfinden, bevor sie die Kontrolle vollends verlieren und ein Kriegsende gar nicht mehr in ihrer Macht stehen wird.