Österreich-Newsletter

Strache bringt Fahnder auf Spur "Mörtel" Lugner motzt auf dem Opernball

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Servus und herzlich willkommen zur neuen Ausgabe von "Jetzt ist schon wieder was passiert", dem Österreich-Newsletter bei ntv.de!

Die rassistischen Morde in Hanau beschäftigen auch Österreich: Kanzler Sebastian Kurz bekundete über Twitter sein Mitgefühl, vor der deutschen Botschaft in Wien gedachten gestern Abend 300 Menschen der Opfer.

Schnell machte auch die Nachricht die Runde, dass der Attentäter vor Monaten Kontakt zum Niederösterreicher Bernd G. gesucht hat, der als "Intuitionstrainer" tätig ist. In mehreren Mails habe der Deutsche um Hilfe gebeten, wobei genau, sei nie ganz klar geworden, sagte G. im Interview mit dem ORF: "Ich habe ihm geschrieben, dass ich ihm aufgrund der Komplexität der Sache nicht helfen kann. Dann war auch Ruhe."

Alles Wichtige zum Terroranschlag in Hanau finden Sie hier auf ntv.de.

In unserem Österreich-Newsletter besuchen wir heute den wichtigsten Ball der Saison - mit einem angefressenen Richard "Mörtel" Lugner und einer wegweisenden Premiere. Außerdem betrachten wir den wahren Kern hinter den wodka-getränkten Prahlereien von Heinz-Christian Strache auf Ibiza.

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Alles Walzer!: Freigabe des Tanzparketts

Was lange währt, wird endlich Walzer: Erst drei Tage vor dem 64. Wiener Opernball konnte Bauunternehmer und Reality-TV-Legende Richard "Mörtel" Lugner seinen Stargast aus dem Hut zaubern - Schauspielerin Ornella Muti ersetzte Ski-Sternchen Lindsey Vonn, die ihre Zusage zurückgezogen hatte. Umso lauter lobte Lugner Muti: "Sie ist einfach super, wunderbar - und sie macht alles, was man ihr sagt" .

Vor allem strahlte Muti, dafür sind Lugners VIP-Gäste ja da, um dem Highlight der Wiener Ballsaison das gewisse Etwas zu verleihen. Unter dem Motto "Königin der Nacht" feierten insgesamt 5000 Menschen (die billigste Karte kostet 350 Euro) in der Wiener Staatsoper die 144 Debütantenpärchen, die nicht nur den traditionellen Eröffnungswalzer tanzen, sondern zur "Bauernpolka" von Johann Strauß sogar mitsingen durften.

Einen besonderen Blick dürften die Gäste auf das erste gleichgeschlechtliche Debütanten-Paar geworfen haben: Sophie Grau und Iris Klopfer aus Ludwigsburg führten den Opernball damit quasi ins neue Jahrtausend, was nicht allen gefiel. Auch nicht Lugner: "Der Opernball ist der größte Traditionsball der Welt mit zeremoniellen Regeln. Da sollten Tanzpaare aus einer Frau und einem Mann bestehen." Organisatorin Maria Großbauer, die in diesem Jahr ihren Abschied beging, wischte die Bedenken weg: "Sie erfüllen das wichtigste Kriterium: Sie beherrschen den Linkswalzer." So ganz ohne Etikette ging es aber nicht: Zwei Kleider waren ausgeschlossen, also griff Sophie Grau zum Frack.

Was ein Wunder: Die Welt und die Tänzer haben sich trotz dieser Premiere weitergedreht. Nur "Mörtel" hatte zwischenzeitlich schlechte Laune, weil eine ORF-Moderatorin im Interview ätzte, Ornella Muti sei "nur dritte Wahl". Lugner beendete das Gespräch abrupt und ließ die Journalistin stehen. "Ich lasse meine Gäste nicht beleidigen", wetterte er später.

Wie man sich staatsmännischer und trotzdem nicht stocksteif gibt, demonstrierte der Mann, der Lugner bei den Präsidentschaftswahlen 2016 um Längen geschlagen hatte (Lugner erhielt nur 2,2 Prozent der Stimmen): Alexander Van der Bellen. Der 76-Jährige postete ein Bild von sich im seriösen Frack - und bei der Lektüre der Wiener Sonderausgabe des "Lustigen Taschenbuchs", in dem Daisy und Donald den Opernball besuchen.

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Es war laut Heinz-Christian Strache ja nur "a b'soffene G'schicht", aber schon interessant, was der damalige FPÖ-Chef auf Ibiza so alles ausplauderte über die Untiefen der österreichischen Politik. Das dachten sich auch die Ermittler des Bundeskriminalamts, die sich einige Vereine im Umfeld der FPÖ einmal genauer angeschaut haben. Und offenbar einige Volltreffer gelandet haben.

In einer Passage des legendären Videos der Wodka-Red-Bull-Orgie aus dem Sommer 2017 redet Strache über die Möglichkeit, über Vereine unerkannt Geld an die Partei zu schleusen: "Der Verein hat nichts mit der Partei zu tun. Dadurch hast Du keine Meldungen an den Rechnungshof."

Siehe da: Einige Industrielle haben Beträge in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro an vier FPÖ-nahe Vereine überwiesen, meldete der "Standard" unter Berufung auf Ermittlerkreise. Unter den edlen Spendern befinden sich demnach der Glücksspielkonzern Novomatic (Zitat Strache auf Ibiza: "Novomatic zahlt alle!") und die Waffenschmiede Steyr Arms.

Hauptempfänger: Das "Institut für Sicherheitspolitik", das zwar Konferenzen veranstaltet hat, laut These der Ermittler aber hauptsächlich dazu diente, "um Gelder für Strache respektive die FPÖ zu lukrieren".

Zur, nun ja, Ehrenrettung Straches und der FPÖ sei gesagt: Die Ermittler untersuchen auch Vereine aus dem Umkreis von ÖVP und SPÖ. Verdeckte Parteienfinanzierung über Vereinskonstruktionen, das ist kein FPÖ-Patent. Angesäuselt damit prahlen schon.

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++ Vertrauensfrage per Rundpost: SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner verschickt einen Fragebogen zur Ausrichtung der Partei an alle Mitglieder. Unter anderem sollen sie entscheiden, ob Rendi-Wagner noch die Richtige an der Spitze der Partei ist. ++ Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) gab Anfang der Woche einen Beschwerdebrief an Ursula von der Leyen in die Post. Der Grund: EU-Verkehrskommissarin Adina Valean hatte bei einem Besuch gesagt, Österreich solle gefälligst alle Fahrverbote im Transitverkehr aufheben - oder aus dem Binnenmarkt austreten. ++ In Brüssel kämpft derweil Kanzler Sebastian Kurz als Teil der "Sparsamen Vier" Dänemark, Schweden, Niederlande und Österreich für ein niedriges EU-Budget. Er fordert, die Beiträge der Nettozahler dürften "nicht ins Unermessliche steigen". ++ Bitte nicht lesen, wenn Sie heute noch Omelette essen wollen: Eine Fabrik in Niederösterreich soll systematisch Gammel-Eier weiterverarbeitet haben. Ein Arbeiter berichtete der "Süddeutschen Zeitung", Eier mit Schimmel- und Madenbefall seien nicht weggeworfen, sondern portionsweise untergemischt worden sein. Zu den Kunden des Betriebes gehören unter anderem Bäckereien und Nudelhersteller. ++

Weil ich mich nicht mit so einer unappetitlichen Geschichte ins Wochenende verabschieden möchte, empfehle ich Ihnen noch einen Text, in dem es im weiteren Sinne um Machthunger geht: Sebastian Kurz gilt einigen in der Union als Vorbild, wie man eine schwächelnde Volkspartei wieder zur stärksten politischen Kraft aufpäppelt. Warum eine Kopie des Wiener Modells aber schwierig bis unmöglich wird für die CDU, lesen Sie morgen auf ntv.de.

Wenn Sie Lob, Kritik, Wünsche oder Anregungen loswerden möchten, schreiben Sie mir gern eine Mail. Wenn Sie diesen Newsletter bequem jeden Freitag per Mail erhalten wollen, tragen Sie sich bitte einfach hier in den Verteiler ein.

Servus und Baba, bis nächsten Freitag

Ihr Christian Bartlau

Quelle: ntv.de