Kommentare

Tsipras' 180-Grad-Wende Was war das "Nein" wert?

3qf94043.jpg5824645238323412358.jpg

Gemeinsam gegen das Spardiktat war gestern.

(Foto: dpa)

Griechenland sagt laut und deutlich "Nein" zum EU-Spardiktat. Trotzdem gibt Alexis Tsipras genau das nun korrigiert bei den Gläubigern ab. Warum? Weil er die nächste Runde im Spiel einläutet.

Er werde ihnen die "nationale Würde" wiedergeben, versprach Alexis Tsipras. Und mehr als 60 Prozent der Griechen glaubten ihrem Regierungschef und stimmten gegen die Spar- und Reformauflagen der internationalen Geldgeber. Keine Woche später ist alles anders. Sein Adjutant im Aufstand gegen die Troika, Yanis Varoufakis, ist zurückgetreten. Tsipras selbst schickt Reformvorschläge nach Brüssel, die mehr oder weniger das beinhalten, was seine Landsleute im Referendum vehement abgelehnt haben. Verrückt? Vielleicht. Vor allem aber taktisch. Alexis Tsipras hat die nächste Runde im Spiel um die Gelder eingeleitet.

Das Drohspiel, das sowohl die griechische Regierung als auch die Geldgeber in den vergangenen Wochen gespielt haben, hat mit dem Referendum sein krachendes Ende gefunden. Nun müssen Kompromisse gefunden werden, mit denen beide Seiten leben können.

Tsipras spielt mit hohen Einsätzen, die Not und Verzweiflung in seinem Land sind bereits unerträglich groß. Zudem bröckelt seine politische Glaubwürdigkeit an allen Fronten. Warum sollten die Geldgeber seinen Reformvorschlägen trauen? Warum sein Parlament die Kehrtwende mitmachen? Warum sollten ihn vor allem die 60 Prozent wiederwählen, denen er etwas anderes versprochen hatte?

Dagegen steht, was er möglicherweise rausholen kann: Im Gegenzug zu den Reformen verlangt Tsipras 53,3 Milliarden Euro an Hilfen, zudem eine Schuldenstreckung weit in die Zukunft hinein. Nicht zuletzt will Griechenland vor allem seine Schulden beim IWF und der Europäische Zentralbank zurückzahlen, so dass in ein paar Jahren nur noch die EU als Gläubiger übrig ist. Ein Vorschlag, der etwa Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht gefallen wird. Sie wollte den IWF immer im Kreis der Kreditgeber halten. Geht das Vorhaben trotzdem durch, hat das "Nein" Tsipras tatsächlich eine stärkere Verhandlungsmacht gebracht. Oder die Gläubiger einfach weiter zermürbt.

Die Meinungen über den Politiker Tsipras gehen weit auseinander. Ob er ein ausgekochter Stratege oder doch nur ein politisch untalentierter Grünschnabel ist, wird sich erst in der Rückschau zeigen. Am Ende ist jedes Spiel auch von den Gegen- und Mitspielern abhängig. Noch muss das Parlament in Athen Tsipras grünes Licht geben. Und die Gläubiger dürfen nicht trotzig reagieren. Sonst heißt es schnell: Game Over.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema