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Benko muss vor Ibiza-Ausschuss Gesundheitsminister: Kein Gruppensex

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Was für ein schönes Erratum, das die ursprüngliche Geschichte noch besser macht: Vergangene Woche stand an dieser Stelle, der Neos-Abgeordneten Stephanie Krisper sei im Ibiza-Ausschuss der Satz "Die geht mir am Oarsch" herausgerutscht. Stimmt nicht, wie ein Audiomitschnitt enthüllte, Krisper sagte: "Geh'n mir am Oasch, alle."

Damit wäre fast alles zum bisherigen Stand in der Aufklärung des Ibiza-Skandals gesagt, den Rest finden Sie in der letzten Ausgabe von "Jetzt ist schon wieder was passiert" vor der Sommerpause. Außerdem: Sex nur zu zweit und andere ganz normale Merkwürdigkeiten.

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gstopft : wohlhabend, betucht

Manchmal reicht ein Detail, um das große Ganze zu verstehen. Das ultimative pars pro toto im Ibiza-Untersuchungsausschuss lief am Mittwoch über den Nachrichtenticker: Wolfgang Sobotka wird als Auskunftsperson in den Ausschuss geladen. Sie hören den Namen zum ersten Mal? Kein Problem, Sie müssen nur eines wissen: Der Mann leitet den Ausschuss. Als Vorsitzender.

Vorweg sei gesagt, dass die Verfahrensordnung diesen Fall vorsieht. Was sie nicht vorsieht, und da beginnt das Problem: Eine Befangenheit des Ausschuss-Vorsitzenden.

Sobotka soll sich mehrmals mit dem Glücksspielmagnaten Johann Graf getroffen haben, dem Eigentümer von Novomatic, die laut Heinz-Christian Straches Sager auf Ibiza "alle zahlt". Gezahlt hat Novomatic auf jeden Fall an das Alois-Mock-Institut, dessen Präsident: Wolfgang Sobotka. Der kennt übrigens auch den Ex-Pressesprecher von Novomatic sehr gut, der früher als Sobotkas Pressesprecher gearbeitet hat.

Die Ausschuss-Mitglieder fordern schon seit Monaten den Rücktritt des ÖVP-Grandseigneurs vom Vorsitz, auch wegen seines Näheverhältnisses zu einigen Auskunftspersonen wie Sebastian Kurz. Das gestaltet sich allerdings schwierig: Die einzige Person, die den Vorsitzenden des Ausschusses laut Verfahrensordnung für befangen erklären könnte, hält Sobotka für nicht befangen. Die Person ist übrigens Wolfgang Sobotka.

Neben Sobotka sollen im Herbst weitere prominente Figuren aussagen, darunter Mitglieder der exquisiten Liste der reichsten Österreicher. Heidi Horten und Gaston Glock, beide Nebendarsteller im Ibiza-Video, werden neu geladen, sie hatten wegen Angst vor einer Corona-Infektion die erste Ladung ausgeschlagen. Neu dabei: René Benko, guter Buddy von Sebastian Kurz, der gerade auf der Titelseite des "Manager Magazins" abgedruckt wurde, daneben das wenig schmeichelhafte Wort "Sanierungsfall".

Wer Benkos Karriere verfolgt hat, weiß, dass damit vielleicht seine Kaufhauskette Galeria Karstadt Kaufhof gemeint ist, sicher aber nicht sein Geschäft mit den Immobilien. Benkos Rolle im Ibiza-Video ist noch ungeklärt, Strache behauptete, gerade von Benkos Yacht zu kommen - und Geld für die FPÖ bekommen zu haben, Benko dementiert das. Hoffentlich kann er sich, anders als Sebastian Kurz bei seinem Auftritt vergangene Woche, im Ausschuss noch erinnern, wie das damals war auf Ibiza im Sommer 2017.

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Mal wieder so eine Schlagzeile, die man in Vor-Corona-Zeiten lang und breit hätte erklären müssen, die nun aber bestens in die "neue Normalität" passt: "Gesundheitsminister rät von Gruppensex ab."

Das stimmt wirklich, so steht es geschrieben in den "Empfehlungen für die Sexarbeit" des Gesundheitsministeriums, aus denen ich aus Gründen des Jugendschutzes nicht so, pardon, genüsslich zitieren möchte, wie das einige zotig veranlagte Kollegen getan haben.

Erwähnen wollte ich die Broschüre trotzdem, nicht weil sex sells, sondern um Beweisstück Nr. 43.393 vorzulegen: Die neue Normalität, sie ist ganz schön merkwürdig.

Nehmen wir die Gesamtsituation: In Österreich steigen die Infektionszahlen wieder, die Wiener Virologin Monika Redlberger-Fritz maßregelt die Bevölkerung als "zu sorglos", Kanzler Sebastian Kurz empfahl, den MNS (Mund-Nasen-Schutz) nicht ganz hinten zu den Winterklamotten zu stopfen. Und just am 1. Juli, als erstmal seit dem 16. April wieder mehr als 100 Neuinfizierte in 24 Stunden gezählt wurden, traten neue Lockerungen in Kraft: Kontaktsportarten sind wieder erlaubt, Kellnerinnen müssen keinen MNS mehr tragen.

Nehmen wir Oberösterreich: Da hat sich ein neuer Hotspot gebildet, Ausgangspunkt waren Gottesdienste in sogenannten Freikirchen. Schließen müssen wegen einiger betroffener Kinder nun Kindergärten und Schulen in fünf Bezirken, über 80.000 Kinder gehen früher als geplant in die Sommerferien. Gottesdienste und andere Treffen in geschlossenen Räumen bleiben erlaubt, die Regierung gab nur eine "Empfehlung" ab, sie abzusagen.

Nehmen wir die Tests: Im März verkündete Sebastian Kurz, ihre Zahl soll sich auf 15.000 pro Tag belaufen. Erreicht wurden rund 6000. Nun kündigt Gesundheitsminister Rudolf Anschober den "Eintritt in ein neues Zeitalter" an: Mit 30.000 zusätzlichen Tests pro Woche, auch proaktiv. Im Prinzip also das Wiener Modell, mit dem die Stadt vor ein paar Wochen Cluster in Post-Verteilzentren aufgedeckt hatte - und von der Regierung gerügt wurde, weil die Infektionsrate kurzzeitig steil anstieg.

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++ Stand Freitag 10 Uhr verzeichnet Österreich 17.961 bestätigte Coronavirus-Fälle. Bislang sind 705 Menschen an oder mit Covid-19 gestorben. Aktuell verzeichnen die Gesundheitsbehörden 787 aktive Infektionen. ++ Aufwärtstrend am Arbeitsmarkt: Im Juni ist die Arbeitslosenzahl um 54.000 im Vergleich zum Mai gesunken. Die Dramatik der Corona-Krise zeigt sich im Vergleich zum Vorjahr: Im Juni 2019 lag die Arbeitslosenquote bei 6,5 Prozent, jetzt sind es 10,1 Prozent. ++ ÖVP-Triumph in der Steiermark: Bei den Gemeinderatswahlen vergangenen Sonntag legte die Volkspartei in 190 der 285 Gemeinden zu und kam landesweit auf 47,18 Prozent der Stimmen. Wahlverlierer war die FPÖ, sie holte nur 8,2 Prozent der Stimmen, 2015 waren es noch 13,9 Prozent. ++ Diplomatische Verstimmungen zwischen Ankara und Wien: Im 10. Wiener Gemeindebezirk haben Anhänger der rechtsradikalen türkischen "Grauen Wölfe" wiederholt Demonstrationen und Lokale von kurdischen Linken angegriffen. Österreich bestellte den türkischen Botschafter ein und beschuldigte Ankara, "Öl ins Feuer zu gießen". Die Replik: Österreich lasse "Terroristen" demonstrieren. ++ Bahn frei für die Not-Saison: Mit gleich zwei Rennen in Spielberg nimmt die Formel 1 den Betrieb wieder auf. Der RTL-Kollege Felix Görner hat sich den Hochsicherheitstrakt in der Steiermark angeschaut - den Fiebertest hat er schonmal bestanden. Im Tagesverlauf geht es auf der Strecke los mit dem Freien Training, alles Wichtige erfahren Sie bei den Sport-Kollegen von ntv.de. ++

Weil in diesem Newsletter auch der Servicegedanke großgeschrieben wird, verabschiede ich mich mit einem potenziell geldwerten Hinweis in die Sommerpause: Falls sie nach oder in Österreich reisen, achten Sie auf der Autobahn besonders auf das 100-km/h-Tempolimit nach IG-L, das per elektronischer Anzeige verkündet wird. IG-L bedeutet "Immissionsschutzgesetz Luft", Einheimische nennen es den "Luft-Hunderter" - und Sie sollten aufpassen, dass sich Ihre Hunderter nicht in Luft auflösen: Verstöße gegen das IG-L sind nämlich wesentlich teurer als die gegen die StVO.

Kommen Sie sicher und gesund in und durch den Sommer, im September lesen wir uns wieder. Wenn Sie Kritik, Lob, Wünsche oder Anregungen loswerden wollen, schreiben Sie mir gern eine Mail. Wenn Sie diesen Newsletter bequem jeden Freitag per Mail erhalten wollen, tragen Sie sich bitte einfach hier in den Verteiler ein.

Servus und Baba.

Ihr Christian Bartlau

Quelle: ntv.de